Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1885)
- Date
- 1885-05-01
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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108 kandidat war. Nach einiger Zeit näherte er sich daselbst dem Pastor de la Koi und wurde durch denselben zum Protestantismus über^efii^rt. Von dieser Zeit legte er sich den Doktortitel bei, den er in der Kleinasiatischen Universität Gallipoli, die in den Verzeichnissen von Hochschulen nicht anzutreffen ist, erlangt haben will. Brimanus vertauschte nach kurzer Zeit den Protestantismus mit dem Katholizismus, zu dein er iu Paderborn übertrat und entfaltete nach seinem Uebertritte eine eifrige propagandistische Thätigkeit am dortigen Bonifacius-Vereine, der seine Hauptaufgabe in der Abfassung und Verbreitung von antiprotestantischen und antijüdischen Schriften erblickt. Im Jahre 1884 tauchte Brimanus in Oesterreich auf und gewann intime Beziehungen in den Kreisen der höchsten Geistlichkeit. So haben ihm besonders der Fürst-Primas von Ungarn, Kardinal Iinior, der Fürsterzbischof von Salzburg vr. Eder und der Rektor der Wiener Universität Zscholcke Zeichen ihrer Huld an den Tag gelegt und ihn zu ihren Freunden gezählt. Er trat auch zu dem Professor des Bibelstudiums an der Prager Universität vr. Rohling in nähere Beziehungen und wurde sein Lehrmeister und Kampfgenosse. Er hatte für ein großes litterarisches Unternehmen, die Herausgabe einer Talmudübersetzung, die er in drei Jahren fertig stellen wollte, obzwar ein Menschenalter hierzu kaum ausreicht, einen Verleger und bedeutende pekuniäre Unterstützungen gefunden. Doch diese Pläne wurden bald vereitelt, denn er sandte statt einer selbstverfaßten Uebersetzung des Talmud nur eine ins Neuhochdeutsche umgeänderte Fassung des aus dem siebzehnten Jahrhundert stammenden dreibändigen Werkes von Raabe, wodurch der Verleger jede Verbindung mit dem famosen Brimanus abbrach. In Wien hat er sich gleichzeitig mit zwei Mädchen aus anständigen Familien verlobt, nachdem er seiner Braut aus Jnsbruck die Freiheit wieder gegeben. Dazu hat dieser Doppel-Renegat noch Schwindeleien gemeinster Art begangen, die jetzt an das Licht des Tages kommen werden. Brimanus und Verhovay sind mahnende Zeichen der Zeit. Hoffentlich wird man in gewissen Kreisen denn doch zu der Ueberzeugung gelangen, daß man gefehlt, unter der Flagge solcher Menschen zu segeln und erkünstelte Erbitterung in friedliche Kreise zu schleudern. — Bei Gelegenheit der Debatte im ungarischen Abgeordnetenhause über § 5 des demselben vorgelegten Gesetzentwurfes, die Reform des Oberhauses betreffend, welcher mit einer Mehrheit von 171 Stimmen angenommen wurde, sprachen unter Anderen gegen den Antrag Baron Audreanschi und Abt OSndd'co mit der Begründung, daß die jüdische Religion keine kirchliche Organisation besitze und noch nicht als Staatsreligion anerkannt sei. Für den Antrag trat ein Kran; Puls;lü. Er misbilligt es, daß im Hause mittelalterliche Ideen aufgeworfen werden, denn hier gebe es keine Konfessionen, sondern nur Staatsbürger. Der Geist der Freiheit und Gleichheit werde die Antisemiten überleben. Im selben Geiste sprachen der Ministerpräsident Tis;a, Desidor Kfflagi und die Abgeordneten jüdischer Religion, Paul Mandel und Iran; Chori». Mandel sagte, der Talmud, sei nur ein Kommentar des alten Testamentes, der die Ansichten einzelner Seelsorger enthielte. Er sprach sich auch gegen den Separatismus in der Erziehung aus und hob als Beleg hiefür hervor, wie die Errichtung eines besonderen jüdischen Gymnasiums bei den Juden keinen Anklang gefunden. Nie, meinte er, sollten die Juden eine nach Konfessionen gesonderte Erziehung fordern. Chorin weist darauf hin, daß das Judentum in Ungarn eine vom Staate anerkannte Religion sei. Daß es an Organisation fehle, daran sei der Staat schuld und die Unbildung bei vielen Rabbinern habe ja Parallelen bei christlichen Geistlichen. Im ungarischen Oberhause wurde jedoch die Bestimmung