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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-07-01 · Heft 7 (1.7.1885) · p. Seite 146

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 7 (1.7.1885)
Date
1885-07-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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146 man das Reine streng von dem Unreinen sonderte, und die Förmlichkeiten, die bei der Mahlzeit beobachtet wurden, alles das mußte sich seinem Gedächtnis um so fester einprägen, als er es täglich von neuem sah. Leider war nun in der Zeit des blühenden Griechentums, in der Zeit des Perikles und des Demosthenes, die Selbständigkeit des Reiches Juda schon lange gebrochen und der Reisende konnte an den unglücklichen Nachkommen einer ruhmvollen Vergangenheit nicht mehr die Eigentümlichkeiten des Volkes voll und ganz beobachten, wie sie uns noch in der einheiniischen Litteratur vor Augen treten. Vielleicht als einer der Ersten besuchte Herodot, der Vater der Geschichte, um 450 v. Ehr. das palästinische Land. Das Merkwürdigste, was er zu berichten fand,,, war die Beschneidung, die er verallgemeinernd als eine Eigentümlichkeit der Ägypter und Äthiopen bezeichnet, von denen sie die Phöniker und Palästinenser gelernt hätten (Herodot II. 101). Von Speisegesetzen aber und verbotenen Thieren erfuhr oder berichtete er nichts. Hundert Jahre nach ihm kam der Schüler des Aristoteles, Theophrast, in das jüdische Land und erstattete seinerseits über die Eigentümlichkeit des jüdischen Opferns Bericht in seiner Schrift „Ueber die Frömmigkeit" und zwar in philosophisch reflektierender Weise (siehe Jakob Bernays: Theophrastos' Schrift über die Frömmigkeit). Ueber die mosaischen Speiseregeln ist uns kein solcher Bericht, der auf eigener Wahrnehmung beruhte, aus dieser Zeit erhalten. Ob dieses auf Zufall oder mangelhafter Überlieferung beruht, ist ungewiß. Wenn sich aber erweisen ließe, daß die Vorschriften, welche der etwa zur Zeit des Cyrus und Cambyfes lebende Philosoph Pythagoras gab, ihren Ursprung im Osten, in der mosaischen. Gesetzgebung, haben, so würde uns eine derartige Thatsache weit wichtiger und anziehender erscheinen, als irgend ein Reisebericht über die jüdischen Speisegesetze. Denn hier fänden wir einen direkten Einfluß, einen geschichtlichen Vorgang und eine Anerkennung des jüdischen Brauches durch einen Griechen, während jene Reisenden doch immer nur den beobachteten Eigentümlichkeiten gegenüber sich kritisch und ablehnend verhielten. In der That ist es interessant, zu sehen, wie ein philosophisch spekulativer Kopf unter den Griechen über die Bedürfnisse des täglichen Lebens Gedanken aussprach, welche uns sogleich an die im Leviticus lang und breit ausgeführten Bestimmungen erinnern. Zwar dürften die Lebensbeschreibungen des Pythagoras, welche erst im dritten oder vierten nachchristlichen Jahrhundert von Diogenes Laertius, Jamblich und Porphyrius verfaßt worden sind, viele diesem Philosophen init Unrecht zugeschriebene Lehrsätze und Regeln enthalten. Aber einerseits beruht der Kern des biographischen Materials über Pythagoras auf der Überlieferung seiner Schule, andererseits ist auch dasjenige, was etwa blos erdichtet sein mag, ganz im Geiste und aus dem Sinne des Philosophen geschrieben. Die Bestimmungen, welche er über gewisse Speisen gab, können wir wohl für ebenso echt und alt wie die Seelenwanderung halten, deren schonHerodot in seinem Geschichtswerke gedenkt (Herodot II, 95). Ueber die ersteren wird in der von dem Neuplatoniker Jamblich verfaßten Biographie Cap. XXIV. Folgendes berichtet: „Von den Speisen verwarf Pythagoras alle diejenigen, welche Blähung und Unwohlsein verursachen, und ließ die diesen entgegengesetzten zu. Daher hielt er auch den Genuß von Hirsen als einer nahrhaften Speise für statthaft. Vor allem verwarf er die den Göttern unwillkommenen Speisen, da sie uns von dem Verkehr mit jenen ablenken. Andererseits ordnete er wiederum an, daß man sich auch derer enthalten solle, welche heilig hießen, wie der Opfertiere, da sie größerer Ehre würdig seien, als des menschlichen Genusses. Auch ermahnte er

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