Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1885)
- Date
- 1885-06-01
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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126 selbst der Vorgang bei der Eheschließung Ruth's vermuten läßt (Ruth 4, 11.), da hier die „Alten" von Betlehem nur das Amt des abwesenden Vaters versehen und in seinem Namen den Segen über das Brautpaar sprechen. Dieser Auffassung der Ehe als eines Gottesbundes entspricht die Heiligkeit des ehelichen Lebens, wie sie uus durchweg in allen Perioden des israelitischen Altertums begegnet. Schon in dem sinaitischen Zehnworte wird in dem 7. Spruche das nach dem eigenen Leben wertvollste und teuerste Gut eines Mannes, sein Eheweib, geschätzt und in dem 10. auch das begehrliche Trachten als sündhaft verpönt. Vollends aber läßt es sich nur aus dieser Auffassung erklären, daß die Propheten das heilige Verhältnis Gottes zu seinem erkorenen Volke unter dem Bilde eines Ehebündnisses darstellen; daß sie sprechen von Israels bräutlicher Liebe, mit der es Gott nachzog in die Wüste; daß sie das bundesmäßige Verhalten des Volkes mit der Treue und den Abfall derselben mit der Treulosigkeit eines Eheweibes vergleichen und ein und denselben Ausdruck gebrauchen für die Untreue im religiösen und ehelichen Leben. Den Einfluß Gottes auf die Stiftung der Ehe betont im Uebrigen nicht nur die Erzählung von der Verlobung Rebekas, sondern auch das israel. Sprichwort, welches sagt: (Spr. 19, 14) „Haus und Habe sind zwar ein Erbe der Väter, aber von Gott kommt ein einsichtsvolles Weib;" ferner (Spr. 18, 22.): „Wer ein Weib gefunden, hat ein Gut gefunden und Gnade erlangt von dem Ewigen." Genug, es ist kein Zweifel, die Ehe galt den Israeliten als ein „Gottesbund" und wurde als solcher auch religiös geweiht. (Forts, f.) Aus zwei Worlrägen. i. Bar Kochba. Am 26. März hielt Hr. Dr. Jonas hier in dem Vereine für Vorträge aus dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums den letzten Vortrag in dem diesjährigen Cyklus. Das Thema lautete: „Ueber den Messias Bar Kochba und den Untergang des jüdischen Volkstums." Der Redner zeigte, wie alle Kriege und Aufstände der Juden während jenes Jahrhunderts sich nur aus der mächtigen, nationalen Erregtheit und der religiösen Exaltation erklären lassen, welche die Gemüter damals ergriffen hatte. Auch der Kampf gegen Vespasian und Titus war, wenn man die realen Verhältnisse erwägt, ohne Aussicht auf einen Erfolg unternommen, geschweige denn die Aufstände in Cyrene, Aegypten, Cypern und Judäa, die dem Kriege des B. Kochba voran giengen. Interessant war der Nachweis, daß die Messiashoffnungen, die in Jesus und in B. Kochba zum Ausdrucke gelangten, als zwei Stämme zu betrachten seien, die aus derselben Wurzel des Schmerzes über die Gegenwart und des Glaubens an die Zukunft hervorgegangen und daß die Anhänger des einen und des anderen sich gewissermaßen nur durch ihr Temperament unterschieden. Beide rechneten auf das Eingreifen der göttlichen Allmacht, durch welches der Zustand der Welt ein anderer werden würde, jene in geduldiger Ergebung, diese im mutvollen Kampfe. Aus Sueton, Tacitus und Dio Cassius wurden Belege beigebracht und besonders aus den Abhandlungen des Philo über die Vorsehung und über Belohnungen und Strafen dargethan, wie selbst klare