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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-05-01 · Heft 5 (1.5.1885) · p. Seite 118

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 5 (1.5.1885)
Date
1885-05-01
Page
Seite 118 (sequence 22)
Language
German
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T — 118 — nach, daß die Invasion Chäldäa's im Jahre 2280 zur Folge hatte, daß ein starker Strom der semitischen Bevölkerung nach Westen auswandern mußte, welcher mit der Invasion der Hyksos in Egypten genau zusammenfällt. „Nach diesen historischen Zeugnissen", schloß Herrn Boscawen, „ist es nicht mehr möglich, den Wanderzug Abraham's als „Mythe" zu betrachten, derselbe ist eine historische Thatsache und der chronologisch genau bestimmte Ausgangspunkt der jüdischen Geschichte." — Heber die Exodusfrage sprach vor Kurzem Herrn Prof. Lauth in München aus Anlaß der Navilleschen Nachgrabungen nach dem alten Succoth (2. B. M. 13, 20). Er hält die ausgegrabene Stadt für das biblische Pithom, wovon die ägyptische Namensformel Pe-tum, Tempel das Gottes Tum. Thuku sei nur die semitische Uebersetzung von Succoth mit der modernen Bezeichnung Ma-schutta. Pithom-Succoth sei gleich der Stadt Heropolis der Griechen. Das Ziegelwerk in den aufgefundenen Magazienen ist bald mit bald ohne Strohhäcksel hergestellt. R'amesses dagegen gehöre in die Region Gosens. Pi-Hachiroth sei gleich dem Ortsnamen Pi-Keheroth, der sich zweimal in einer Jnnschrift des Ptolemäus Philadelphus vorfindet. Entgegen der Ansicht Lepstus, der den Auszug 1320 v. Ehr. ansetzt, bleibt Lauth bei seiner früheren Ansicht stehen, wonach derselbe 1492 oder 1491 v. Ehr. stattfand, da Ramses II. und sein Sohn Meneptah, der Exodus-Pharao 1492 oder 1491 v. Ehr. gestorben sei. — lieber die in Konstantiuopel wohnenden Karäer berichtet „Jew. World." Folgendes: In einem Armenviertel (Haskiöi) nach dem goldenen Horn hin stehen etwa 30 Häuser und Hütten, in welchen 3—4000 Karäer wohnen. Kein Reicher, aber auch kein Armer unter ihnen. Sie haben eine Gotteshaus und eine Schule. Nach ihrer Ueberlieferung wohnen sie hier seit Konstantin. Oie sprechen griechisch,/ zumeist auch türkisch und Biele verstehen hebräisch und das Spaniolische. Der Haß und die Entfremdung zwischen ihnen und dep Rabbaniten ist gewichen. Nur die verschiedene Gesetzesauffassung trennt beide Teile. Ihr kleines schönes Bet-7 haus gleicht völlig einer Synagoge. Ihre Thörarollen sind schön geschrieben und stammen höchstens aus dem 15. und 16. Jahrhundert. In der Festsetzung der Monate herrscht große Unordnung. Einige warten, bis die Versammlung der Gelehrten den Beginn festgestellt hat, Andere setzen ihn für sich an. Am Sabbath haben sie durchaus kein- Fejer. Auch die Schlachtregeln sind andere, doch essen sie an manchen Orten das von Rabbaniten Geschlachtete. Zumeist aber enthalten beide Teile sich des Genusses des nach der Lehre des anderen Teils Geschlachteten. Ihre Schule wird von 40 Knaben besucht, die dort die Bibel griechisch übersetzen und türkisch lernen. Die Mädchen, welche bisher gar keinen Unterricht erhalten haben, schicken jetzt einzelne in die Allianceschule. Die Gesammtsumme aller noch lebenden Karäer wird auf 12,000 angegeben; die meisten wohnen auf der Halbinsel Krim.—Der russische Philosoph Wladimir Solowiew hat eine Reihe von Artikeln in einem kirchlichen Blatt über die Judenfrage veröffentlicht. Der Verfasser erhofft, daß einst griechischer und römischer Katholizismus verschmolzen und dann auch die Juden „werden gerettet werden." Dieser kirchlich fromme Schriftsteller erklärt: „Die Juden haben stets nach ihrem Gesetze gehandelt, sie verfuhren gegen uns „jüdisch". Wir aber haben bisher es noch nicht gelernt, mit den Juden „christlich" umzugehen. Im Gegenteil wir haben unbeachtet gelassen die Vorschriften des christlichen Gesetzes, sobald wir es mit Juden zu thun hatten. Wenn wir erklären, daß das Gesetz der Juden nicht gut ist, so folgt daraus, daß die Bethätigung dieses Gesetzes uns unlieb ist, jedoch viel schlimmer ist es doch, ein gutes Gesetz zu haben und es nicht zu übcn. Wir fragen nicht, ob das Evan-

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