Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1885)
- Date
- 1885-07-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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149 Daher haben auch seine Lebensweise und seine moralischen Lehren ein so großes Interesse bei der Mit- und Nachwelt gefunden, und um ihres Ursprungs willen sind die Speiseregeln, denen man doch im Allgemeinen keine besondere Bedeutung in dem moralphilosophischen Systeme des Mannes zuschreiben kann, von der pytagoräischen Schule fortgepflauzt und von den späteren Biographen in ihren Einzelheiten dargestellt und überliefert worden. Von den jüdischen und christlichen Schriftstellern der römischen Kaiserzeit ist uns so manche phantastische Konstruktion als historische Wahrheit aufgetifcht worden. Da mußte Plato, ein attischer Moses, ein Schüler des Jeremias sein, Aristoteles einen Disput mit einem Juden und Homer eine Kenntnis der hebräischen Gottesbücher gehabt haben. Auch den Pythagoras lassen die Gewährsmänner des Jamblich und Porphyrius von den Aegyptern und Chaldäern unterrichtet werden und sein Geburtsort wird nach Tyrus in Phönizien verlegt. Dieses dürfte kaum mehr als ein Phantastegebilde sein. Aber eine Beziehung zu jenem Erdenwinkel bleibt imnier wahrscheinlich. Es erscheint nicht als unmöglich und unglaublich, daß auf die pythagoräischen Speiseregeln durch irgend welche uns unbekannte Mittelwege hie Vorschriften, welche wir in dem elften Kapitel des Levitikus lesen, einen formellen und sachlichen Einfluß ausgeübt haben. Die Stellung der Irau im öiölischen Altertum. Vortrag, gehalten zum Besten des Stipendienfonds der „Lehranstalt f. d. W. d. Jud." im Saale der „Gesellschaft der Freunde", Berlin, den 4. Februar 1884 von vr. M a y b a u m. (Fortsetzung.) Bevor wir weitergehen und die überaus würdige Stellung der Frau in ihrem Hause betrachten, wollen wir einem Vorwurf begegnen, der, wenn er gerechtfertigt wäre, die Stellung der Frau allerdings schon an der Wurzel schädigen würde. Wir meinen die Polygamie. Die Polygamie war eine Einrichtung der vorderasiatischen Völker, bei denen das Weib in der That in niedriger Schätzung stand. So lange die hebräischen Stämme Wandervölker waren, konnte sich diese Sitte bei ihnen nicht einbttrgern, und die Einehe Isaaks ist auch hierin ein Abbild der uralten Stammessitte. Von den hebräischen Ehen, die wir aus der vormosaischen Zeit kennen, sind alle monoganisch bis auf die des dritten Patriarchen, die in Aram geschlossen und die auch als von dem Patriarchen ursprünglich nicht beabsichtigt und gls die Quelle aller seiner Leiden dargestellt wird. Mit der Eroberung fester Wohnsitze zu beiden Seiten des Jordans drang die Sitte der kanaanitischen Urvölker auch in Israel ein, wo sie indeß zumeist nur bei den Stammeshäuptern und Königen, die dadurch mächtige Geschlechter in ihr Interesse ziehen wollten, Eingang fand. Der Mosaismus aber verhielt sich gegenüber dieser Einrichtung von Halls aus ablehnend, nahm in das Königsgesetz ein Verbot gegen die Vielehe auf (Deut. 17, 17) und suchte auch sonst, soweit er sie nicht hindern konnte, die schädlichen Folgen derselben auf dem Wege des Gesetzes zu beseitigen (Deut. 21, 15). Dagegen gelang es wohl dem Mosaismus, den Kern des