Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1885)
- Date
- 1885-07-01
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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152 peinvoller Lage. Diese Mutterliebe wurde aber auch belohnt von den Kindern, die in ihrer Liebe und Verehrung keinen Unterschied kannten zwischen Vater und Mutter. Der 5. Spruch des Zehnwortes prägt in gleicher Weise die Ehrfurcht gegen Vater und Mutter ein, und daß hie Reihenfolge nicht urgiert werden darf, beweist die Wiederholung des Gebotes im 19. Kap. des 3. B. M., wo es heißt: „Ein Jeder soll seine Mutter und seinen Vater ehrfürchten!" Auch die Spruchweisheit warnt in gleicher Weise vor Verletzung der Ehrfurcht gegen die Mutter wie gegen den Vater (Spr. 20, 20). „Wer Vater oder Mutter flucht, dessen Leuchte erlischt in dichter Finsternis": ferner (Spr. 30, 17): „Ein Auge, das des Vaters spottet und den Gehorsam gegen die Mutter mißachtet, das werden die Raben des Thales aushacken und die Zungen des Adlers auffressen". Wie König Salomo beim Nahen seiner Mutter sich ehrfurchtsvoll erhob von seinem Throne, ihr entgegenging, vor ihr sich verbeugte und sie neben sich auf dem Throne niedersetzen ließ (1. Kön. 2, 19 ff.), so ward die Mutter in Jsra'el zu allen Zeiten auch von dem Geringsten des Volkes in hohen Ehren gehalten. (Schluß folgt.) Wetigiöse Toleranz im talmudischen Schrifttum. Bon vr. A. Schmie dl. Bekanntlich sind es zwei schreiende Mortarafälle, die gegenwärtig alle Beffergesinnten in nicht geringe Aufregung versetzen. In Krakau nämlich ward ein jüdisches Mädchen ohne Wissen und Willen der Eltern in aller Heimlichkeit getauft und dem väterlichen Hause entzogen, so daß alle Bemiihungen der tiefbekümmerten Eltern, das ihnen entrissene Kind wieder zurück zu erlangen, bis jetzt ftuchtlos sich erweisen. In Lemberg ereignete sich derselbe Fall, nur sind es dort protestantische Eltern, die in gleicher Weise den Verlust ihres Kindes beklagen, welches sie ebenso allerorten bis jetzt vergeblich requiriren. Wer sollte glauben, daß noch in unserem sogenannten hocherleuchteten Zeitalter die Bekehrungssucht zu solch fanatischer Höhe sich »ersteigen und derlei empörende Eingriffe in das heiligste Selbstbestimmuugsrecht der Menschen sich gestatten könne? Und unwillkürlich muß man daran denken, was die Welt gesagt hätte, wenn es einem Rohling oder vielmehr seinem Spiritus fs.mili3.ris Juftus-Brimann in den Sinn gekommen wäre, dem T a l m u d etwas Aehnliches anzudichten — wie würde da sofort über die die Menschheit gefährdenden Unheilsdogmen des Talmud in allen Tonarten Zeter und Mordio geschrieen worden sein! Indessen ist es längst konstatirt, wie sehr gerade der Talmud aller Proselytenmacherei abhold ist. Ja es gehört eben mit zu den hellsten Glanzseiten der talmudischen Lehre, daß sie selbst im Heiden den bessern Menschen ehrte und voll anerkannte, auch an dem Nichtjuden treffliche Eigenschaften — wie Ehrfurcht vor den Eltern und dgl. — mit warmen Worten pries und zum Vorbild hinstellte, und selbst die jenseitige Seligkeit nicht an das Glaubensbekenntnis knüpfte. Und nach solchen wahrhaft erleuchteten Grundsätzen ist es schon an und -für sich selbstverständlich, daß auf dem Boden des Talmud die Möglichkeit solcher schreiender Mortarafälle, oder die Lehre, daß ad majorem dei gloriam