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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-07-01 · Heft 7 (1.7.1885) · p. Seite 153

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 7 (1.7.1885)
Date
1885-07-01
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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153 jedes Mittel gut ist, um eine Menschenseele zu erhaschen und unter die Fahne des allein seligmachenden Glaubens zu schmuggeln, etwas rein Undenkbares, ja eine oontraäivtio in $e wäre. Und dennoch ist es hochinteressant, auch ausdrücklich eine hierauf bezügliche Frage im Talmud ventilirt zu finden. Es wird nämlich (Ketubot, Folio 11a) folgender Rechtsfall erörtert. Wenn dem Heidentum angehörige Eltern zum Judentum sich bekehrten und gleichzeitig auch ihre unmündigen Kinder mit übertreten ließen, einer dieser Söhne jedoch, kaum zu geistiger Mündigkeit gelangt, erklärt, er finde im Judentume keine Befriedigung und wünsche daher wieder auszutreten — steht in solchem Falle dem jüdischen Gerichtshof das Recht zu, diesen Neophyten, nachdem er einmal gesetzliche Aufnahme gefunden, gegen seinen Willen im Judentum zurückzuhalten? Nein! antwortet der Talmud, kein Gerichtshof ist berechtigt, ihm den Austritt aus dem Judentume zu verweigern. Und der Kommentator Raschi fügt Hinzu, daß dies selbst in der Zeit galt, als den jüdischen Gerichtshöfen die volle politische Macht zur Seite stand. Und nach Maimuni l Trakt. Melach. 10, 3) konnte dieser wieder austretende Neophyt blos dazu verhalten werden, die sieben noachidischen Gebote, d. h. die rein menschlichen Satzungen zu beobachten. Kann man somit nicht mit Recht behaupten, daß der so arg verleumdete Talmud auf einer Höhe religiöser Duldung stand, zu der man auch noch im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts mit Verehrung emporblicken muß? Pie Wik Mto's in ihrem Werhättniß zu den ethischen Lehren der Wokks- und Hesehestehrer der Inden in HMstina und Wabytonien. Eine für die Ethik eigens abgefaßte Schrift findet sich nicht unter den Schriften Philos, dagegen sind ihre Themen an verschiedenen Stellen in denselben ausführlich behandelt, so daß es nur des Zusammenstellens bedarf, um den Organismus der philonischen Ethik vor sich zu haben. Ihr Wesen hat die Vollendung des religiösen Lebens zu ihrem Ziele, aber diese ist der Hauptsache nicht, wie in der Bibel, die auf das Leben gerichtete menschliche Thätigkeit, sondern die Abkehr vom Leben, die Abwendung von allem Weltlichen, die strenge Entsagung, das Aufgeben alles Irdischen und das völlige Aufgehen in Gott, die göttliche Erkenntnis, die innere Beschauung und die Versenkung der menschlichen Seele in die Allseele Gottes. Auch die Tugenden der philonischen Ethik sind nicht wie die biblischen, die für's Leben und für die Welt zu vollziehenden edleren Werke, sondern innere Eigenschaften, Seelenfertigkeiten, Geistesvollendungen. Woher diese Verschiedenheit? Den Grund derselben haben wir in der Anthropologie Philos zu suchen, in seinen Lehren von „Seele oder Leib", in denen er meist den philosophischen Anschauungen Platos und der Stoa gefolgt ist, ohne zu bedenken, daß diese so gewonnenen Resultate nicht immer mit den Lehren und Anschauungen der Bibel in Einklang zu bringen sind. Wir müssen daher zum klarerem Verstäudniß der philonischen Ethik auf diese anthropologischen Lehren zurückgreifen und sie hier vorausschicken. Die Seele ist nach Philo, eine #

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