Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1885)
- Date
- 1885-06-01
- Page
- Seite 135 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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gionsunterrichtes sich zur Aufgabe stellt. —. In Budapest wurde an dem vergangenen Pesachfeste ein Gottesdienst mit Exhorten für die weibliche Jugend eingefnhrt. — Der am 2. Mai in Budapest eröffneten Ausstellung sind auch durch Dr. Ich mar? aus Jerusalem Holzschnitzereien, Steinmetzarbeiten, Kleidungsstücke und sonstige Erzeugnisse palästinischer Industrie zugeführt Wörden. — Der Rabb. von Aonau-Izerdaliele wollte einen Trauungsakt nicht vollziehen, weil die Chaliza seinerzeit durch Rabbiner Mer» in Ueupest vorgenommen wurde. Der schöne Chalizaakt mußte nochmals vorgenommen werden, dann wurde getraut. Derselbe Rabbi wollte auch einen Scheideakt, den der verstorbene Oberrabbiner 0r. Weisel in Budapest vor 20 Jahren geleitet, nicht anerkennen und mit Not wurde, weil damals Rabbinatsassessor Kriill anwesend war, der Scheidcbrief vom Preßburger Rabbiner anerkannt und dann nach beseitigtem Ehehindernis die Trauung vollzogen. Solche Zustände sind beklagenswert und geben zum Nachdenken darüber Anlaß, wohin es kommen kann, wenn man der Orthodoxie Thür und Thor öffnet, die überall Ketzer riecht, nach Kleinigkeiten spioniert und um Dummheiten willen Streit und Hader erregt. In diesem geistlosen, toten Formen- und Buchstabendienst, durch den die erhabene mosaische Idee weit, sehr weit von ihrer Verwirklichung entfernt wird, wurzelt zum großen Teile der Jndifferentismus innerhalb Israels und die Mißachtung und das Mißtrauen, welche uns von Seiten der Gegner entgegengebracht werden. Aus dieser verfehlten Mission Israels gewinnt der Antisemitismus seine kräftigste Nahrung. Gesetzesesel können keine Erleuchtung bringest in einer Zeit, wo wir prophetische Begeisterung brauchen. Die Orthodoxen sollen in Ungarn lieber die Matriken hübsch in Ordnung halten, damit der Staat die durch sie geschlossenen Ehen nicht für null und nichtig erkläre. So hat ein Rabbinatsassessor Namens Äacob Hirsch 143 Trauungen vorgenommen und durch Vermittlung des nun verstorbenen Matrikelführers Bavid Kahn in Wattersdorf dieselben dort in einen separaten Anhang eintragen lassen. Der vom Minister Tresort in dieser Angelegenheit entsendete Erlaß, auf den hin eine Untersuchung wegen solchen Verfahrens eingeleitet wird, ist bezeichnend für die Zustände innerhalb der Orthodoxie in Ungarn. — In Angelegenheit der Vertretung der jüdischen Konfession im Oberhause hat die Hzegediner israelitische Gemeinde eine Petition an das Abgeordnetenhaus gerichtet und dieselbe sämmtlichen ungarischen isr. Gemeinden zugesendet, mit dem Ersuchen, die Petition zu unterstützen. In derselben tvird gebeten, daß „dem berufenen Vertreter der künftig zu organisirenden ungarländischen jüdischen Kirche in der Magnatentafel vermöge dieser seiner Stellung Sitz und Stimme gesichert werde." — In Neutra wurde ein jüdisches Mädchen mit Namen Krank in ein Kloster gebracht und zur Taufe vorbereitet. Mit Mühe gelang es dem Vater sein Kind wieder zu erlangen. — Der Inspektor der evangelischen Kirche in Oroshü;«, Herr Dr. Alerius fäflö, hat seine Stellung niedergelegt. In seinem Abdankungsschreiben sagt er: „Ich mag kein Ehrenamt in einer Gemeinde bekleiden, wo der Antisemitismus die Gemüter beherrscht. Auch unsere protestantischen Vorfahren sind einst ihres Glaubens wegen verhetzt und blutig verfolgt worden! Sollen wir nun ein gleiches Verfahren gegen die Juden beobachten? Das wäre doch die größte Schande und Schmach." — In Folge von Gerüchten von Blutmärchen, die nur um die Osterzeit spucken, kam es in Lipcse am Abend des Palmsonntags zu groben Exzessen gegen die jüdischen Bewohner Mehrere Juden wurden mißhandelt, Häuser gestürmt und Fenster zertrümmert. Das Christenmädchen Paula Iniara wurde von Antisemiten verleitet, falsche Gerüchte in Umlauf zu bringen. Auch in Krakau war