Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1885)
- Date
- 1885-06-01
- Page
- Seite 137 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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137 more wurde, um die Lage der armen Juden zu verbessern, eine Institution errichtet, welche die allgemeine Aufmerksamkeit aus sich zu ziehen berechtigt ist. Sie nennt sich „United Hebrew School and Kitchen Carden“ und ist eine praktische Vervollkommnung des sogenannten Kinder-Gartensystems. Die kleinen Kinder, insbesondere Mädchen, welche im elterlichen Hause in Folge der großen Armut vernachlässigt werden und in Schmutz aufwachsen, werden hier ihren Kräften entsprechend an die praktischen Pflichten des Lebens und namentlich an strenge Reinlichkeit gewöhnt. — In Kuenos-Ayres ist eine neue israelitische Kultusgemeinde in Gründung begriffen. Die Gründer stellen als Hauptprinzrp ihrer „Reformen" auf, daß sämmtliche Gebete in deutscher Sprache verrichtet werden, daß die Bibel und alle sonstigen jüdischen Schriften ebenfalls in der Schule, sowie in der Synagoge in der deutschen Uebersetzung gelehrt werden, respektive zum Vortrage gelangen sollen. Ein Mischer Gottesdienst ohne hebräische Sprache ist ein Zweig ohne Wurzel, der verdorren muß. Auch in London ist eine Brochüre erschienen, in welcher die Beseitigung des Hebräischen aus dem jüdischen Gottesdienste verlangt wird. In der That ein thörichtes Verlangen. Die hebräische Sprache kann nie und nimmer aufhören, die Gottesdienstsprache zu sein, wenn es auch richtig ist, daß daneben Gebete in der Landessprache einzuführen sind und daß die Thora während des Gottesdienstes dem Verständnisse des Volkes durch Uebersetzung und Erklärung näher gebracht werden muß. Die hebräische Sprache eignet sich außerdem, daß sie ein einigendes geistiges Band bildet, ganz besonders als Gebetssprache. — Herr Joseph Kabinowitsch, der Organisator der neuen jüdischen Sekte aus Kischenem, ist in Berlin zum Christentum übergetreten. Er hat die Erlaubnis zur Abhaltung von Gottesdiensten und zur Vornahme von Taufen an Inden empfangen. Es sollen durch ihn in den Kirchen Predigten im jüdisch-deutschen Jargon abgehalten werden, um in den unteren Klassen der Juden in Rußland missionarisch wirken zu können. Auch soll zu diesem Zwecke ein neues Gebetbuch abgefaßt werden. — Durch Enthüllungen des Herrn Ephraim Deinard aus Odessa im „Hamagid" erfahren wir, daß der Schwager des Herrn Rabbinowitsch, Herr Äechiel Iewi Herschensohn, in Berlin getauft, unter dem Namen L. Lichtenstein sich als chassidischer Rabbi herumtreibt und sogar jetzt in Podolien in einer kleinen Gemeinde als Rabbiner angestellt sein soll. — Am 30. März erreichte der frühere Dozent an der Rabbinerschule zu Iitomir, Herr Ch. H. Ferner, bekannt als tüchtiger Hebräist, sein siebenzigstes Lebensjahr. — Herr Dr. Kosenbach in St. Petersburg wurde zum Privatdozenten an der dortigen medizinischen Fakultät ernannt. Die Montefiore-Gefeltschaft;ur Kolonisation Palästinas zählt bis jetzt 51 Zweigvereine mit 10,000 Mitgliedern. Vierzig Vereine verfolgen ähnliche Zwecke, von denen die meisten in Rußland sind. — In Wladilranckas verkaufte ein Vorbeter seinen Anteil am ewigen Leben für einige Silberlinste an einen Glaubensgenossen. Mit Bewilligung des Vorstandes verrichtete dieser famose Vorbeter gegen den Willen der Gemeinde am Neujahrsfeste seine Funktionen. Es kam im Gotteshause zu Schlägereien und die Behörde mußte die Ruhe Herstellen. Es fehlt leider den Juden in Rußland jede Synagogen-Disziplin. Auch in Minsk kam es am 11. April zu Schlägereien in einer Synagoge, die große Dimensionen angenommen. Die einschreitende Polizei wurde mit Steinwürfen begrüßt. — Höchst traurig sind die Zustände des Judentums in Balta, Dort wurde ein Mann durch jüdische Totengräber ermordet. Ein jüdisches Mädchen, von der Mutter verlassen, wird von den Juden nicht angenommen, ein Christ nimmt sich ihrer an und führt sie der Taufe zu. Eine Frau 13