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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-06-01 · Heft 6 (1.6.1885) · p. Seite 138

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 6 (1.6.1885)
Date
1885-06-01
Page
Seite 138 (sequence 18)
Language
German
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138 entbindet auf dem Wagen und wird im jüdischen Krankenhause nicht angenommen. — In Kralnnow stieß ein jüdischer Jüngling ein Mädchen ins Wasser, die am 31. März von Fischern als Leiche ans Land gebracht wird. In Ht. Petersburg müßte sich nach Art der Wiener Allianz ein Verein bilden, um 'die Kultur der russischen Glaubensgenossen zu heben- — Wie die „Hazephirah" berichtet, wurden die Chedarim in Warschau und Umgegend auf Befehl des Gouverneurs einer Untersuchung in Bezug auf ihre hygienischen Verhältnisse unterzogen. Von den 50 Untersuchten wurden nur 17 als den gesetzlichen Ansprüchen genügend befunden. Auch sollen in Zukunft, einer bestehenden gesetzlichen Bestimmung gemäß, nur die Kronrabbiner predigen dürfen und die Rabbinatscanditaten sich einer Prüfung über Kenntnis der Landessprache und anderer nötiger Wissenszweige unterwerfen müssen. — Das Bedürfnis, das Sabbatgesetz zu reformieren, nimmt in Rußland eine eigentümliche Gestaltung an. Ein Talmudist erlaubt am Sabbath mit der Eisenbahn zu fahren, wenn man die entschuhten Füße beständig in einem Wassergefäß hat. Es ist dies eine Art Sabbat-Eisenbahn- Fußbad! — In einer Vorstadt Konstantinopels, KadilrSi, wurde ein Judenkrawall in Szene gesetzt. Zwei Bataillone Kavallerie zerstreuten die Menge, die anfangs Widerstand leisten wollte. Erst nachdem einige verwundet und viele verhaftet wurden, war die Ruhe hergestellt. Der Großrabbiner erhielt vom Sultan die Versicherung, daß die Regierung Alles aufbieten würde, um Derartiges zu verhüten. — In Baku wurde ein jüdischer Lohnkutscher mißhandelt und konnte kein Recht finden. Eine von ihm beim Justizminister direkt eingereichte Petition bewirkte, daß sofort auf telegraphischem Wege an das Tribunal zu Baku die Weisung ergieng, den Fall streng zu untersuchen. — Johannes, König von Abestynien, der sich für einen Abkömmling des Königs Salomo hält und vor einigen Jahren einen Orden „Chatam Suleimann“ (Siegel Salomo's) gestiftet, erteilte dem italienischen Künstler Uardi den Auftrag, ihm einen Tron ganz nach dem Borbilde desjenigen, den sein genannter Ahnherr seiner Zeit benutzt hatte, und von dem noch eine Schilderung in abessynischen und jüdischen Geschichtswerken vorhanden ist, anzufertigen. Statt aus Gold sollte jedoch der Tron aus vergoldetem Silber sein. Achtzehn volle Monate hat nun der Künstler an diesem Trone gearbeitet und denselben glücklich vor etlichen Wochen in den königlichen Palast gebracht, wo er in Gegenwart seines Hofstaates nnd seiner Minister von König Johannes feierlich bestiegen wurde. — Erzherzog Kram Ferdinand hat bei seinem Aufenthalte in Jerusalem auch eine Synagoge besucht, woselbst das Gebet für das Haus Habsburg aus diesem Anlasse gesprochen wurde. Zur Erinnerung trug er seinen Namen in das Gedenkbuch der Synagoge ein. — Die Angelegenheit in Kemnat ist dahin erledigt, daß der Sultan die Juden für die Verfolgungen entschädigt. Ein jüdischer Repräsentant wird ernannt, welcher unter dem Schutze der Gesandten von Frankreich, England und Italien steht, und der gegen jede weitere Ausschreitung schützen soll. — Jetzt, wo die zentralasiatischen Verhältnisse im Vordergründe der Tagesereignisse stehen, dürfte die Mitteilung eines Korrespondenten von doppeltem Interesse sein, daß in Merw und in der Festung Iarak eine große Anzahl Juden wohnen. Dieselben sind aus Persien und Afghanistan eingewandert. Der Schächter in Merw stammt aus Meschhed (in Chorasan), wo die Juden vor 4b Jahren gezwungen worden sind, den Islam anzunehmen. Etwa 500' Familien wurden zum Schein Mohamedaner. Sie haben fast in jedem Hause einen Schächter, damit die Perser nicht sehen, daß sie den jüdischen Ritus halten. Mischehen kommen nicht vor, die Töchter

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