Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1885)
- Date
- 1885-06-01
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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127 Denker in jener Zeit die baldige Erfüllung der messianischen Hoffnungen für möglich hielten. So ist auch die Rolle verständlich, die Rabbi Akiba damals spielte, der dem B. Kochba eben so die Wege ebnete, wie Johannes sie Jesus geebnet hatte. Jene tausende von Schülern, die er geworben, waren Kämpfer für die nationale Sache und jene Tochter des reichen Hirten, deren heimliche Liebe ihn zu seinen Wanderungen trieb, war das im Elende schmachtende jüdische Volk. Auf den Kampf selbst übergehend, zeigte der Redner, daß der äußerste Umfang desselben sehr überschätzt worden, da sowol die heidnischen als auch die jüdischen Berichte, wenn auch aus verschiedenen Ursachen, die Zahl und Größe der eingenommenen Festungen und die Menge der im Kampfe Gefallenen sehr übertrieben haben. Besonders gilt dies von dem letzten Akte des blutigen Dramas, der sich in Bethar abspielte, einem Platze, der in früheren Kriegen gar nicht erwähnt wird und der doch nicht als eine Riesenfestung gleichsam aus der Erde gewachsen sein konnte. Viele blieben dem Kampfe fern, vor allem die Judenchristen, deren unpatriotische Gesinnung bei den nationalen Kämpfern natürlich eine große Erbitterung hervorrief, so daß von da an der Riß ein unheilbarer wurde. Auch das Landvolk ließ sich wohl nicht leicht enthusiasmieren und zog sich in jener Zeit in Folge dessen den tiefen Unwillen und die arge Geringschätzung der Patrioten zu. Bei der Behandlung dieses Punktes wies der Redner auf die im Tract. Pessachim fol. 49 zusammengestellten Ansprüche hin, die einen hohen Grad von Feindseligkeit zwischen den Talmide Chachamim und dem Am Haarez verraten und die kaum, verständlich sind, wenn man unter diesen Bezeichnungen, wie man es dem späteren Sprachgebrauchs gemäß, gewohnt ist, Gelehrte und Ungebildete versteht. Diese Aussprüche rühren augenscheinlich aus jener Zeit her und die „Jünger der Weisen" waren eben die sür die nationale Sache gewonnenen Kämpfer, die zum Teile aus der Ferne herbeigezogen worden und „das Volk des Landes", die Einheimischen, die sich nicht für die Sache des Vaterlandes begeisterten, meistens vielleicht Ackerbauer, die wohl auch dem judenchristlichen Einflüße am ehesten zugänglich waren, waraus sich auch das Mißtrauen gegen die Töchter des Landvolkes erklärt, wenn man bedenkt, wie damals die Keuschheit auch der Judenchristen in Zweifel gezogen wurde. Wirkungsvoll war der Schluß der Rede, bei welchem jener Sage eine sinnbildliche Deutung gegeben wurde, daß der Leichnam des B. Kochba von einer Schlange umwickelt, gefunden worden sei, die den Alten als Synibol der Ewigkeit diente. B. Kochba war der Repräsentant des jüdischen Volkstums, das nun tot am Boden lag. Tragisch war sein Untergang, denn es fand ihn in einem Kampfe, dem seine Kräfte nicht gewachsen waren. Aber die Läuterung folgte, indem man begriff, daß der Geist, der in diesem Volke lebte, ewig sei und daß durch ihn die Messiashoffnung sich erfüllen werde. Hamburg. ». II. Der geschichtliche und der romantische Jesus. Bortrag von vr. E. G. Hirsch Rabbiner der „Sinai-Congregation", Chicago. Unter den von der „Unity Church-Door Pulpit for Freedom, Fellowship and Character in Religion“ („Vereinigte Kirchen-Thür-Kanzel, für Freiheit, Brüderlichkeit, und Ueberzeugung in Religion") zu dem Zwecke von