Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1885)
- Date
- 1885-07-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
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150 Volkes von dieser verderblichen Sitte fern zu halten. Nur von dem Stamme Jsaschar, der später, wie aus dem sog. „Segen Jakobs" hervorgeht (Gen. 49,15.16), genußsüchtig und entnervt und den Urbewohnern des Landes tributpflichtig wurde, berichtet die Chronik (I, 7, 14), daß in seiner Mitte die Polygamie häufiger vorkam. Im Großen und Ganzen aber kann man sagen, daß im israel. Volke fast durchweg die Einehe herrschte, während die Polygamie und die Unsitte der Kebsweiber zu den in den höheren Ständen beliebten Ausnahmen gehörten. Letztere wird schon durch den unhebräischen Namen Ptl6gesh, der sich mit dem griechischen und lat. Pellex vollständig deckt, als eine ausländische Einrichtung gekennzeichnet. Sie erinnern sich noch der vorhin erwähnten Notiz von dem Richter Jbzan, der für seine 30 Söhne 30 Frauen in sein Haus brachte, was sicherlich für die Einehe spricht. Ebenso lebten auch die Propheten Israels von Mose bis auf Maleachi allesammt in der Einehe; dasselbe gilt von den Priestern. Die Sprichwörter, diese redenden Zeugnisse volkstümlicher Denkungsart, sowie die rednerischen Bilder, welche Propheten und Dichter dem häuslichen Leben entlehnen, setzen durchweg die Einehe voraus. Ich erinnere noch zum Ueberfluße an den Psalm von dem frommen Mann (Ps. 128, 3), darin das häusliche Glück desselben geschildert wird mit den Worten: „Dein Weib ist wie ein fruchttragender Weinstock im Innern deines Hauses, deine Kinder wie Oelbaum- Sprößlinge rings um deinen Tisch." Die in den höheren Ständen sporadisch vorkommende Polygamie konnte demnach den heiligen Charakter der Ehe und die moralische Stellung des israel. Weibes im Allgemeinen ebensowenig erschüttern, wie etwa in späteren Zeiten und unter anderen Himmelsstrichen ähnliche Ausschreitungen in den höheren Ständen das Eheleben des Volkes zu schädigen vermochten. Unerschütterlich war das Vertrauen des Mannes auf die Treue seines Weibes, das seinen Namen trug (Gen. 16, 1), und er hatte auch guten Grund dazu, denn das israel. Weib war keusch und treu, ausdauernd und opferbereit in der Liebe zu dem Gatten. Der unsterbliche Dichter des „Hohenliedes", der die Treue einer Frau besingt, die allen Reizungen und Verlockungen eines mächtigen Königs wiedersteht, weil eine Liebe „gewaltig wie der Tod" sie zu dem Gatten hinzieht, muß solche treue Liebe bei den Frauen seines Volkes beobachtet haben. Aus dem Leben israeltischer Frauen gewann er die Erfahrung, die er seine Sulamis aussprechen läßt (Cant 8, 7): „Gäbe ein Mann den ganzen Reichtum seines Hauses um Liebe, — man würde ihn nur verachten!" Aus diesem lebhaften Gefühl für Frauenwürde erklärt sich auch jener freier, ungezwungener und harmloser Verkehr des israel. Weibes mit dem Gastfreunde des Hauses, wie wir ihn in gleicher Weise bei keinen! Volke des orientalischen Altertums begegnen. . Diesem Vertrauen des Mannes entsprach auch die Stellung des Weibes in seinem Hause. Das Sprichwort nennt sie „die Krone ihres Mannes" (Spr. 12, 3. ib. 14, 1) und erwartet von ihrer Klugheit den Aufbau des Hauses. Ueberall wird ihr mächtiger Einfluß auf Geist und Sitte der Familie, auf das Herz des Gatten und der Kinder betont. Selbst der Tadel, den der Spruchdichter hin und wieder gegen ein zuchtloses oder zänkisches Weib vorbringt, sowie die Warnung des Gesetzes vor dem Eingehen einer Ehe mit den kanaanitischen Völkerschaften, zeugen im Grunde von dein tiefgehenden Einfluß, den das Weib im Hause ausübte. „Durch solche Ehe könnte dein Sohn von mir kbgelenkt werden zum Dienste fremder Götter", sagt das mos. Gesetz (Deut. 7, 4), während es von