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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-06-01 · Heft 6 (1.6.1885) · p. Seite 134

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 6 (1.6.1885)
Date
1885-06-01
Page
Seite 134 (sequence 14)
Language
German
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134 jährige Boas und Sohn in Haft genommen. — Einer unserer geschätzten Leser teilt uns mit Bezug auf Seite 89 dieses Jahrgangs der Monatsblätter mit, daß vor etwa zwanzig Jahren die die Stadt Frankfurt a. M. umgebenden Telegraphendrähte als Erub angesehen wurden, bei deren Reparatur sich an Sabbaten eine auffallende Taschentuchwanderung nach den gehobenen orthodoxen Armen auffällig bemerkbar machte. Im Bezug auf die Diskussion, betreffend die Beerdigungsfrage an den zweiten Feiertagen im Repräsentantenkollegium der Berliner israelitischen Gemeinde, sagte Herr Prof. La;arus, wie uns berichtet wird, auch: Ueberhaupt beruhe die Fortentwicklung der ceremoniellen Gesetze teils auf starrer Konsequenz des Wissens, die Alles bis aufs Aeußerste verschärft, teils auf grober Unwissenheit. Man habe das Verbot der Bibel, das Böcklein in der Muttermilch zu kochen, so ausgedehnt, daß es ihn gar nicht Wunder nehmen werde, wenn man schließlich verbieten würde, in derselben Stadt Fleisch und Milch zu essen. Das Verbot des Fahrens an Festtagen sei nur das Produkt gedankenloser Unwissenheit. Er sagte zum Schluffe: „Wollen Sie auch die Orgel und unser Gebetbuch wieder abschaffen — und Alles der dumpfen Tradition der Unwissenheit zu Liebe." Es kann wohl noch dazu und noch zu mehrerem kommen, wenn die Vorstände, die zumeist ideenblind und geldsichtig sind, fortfahren, Beschmutzung der geistigen Errungenschaften des geläuterten Judentums durch seinen Geistespöbel zu favorisieren, und sich nicht ermannen und wieder zum Besseren aufraffen. Möchten die leitenden Kreise doch bei Zeiten erkennen, daß die jetzt eingeschlagenen Wege zu nichts Guten führen können und Unheil in ihrem Gefolge haben müssen das, wenn es zu spät ist, nicht mehr abgewendet werden kann! — Herr Baron Albert v. Rothschild in Mir» hat anläßlich des Ablebens seines Töchterchens Charlotte Wiener Wohlthätigkeitsanstalten mit großen Summen bedacht. — Am 13. April starb in Mien Herr Baron Mar Springer, aus Anspach in Baiern stammend. In den dreißiger Jahren gründete er in Frankfurt a. M. ein Bankhaus und übersiedelte dann nach Wien. Er wurde 1871 in den Freiherrnstand erhoben. Springer war ein Wohlthäter der Arinen. Die Teilnahme an seinem Begräbnisse war eine große. Herr Rabbiner Dr. Güdemann widmete ihm einen tiefempfundenen Nachruf. Zum Andenken an ihren Vater haben dessen Söhne eine Stiftung von 50,000 fl. errichtet, deren Zinsen jährlich an 25 Angehörige der arbeitenden . L Klassen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses verMlt werden sollen. Der//. Verstorbene hat nebstdem selbst testamentarisch 120,000 sk. für wohlthätige Zwecke/ bestimmt. — Am 24. März starb in Prag Herr Stiftsrabbiner Leopold M. Popper. Er hat sich um die Sammlung der Inschriften des alten Prager Friedhofes Verdienste erworben. — Am 13. April feierte der Präses des allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummeninstitutes, Herr Ä. Hildburghäusser in Wien, ' den fünfundzwanzigsten Jahrestag seiner Wirksamkeit an diesem Institute. — Am 9. April begieng Herr Schuldirektor vr. Bernhard Slernberg in Lemberg die Feier seines vierzigjährigen Amtsjubiläums. — Im ungarischen Badeorte Balatoi- Iöred wird dem ersten dortigen Badearzte vr. Joseph Oesterrei-her in diesem Jahre, dem hundertsten seines Todes, eine Gedenktafel errichtet, die demnächst enthüllt wird. — Arad, das einen Chorin und Steinhardt zu Rabbinern hatte, gedenkt unseren geschätzten Mitarbeiter, Herrn vr. Kosenberg zu Uaposoar, zu berufen. — In Stuhlweißenburg wurde Herr Wilhelm Horwaht, Redakteur eines antisemitischen Blattes, ausgewiesen und nach seiner Heimat escortiert. — In Wien geht man an die Gründung eines jüdischen Vereins, der auch die Verbreitung der Kenntnis der jüdischen Geschichte und die Verbesserung des Reli-

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