Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1885)
- Date
- 1885-05-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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112 beabsichtigt der Kammer in Stockholm eine Aenderung des bisherigen Eides vorzuschlagen. Für die Juden soll derselbe für die Folge lauten: Bei Gott und Seinen Heilgen Gesetzen. — Der verdiente hebräische Schriftsteller Klirser Zweifel feierte am 21. März seinen siebzigsten Geburtstag. Er schrieb auch eine ausführliche Untersuchung über den Ursprung des Chassidismus. — In Dorpat fanden am 21. Januar Judenkravalle statt. — In St. Petersburg wurde Herr Dr. med. Heinrich Ipiro am 4. März in der Sitzung der Akademie zum Dozenten für innere Krankheiten erwählt. — Ein Christ aus Kowno trat in Königsberg zum Judentume über. — In Mnaburg verbot die Regierung Firmenschilder mit hebräischer Schrift anzubringen. — In Warschau forderte die Arbeiter-Bevölkerung durch Plakate zu Gewaltthätigkeiten gegen die Juden auf. — Zwischen dem Russischen Reiche und der Türkischen Regierung kam es zu Auseinandersetzungen, weil der Dolmetsch des Türkischen Generalkonsuls in seiner Eigenschaft als Beamter, Herr Silberman», ein Jude, bei einem Friedensrichter in Odessa, Namens Btrafeschko, den Fez nicht abnehmen wollte. Der Friedensrichter ließ ihm denselben vom Kopfe reißen. — In einer kleinen Stadt in der Nähe von Mohilew wurde ein 2—3 Wochen altes Kind, an dem die Circumcision vollzogen war, aufgefunden und dabei ein Zettel, auf welchem die Mutter die Bitte niederschrieb, ihre Glaubensgenossen möchten es aufnehmen und erziehen lassen. Das Knäblein wurde der Polizei übergeben, die es nach Moskau sandte. Daselbst übergab es der Polizeidirektor den Vorstehern der jüdischen Gemeinde mit der Bitte, das Kind erziehen zu lassen und zwar auf seine Kosten. Keiner wollte sich des armen verlassenen Kindes annehmen. Da wurde eine christliche Wäscherin von Erbarmen ergriffen, sie nahm das Knäblein an Kindesstatt an und führte es ihrem Glauben zu. Man hört überhaupt in Rußland aus jüdischen Kreisen in letzter Zeit nichts Schönes. So hat ein Jude, Namens Äfaac fMjßt, der seine geschiedene Frau wieder heiraten wollte, dieselbe mit einem Messer schwer verwundet und sich den Hals durchschnitten. In einer Stadt kam es zu einem förmlichen Aufstand bei den, Leichenbegängnisse eines reichen Juden von Seiten der armen jüdischen Bevölkerung, die Geld verlangte. Die Leiche wurde leschändet und die Regierung mußte ein greifen. In Kiew soll eine jüdische L ttter ihr Kind verbrannt haben und in der Nähe dieser Stadt wurde bei einer Trauung, die daselbst unter freiem Himmel stattfand, ein Schächter, der „Unters,l.-rer" war, durch einen Schuß tot niedergestreckt. Hier war ein Christ der Mörder, der mit den Eltern der Brautleute in Feindschaft lebte. — Aus Wilna schreibt man: Vor ungefähr zwanzig Jahren wurde ein polnischer christlischer Gutsbesitzer Vater eines Mädchens, welches aber nicht von seiner Frau herstammte. Er galt als der tugendhafteste Mann des Landes und wenn die Existenz dieses Mädchens bekannt worden wäre, wäre es um seinen guten Ruf geschehen gewesen. Er beauftragte daher ohne jeden Gewissensscrupel seinen israelitischen Pächter, das Töchterchen zu beseitigen. In seiner Existenz bedroht, übernahm dieser zum Scheine diesen blutigen Auftrag. Während er seinem Herrn gegenüber sich stellte, als wenn er seinen Befehl vollzogen, verbarg er das Kind und gab es später auf den Rat des Rabbiners von Kowno einer isr. Amme, welche dasselbe auf Kosten des Pächters erzog. Das Kind wuchs heran, wurde ein schönes Mädchen und der Pächter, welcher es adoptirte, nahm es zu sich. Um jedem Argwohn zu entgehen, gab er es für ein Waisenkind eines seiner Verwandten aus. Unser Pächter hatte einen Sohn, auf welchen die Schönheit des Mädchen einen großen Eindruck machte und der es heiraten wollte. In seiner