Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1885)
- Date
- 1885-06-01
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Schicksal. Dies in Kürze Jesus Leben im Lichte jüdischer Geschichte. Er überschritt nicht das Judentum seiner Zeit. Seine Worte waren jüdisch, wie seine Gedanken. Sein Universalismus wie der Goldstrom seiner Moral zeigen die Stellung des Judentums auf der Höhe der Menschheit an. Und auch sein Schicksal teilten und teilen die Juden, denen man noch heute in Rußland, Deutschland selbst in Amerika das „Kreuzige" nachrust. Und solches geschieht von solchen, die ihn „Lehrer" nennen. Käme er wieder hinnieden, er würde nicht bei diesen Dämonen der Finsternis seine Wohnung aufsckstagen, nicht bei diesen fanatischen Feinden, nicht bei den Verfolgern, sondern bei den Verfolgten. Und seine Religion würde keine andere sein, als unser reformirtes Judentum, seine Moral, die allgemeine menschliche, wie sie über seine Zeit hinaus erwachsen ist." N. Heine. Kausyäklerische Irauen. In dem „American Hebrew“ giebt Dr. H. Baar seine an die Kinder der „Hebräischen Waisenanstalt" (Hebrew Orpban As^Ium) sabbathlich gehaltenen Reden wieder. Dieselben sind Muster klarer und verständlicher, einfacher und präciser, homiletischer, für Kinder berechneter Darstellungen, und werden gewiß nicht den Zweck einer religiöse» Erbauung und Belehrung bei dem jungen Auditorium verfehlen. Wir geben hiermit eine der letzten Ansprachen „Haushälterische Frauen," da in derselben gewiß viel, nicht nur für Kinder, Lehrreiches enthalten ist. Wir lesen in dem heutigen Wochenabschnitte folgenden Spruch: „Und er machte das Waschbecken, das Becken von Kupfer, aus den Metallspiegeln der Frauen". Meine Kinder! Als das goldene Kalb in der Wüste gemacht ward, mußte ein großer Tadel auf diejenigen Frauen fallen, welche so leichtfertig den goldenen Schmuck gaben, aus welchem das häßliche Götzenbild verfertigt wurde. Es scheint jedoch, daß sie sehr bald ihre sündhafte Handlung bereuten, denn so schnell sie waren in der Beförderung und Billigung einer unheiligen Handlung, so schnell finden wir sie heute ein edles, lobenswertes Werk ausführen. Ihr wißt, daß ein Spiegel einen der notwendigsten Toilettengegenstände für die Frauen bildet; oft finden sich sogar Männer, welche dem Spiegel eine Art Verehrung zollen. Nun, wie uns unser Kapitel erzählt, erscheint eine ganze Frauentruppe vor Moses und bietet ihm freiwillig ihre Metallspiegel an, um aus ihnen die Waschbecken des Heiligtums zu bilden, und die Füße, auf welchen dieselben ruhen. Aber dies war nicht der einzige Dienst, den sie dem Heiligtum erwiesen. In demselben Kapitel werden wir belehrt, daß alle die Frauen, welche weisen Herzens waren, mit eigenen Händen spannen, und ihr Gespinnst blauer, purpurroter und karmoisinroter Wolle zu Moses brachten. Ihr müßt wissen, daß bei den alten Hebräern wie bei den anderen Nationen die Kunst des Spinnens die Hauptbeschäftigung der Frauen bildete. Diese Beschäftigung war so vorherrschend in allen Rangklassen der Gesellschaft, daß die Tochter des höchsten Fürsten sowohl, wie das Kind des uiedersten Arbeiters vollkomnien in dieser Kunst unterrichtet war. Mehr noch! Der häusliche Charakter einer Frau ward nach ihrer Geschicklichkeit im Spinnen geschätzt. Wenn in alten Zeiten eine Person für die Küche,