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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-05-01 · Heft 5 (1.5.1885) · p. Seite 107

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 5 (1.5.1885)
Date
1885-05-01
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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107 beten, singen, predigen, so hört ihr nicht einmal etwas davon. Ich bin Herr in meinem Hause; gefällt's Euch nicht, daß Juden darin verkehren, so zieht einfach aus." Nun führten die Miether Beschwerde bei der Regierung. Unsere Glaubens¬ und Gewissensfreiheit, erklärten sie, wird durch den israelitischen Gottesdienst beeinträchtigt; die Juden glauben nicht, was wir glauben und wollen doch in einem Christenhause ihre Synagoge haben. Auch stören sie den Frieden* unter den Konfessionen, denn so oft wir einem Juden auf der Treppe begegnen, juckt es uns, ihn die Treppe hinunterzuwerfen, weil vor 1800 Jahren seine Voreltern in Jerusalem den Heiland gekreuzigt haben. — Seit Ihr verrückt? sagte die Regierung und legte, um in Zukunft vor solch' albernen Angaben unbehelligt zu bleiben, den Verfassern derselben eine Buße auf. Diese meinten, noch bei den Bundesbehörden ihr Glück versuchen zu wollen. Der Bundesrat arbeitete auch einen sehr gründlichen und sorgfältig motivirten Beschluß aus, der mit vielem Aufwand von Jurisprudenz auch wiederum zu eineni abweisenden Bescheide kam. Die Abgewiesenen rekurrierten noch an die Bundesversammlung; da wurde drei Tage hindurch gerednert, daß die Wände erdröhnten, demungeachtet behauptete der gesunde Menschenverstand den Sieg. Die Juden durften die Dachkammer auch fernerhin als Synagoge benützen. — Am 6. März feierte der verdiente Präsident der Wiener isr. Allianz Herr Josef Ritter von Wertheimrr seinen fünf und achzigsten Geburtstag. Möge der edle Greis noch viele Jahre zur Ehre des Judentums segensreich wirken. — An Stelle Cmanurl Kony's, des Schöpfers und Chefs des Stenographen-Bureaus des ungarischen Abgeordnetenhauses, tritt Herr Adolf Peniseschi, ein Jude. — Herr Israel Wellifch, Official im k. k. militärisch-geographischen Institute in Wien, wurde wegen seiner Verdienste auf dem Gebiete der Kartographik durch den goldenen Verdienstorden ausgezeichnet. — In Brody wurde Herr Nathan Kitter von Kallir zum Präsidenten der Handelskammer erwählt. Der Dozent an der deutschen medicinischen Fakultät und am deutschen Politechnikum Herr vr. Moses Popper in Prag wurde während einer Vorlesung von einem Schlaganfalle betroffen und verschied. Er hat sich auf dem Gebiete der öffentlichen Sanitätspflege durch seine gediegene Arbeiten große anerkannte Verdienste erworben. — In Meran starb das Mitglied des C;ernowiher Gemeinderats und der dortigen Handelskammer, Herr A. Itriner. Der Verstorbene hat bedeutende Summen zu wohlthätigen Stiftungen hinterlassen. — In Budapest starb Herr Ephraim Heller. Er stützte die Jünger der Thora und pflegte selbst das Studium der Gotteslehre. — Julius Perhvay, einer der ersten Antisemitenführer in Ungarn, wurde von dem Strafgerichte zu Budapest wegen Defraudation zu VI2 Jahr Kerker und 5 Jahren Ehrenverlust verurteilt. Er hat in seiner Eigenschaft als Redakteur Spenden unterschlagen und ihrer Bestimmung nicht zugeführt. Noch kompromittierender für den Antisemitismus, der mit geistigen Waffen aufgetreten, ist die Thatsache, daß am 12. März in Gra; vr. Augustus Krimauus wegen Betrug und Heiratsschwindel, die er in Jnsbruck, Wels und Wien betrieben, auf Requisition der Wiener Behörden in Haft genommen und dem dortigen Landesgerichte eingeliefert wurde. Brimanus heißt eigentlich Aaron Briemaun und hat 1883 unter dem Pseudonym vr. Justus den berüchtigten Judenspiegel geschrieben, der mehrere Auflagen erlebte und besonders in Deutschland und Oesterreich große Verbreitung gefunden. Er stammt nach seiner eigenen Angabe aus Costinesti in Rumänien und lebte als streng orthodoxer Jude bis zu seinen! 20. Lebensjahre in Kareac; in Galizien, wo er Frau und Kinder hat. Er verließ seine Familie und gieng nach Berlin, wo er ein orthodoxer Rabbinats-

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