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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-06-01 · Heft 6 (1.6.1885) · p. Seite 133

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 6 (1.6.1885)
Date
1885-06-01
Page
Seite 133 (sequence 13)
Language
German
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133 bringen. In Moren; lehnte die jüdische Gemeindeverwaltung es ab, die Aschen« urne des nach seiner letztwilligen Verfügung als Leichnain verbrannten Gemeindemitgliedes Zccerdote in den jüdischen Friedhof aufzunehmen. Ans Befehl des Präfecten wurde schließlich der Urne ein besonders abgegränzter Raum zugewiesen. — Nach dem fünfundzwanzigsten Jahresberichte über die israelitische Waisenanstalt für Knaben und Mädchen zu Paderborn betrugen die Einnahmen 43974 Mk., die bis auf 7919 Mk. verausgabt wurden. — Am 9. April wurde in WUrchurg ein israelitisches Krankenhaus eröffnet. — In Karlsruhe wurde anläßlich der Bismarckfeier ein Jude, Prof. Goldschmidt, zum Festredner bestimmt. Die „Badische Landeszeitung" und die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" halten sich darüber auf und glauben, ein christlicher Mann wäre hier am Platze gewesen. Wäre man doch auch in der Geltendmachung des Unterschiedes zwischen jüdischen und nichtjüdischen Gelde bei der Bismarckspende gekommen, so hätte dieses wenigstens Charakter, wenn auch antisemitischen, verraten! Im Uebrigen hat ja Fürst Bismarck am 13. März selbst erklärt, Männer, wie der jüdische Banquier Bleichrd'der, seien doch auch Menschen und sogar Deutsche und zum mindesten kann man doch solches auch von Prof. Goldschmidt in Karlsruhe behaupten. — Gegen Herrn Dr. Jakob Ecker, Docent für semitische Philologie in Klünstrr, ist nicht, wie viele Blätter berichten, eine Disciplinaruntersuchung eingeleitet worden wegen seiner Schrift „Die IM Gesetze des Judenkatechisnius" die nur ein Abklatsch von Justus Krieman's „Judenspiegel" ist. Herrn Justus bleibt übrigens noch sonst Originelles genug, das gerade nicht nachahmenswert ist! — In Kastrop wurde der Vicepräsident der sogenannten „Reformpartei", Herr Porsch» wegen des Verdachtes der Falschmünzerei verhaftet. Man sieht, daß diese Herren auch noch mehr wie geistige Falschmünzerei treiben. — In Dresden, dem Hauptsitze der antisemitischen Reformpartei, zeigt sich so recht an eklatanten Beispielen, wie weit die moralische Versumpfung um sich gegriffen. Der Landtagsabgeordnete, Rechtsanwalt Dr. Kotiert Schmidt, durch den der ehrliche und verdiente Jude Dr. Emil Lehin'inn vor 4 Jahren verdrängt wurde, hat die Flucht ergriffen, nachdem er durch Erhebung von Darlehen seine finanziellen Zustände reformirt hat, die früher schon sehr im Argen lagen. Der Reichstagsabgeordnete Gustav Hartwig, gleichzeitig auch Stadtverordneter von Dresden, wurde wegen grober Beleidigung des Stadtrates zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. — Was der Antisemitismus alles für wundersame Blüten treibt, zeigt der Fall, daß in Berlin Herr Hector de Gronffilier, Redakteur der „Wahrheit", der einen jüdischen Schriftsteller arg beschimpfte, eine inildere Strafe bekam, weil sein Standpunkt ein antisemitischer sei. Der Antisemitismus als Milderungsgrund hat wol nur insoferne, als er eine dem Wahnsinn ähnliche Krankheitserscheinung ist, seine Berechtigung. ~ Am 26. März hat sich für kurze Zeit der Saal der Stadtverordneten in Berlin in eine Kampfstätte des Antisemitismus verwandelt. Herr Pickenbach bedauerte, daß der Besuch der höheren Lehranstalteil nicht gleichmäßig nach den Bevölkerungsschichten in Bezug auf ihre Konfession verteilt sei. Herr Stadtschulrat Lürschenau erwiderte, daß, so lange er mitzusprechen habe, bei der Aufnahme niemals auf die Konfession werde gesehen werden. Auch andere Stadtverordnete leuchteten Herrn Pickenbach heim. — Der Sensationsprozeß wegen des am 22. Januar ermordeten Onofrius ffitjbuln, aus dem man eine rituelle Mordaffaire mit üblichem Christenblut zum Osterfeste machen wollte, endete mit Freisprechung des Fleischermeisters Joseph Kehrrnt aus Zkur; durch das Schwurgericht in Danfig. Bekanntlich ivurden zu Anfang der Handelsmann Herr Äosephsohn und der 65-

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