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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-06-01 · Heft 6 (1.6.1885) · p. Seite 131

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 6 (1.6.1885)
Date
1885-06-01
Page
Seite 131 (sequence 11)
Language
German
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131 zum Nähen, oder für die Haushaltung gesucht ward, so fragte man nicht, wie man heute thut: „Sind sie fähig zu nähen, zu kochen, einen Haushalt zu führen?" Nein! Sobald sie fähig war im Spinnen, so wurde sie als mit allen andern häuslichen Tugenden ausgestattet betrachtet. Selbst noch in heutiger Zeit erhalten die Mädchen in den Landgegenden Deutschlands, Frankreichs, Belgiens, wenn sie heiraten, ein Spinnrad als Mitgift von ihren Eltern und Verwandten wodurch zu verstehen gegeben wird, daß sie vollkommen haushälterisch sind. Einer der schönsten Frauencharaktere in Homers unsterblichen Gedichten ist derjenige der Nausikaa, Tochter des Königs Alcinous. Sie ist der edelste Typus des Fleißes, der Keuschheit und Bescheidenheit. Es wird erzählt, daß sie nicht nur den Haushalt ihres reichen Vaters ordnete, sondern daß sie auch mit eigenen Händen das Garn spann, aus dem ihre Kleider gewoben waren. Ein ähnlicher Charakter dieser Art ist die berühmte Penelope, 'Mutter Telemachs, welche nicht nur im Spinnen, sondern auch im Weben geschickt war. So zeigen ja auch das englische Wort „wife“ und das deutsche Wort „Weib" ihrem Sinne nach auf den haushälterischen Charakter der Frau hin. Sie stammen beide von dem Worte „io weave„ oder „Weben" ab. Wenn daher die alten hebräischen Frauen uns solche gute Beispiele häuslicher Tugenden geben, so sollen wir immer bestrebt und willig sein, ihnen in der Befolgung solcher edler und lobenswürdiger Ziele zu folgen. Bücher und Wissenschaft sind empfehlenswerte Mittel für Selbstbildung und Belehrung; aber sie machen nicht die Familien und Häuslichkeiten glücklich und gemütlich, und was höhere Bildung und feine Erziehung anbelangt, so haben sie bloß einen verschönernden Zweck und sind von keinem praktischen Werte. Ein Segen aber liegt in der Nadel, ein Vermögen in einer gut geführten Küche, und wahre Gemütlichkeit in einer ordentlich und entsprechend geführten Haushaltung. Ich glaube, daß wieder die Zeit kommen wird, wo es „fashionable" sein wird für eine Frau, ihr eigenes Mittagessen zu kochen, und es als tadelswert betrachtet werden wird, wenn man sie während des Tages mit dem Buche unter dem Arme, oder mit einer Zeitung in der Hand sieht. Natürlich wird das die Zeit sein, wo Skatingrings nicht mehr existieren werden, die Zeit, in welcher die metallnen und modernen Spiegel, diese Instrumente der Eitelkeit und Schau, ihren vorherrschenden Charakter verlieren werden, und wo der Beruf der Frauen in genauem Einklänge sein wird mit jenen schönen Worten der Sprüche Salomos, welche ihre edle und emsige Thätigkeit in folgender Weise beschreiben. Sie steht auf, wenn es noch Nacht ist, und verteilt Vorrat ihrem Haushalte und Arbeit ihren Mägden. , Sie streckt ihre Hand aus nach der Spindel und fest hält sie den Rocken. Wol sieht sie auf den Gang des Haushaltes und ißt nicht das Brod des Müßigganges. Stärke und Würde sind ihr Gewand und sie lächelt beim Kommen des letzten Tages. Sie öffnet ihren Mund mit Weisheit und das Gesetz der Güte ist auf ihrer Zunge! ' _ Wonaisschau. Herr Dr. Adler, der über dreißig Jahre als Landesrabbiner in Cassel gewirkt, hat von seiner Gemeinde, da er seinen Wohnsitz nach Wiesbaden verlegte,

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