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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-06-01 · Heft 6 (1.6.1885) · p. Seite 136

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 6 (1.6.1885)
Date
1885-06-01
Page
Seite 136 (sequence 16)
Language
German
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136 um diese Zeit eine Blutbeschuldigung geplant und der berüchtigte „Westungarische Grenzbote" brachte eine Nachricht von einem abgeschlachteten Mädchen im Trentschiner Komitate, welche in Preßburg große Aufregung Hervorrieß obwohl man nur eine gewöhnliche Lüge aufgetischt bekam. — In Pistk in Böhmen kam am 2. April ein zehnjähriger christlicher Knabe, zu dem jüdischen Händler, Moritz Dnll. Um 10 Uhr Abends kamen drei Polizisten zu Herrn Ball, um den Knaben, der nicht nach Hause gekommen war, zu suchen. Die Nachricht von einem abgeschlachteten Kinde verbreitete sich schnell und die Erregung der Bevölkerung war eine große. Der gesuchte Knabe kam endlich nach Hause und erzählte, Herr Ball hätte ihn schlachten wollen. Am nächsten Tage jedoch kam der Knabe und seine Mutter und wiederriefen das Erzählte. Offenbar haben hier wieder Antisemiten ihre Hand im Spiele gehabt. — In Bukarest kam eine Christin in den Laden eines jüdischen Damenschneiders und beschuldigte ihn, daß er ihr Kind umgebracht habe, um dessen Blut für die Mazzoth zu gebrauchen. Ihre beiden Kinder seien an dem Laden vorbeigegangen und nur eines sei zurückgekommen. Sie machte einen solchen Lärm, daß sich Pöbel ansammelte, der eine drohende Haltung anzunehmen begann. Durch das Dazwischenkommen eines Popen aus dem benachbarten Kloster wurden Ausschreitungen verhindert, bald kam auch Polizei, die die Ruhe wieder herstellte. Das Kind wurde bald darauf wolbehalten aufgefunden. Auch in Alerandrien wurden derartige Bewegungen rasch durch die Regierung unterdrückt.—In Böhmisch-Kamnitz fand man am 21. März mehrere Drohbriefe, in denen eine Verweisung der Juden aus der Stadt verlangt wurde, widrigenfalls Brände gelegt werden würden. Man recherchirte eifrigst nach den Verfassern und Verbreitern dieser Briefe. — In Rambouillet hat ein Redakteur in einem Artikel gegen die Juden auch den Deputaten Arryfutz angegriffen. Mit einer dafür dem Redakteur von den Vertretern des Herrn Dreyfuß gegebenen Ohrfeige, da er Genugthuung verweigerte, endete die Affaire. — In Troyer ist eine Synagoge erbaut worden. — Die Stadt BriilTd hat, trotz der klerikalen Kammermajorität und des klerikalen Ministeriums, den Religionsunterricht aus dem Programm der öffentlichen Schulen verbannt. Auf Anordnung der Konsistörial-Verwaltung wird der höhere Unterricht vom Großrabbiner erteilt während für den Unterricht in den unteren Klassen Lehrkräfte angestellt wurden. Auch hat sich daselbst ein Damenkomitv gebildet, um jüdischen jungen Mädchen in Geschäften und Ateliers Stellungen zu verschaffen. Dadurch sollen die hierher kommenden jungen Holländerinnen der Hausirerei enthoben werden, die ihnen jetzt als einziger Erwerb dient. — Herr Rabbiner Dr. H. Adler aus London hat eine Reise nach Palästina angetreten. — Herr Crescendo Alatri in Kam wurde wegen seiner Verdienste um den Unterricht der jüdischen Jugend dekoriert. — Nach Last! wurde Herr Or. Arthur Cohn als Rabbiner berufen. — In Stadel wurde Herr L. Oppenheim vor Lengnau beraubt und ermordet. — In der Diamantenschleiferei des Herrn Zakob S. Metz in Amsterdam wird gegenwärtig ein Diamant, welcher alle bisherigen an Größe und Weiße übertrifft, geschliffen. Das eigens hiezu eingerichtete Atelier steht unter besonderer polizeilicher Aufsicht! — In Kopenhagen verstarb der Kupferstecher Joel Balli» im Alter von 63 Jahren. Von der Kunstakadenlie wehte während des Leichenbegängnisses eine Trauerfahne. Herr Oberrabbiner Prof. Dr. Malst hob in seiner Leichenrede auch des Heimgegangenen Verdienste als Künstler hervor. - In New-Aork wurde die neue Synagoge der Bnai Ielchurun eingeweiht. — In Sidnei starb Herr L. M. Löwy, der zu wolthätigen Zwecken 160,000 Mk. hinterlassen. — In Haiti-

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