Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1885)
- Date
- 1885-06-01
- Page
- Seite 132 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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132 in einem Schreiben Abschied genommen, in welchem er hervorhebt, wie es stets sein Streben gewesen, vernünftige Religiosität und religiöse Vernünftigkeit anzuregen, Lehre und Leben in Uebereinstimniung zu bringen und der falschen Vorstellung, daß in der Aeußerlichkeit allein schon jüdische Fröinmigkeit bestehe, entgegenzutreten. Eine spätere Zeit wird es erkennen lassen, daß ein pflichteifriger Rabbiner sich dieses zur Aufgabe machen müße. Der Gemeindevorstaud überreichte dem greisen Rabbiner eine Adresse. — Am 26. März begieng Herr Geheimer Sanitätsrat Dr. Paul Gumbiner in Berlin seinen siebenzigsten Geburtstag. — Wie uns aus Merzweiler berichtet wird, hat Herr Uri die Bestätigung von Seiten der Regierung als Rabbiner von Brumath erhalten und bereits auch die Stelle angetreten. — In Ottweiler starb am 7. April Herr Sanitätsrat Dr. fern, bekannt als tüchtiger Augenarzt, im Alter von 54 Jahren. — Die verstorbene Freifrau Simon von Oppenheim hat auch die Synagogengemeinde in Cöln mit 5000 Mark bedacht. — Der Gründer der „Congregation des heiligen Geistes und des Herzens Mariae" ÄaKob Liebrrmann, der katholisch getaufte Sohn des Rabbiners Lazarus Liebermann aus Zabern, woselbst er am t 2- April 1804 geboren, soll heilig gesprochen werden. — Herr Dr. med. Iacobi, Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Elbing, wurde zum Vorsitzenden der Stadtverordneten daselbst gewählt. — In Paris verstarb der russische Botschafter am deutschen Hofe, Fürst Orloff. Zur Lösung der Judenfrage in Rußland stellte er als obersten Punkt den Satz auf „den Juden sind alle Rechte, betreffend den Stand und die Person, zuzugestehen, deren sich die anderen Uuterthanen des Reiches erfreuen".— Der Almosenkasten der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. hat im Jahre 1884 an 440 Familien 55 501 Mk. verteilt. — Im Mädchenstifte zu Frankfurt a. M. befinden sich, wie aus dem ausgegebenen achten Jahresberichte zu ersehen ist, 23 Mädchen, welche die Wohlthaten einer schützenden Häuslichkeit in der Fremde genießen. Die Einnahmen, bestehend aus Gaben, Beiträgen der Mitglieder, Zinsen und Pensionsgeldern, betrugen 13983 Mk. 41 Pf., die Ausgaben 14446 Mk. 22 Pf. Hoffentlich werden die Gaben diesem einzig dastehenden Institute von auswärts reichlicher zufließen, da doch gerade Mädchen aus der Fremde den Segen dieser schönen Stiftung an sich erfahren. — Am 17. Juni findet die dritte ordentliche Generalversammlung des Penfionsfonds für israelitische Lehrer und Kantoren Badens in Karlsruhe statt. — Dem Rechenschaftsbericht des Uaphtali- Epstein-Kereins für das Jahr 1884 ist zu entnehmen, daß diesnial nur 1273 Mk. 50 Pf. an 9 Lehrerwittwen und 5 kranke oder bedürftige Lehrer zur Verteilung kamen gegen 1365 Mk. im Jahre 1883. Es ist uns ferner zugegangen ein Pericht über den Pensionsfond der Lehrer in Böhmen. Wenn man bedenkt, daß derselbe, erst im Jahre 1876 gegründet, bereits bis 1884 die Höhe von 34175 fl. 15 kr. erreicht, so spricht dies allein schon für die gedeihliche Entwicklung des Vereins, zu dessen Förderung auch die Damen Spenden sammeln. — In Bezug auf die in unserer Zeit vielfach besprochene Leichenverbrennungsfrage — es wurden seit der Einrichtung der Leichenverbrennung in Gotha im Jahre 1878 zwölf Juden durch Feuer bestattet — ist es erwähnenswert, daß neben katholischen und protestantischen Geistlichen auch jüdische Theologen sich für dieselbe aussprechen. So ist Herr Dr. Wiener, Rabbiner in Oppeln, sogar als Mitglied dem Berliner Verein für Feuerbestattung mit der Bemerkung beigetreten, er wünsche die Kremation, weil er ihr ganz entschieden einen Vorzug vor der Bestattung durch Beerdigung einräume. Von religionsgesetzlichem Standpunkte läßt sich auch in der That gegen die Feuerbestattung nichts Erhebliches vor-