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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-05-01 · Heft 5 (1.5.1885) · p. Seite 106

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 5 (1.5.1885)
Date
1885-05-01
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 rufen. — Dem Berliner Deichenheim'schen Waisenhause wurde ein kleines Kapital zur Gründung einer Eduard Laslier-Stiftunq von seinem Bruder aus Amerika überwiesen. Bezeichnend ist es, daß ein konservatives Blatt sich darüber aufhielt, daß ein Redner im Reichstage vom „seligen Lasker" gesprochen, da es doch ein Jude war, der nicht selig werden kann. — Herr Jacob Israel in Kerlin hat zur, Feier seines 50jährigen Jubiläums als Chef des von seinem Vater vor 70 Jahren' begründeten Geschäftes der Kaiser-Wilhelm-Augusta-Stiftung ein Kapital von 12,000 Mk. als Jakob und Minna Jsrael'sche Stiftung überwiesen. — In Hamburg hat ein Christ, Namens Heerwagrn, der dortigen jüdischen Geineinde für die Armen durch Testament 8000 Mk. bestimmt. Mit 10,000 Mk. bedachte er verschiedene jüdische Vereine. — Der Frankfurter PestaloW-Perein erhielt nach letztwilliger Äersügung den gesammten Nachlaß des Herrn David Haas in mehr als 40,000 Mk. bestehend. Der Verein hat in seiner Anstalt in Kiedererlenbach zum ehrenden Andenken des Verstorbenen dessen Bildnis daselbst anbringen lassen. — Von der Achinva, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen und -Waisen in Deutschland mit dem Sitze der. Verwaltung in Frankfurt a. M., ist uns der zwanzigste Rechenschaftsbericht zugegangen. Wenn man bedenkt, daß im ersten Jahre des Bestehens nur 403 Mk. 99 Pf. und im verflossenen zwanzigsten Jahre 8520 Mark zur Verteilung gelangten, so sprechen schon diese Ziffern es deutlich aus, welche schöne Erfolge dieser segensreiche Verein zu verzeichnen hat, dem wir ferneres Wachsen und Gedeihen wünschen. Das dermalige Vermögen beziffert sich auf 127,044 M. 86 Pf., die Ausgaben für 1885 nicht mitgerechnet. — Nach den Ergebnissen der Berufsstatistik waren am 5. Juni 1882 im Preußischen Staate 357,554 Juden, wovon 137,138 erwerbsfähig waren. In einigen Städten Deutschlands wurde israelitischen Ausländern, die ohne ständiges Gewerbe waren, eröffnet, binnen kurzer Frist dieselben zu verlassen, es sei denn, daß sie eine Bürgschaft von 500 Mk. zu leisten im Stande wären. — In Deutschland befinden sich 790 jüdische taubstummen Kinder, von denen 140 schulpflichtig sind. — In Mirstmwalde an der Spree wurde durch Herrn M. Deich vor einigen Jahren ein Taubstumuien-Jnstitut errichtet. — In Leipzig hat sich ein antisemitischer Reformverein gebildet. — In Bayern kann der Antisemitismus nicht gut Boden fassen. So umrde am 18. Februar in dem Badeorte KrUckenau bei der vorgenommenen Distriktswahl von der Stadtverwaltung der israelitische Kaufmann Iamuel Kann in den Distriktsrat gewählt. — Die Berliner „Illustrierte Zeitung" schreibt in ihrer Schilderung über die Opernsängerin Lola Keeth, welche seit April 1882 dem Berliner Hoftheater angehört, daß dieselbe die Tochter jiidischer Eltern sei und in Krakau im Jahre 1862 geboren wurde. — Ein junger Marienwerderer Künstler erregt in den musikalischen Kreisen Londons augenblicklich bedeutendes Aufsehen. Die Londoner philharmonische Gesellschaft, die unter dem Protektorat der Königin von England steht, hatte einen Preis für die beste Ouvertüre ausgeschrieben, und von den 90 Bewerbern gieng als Sieger Herr Ernst Ierligsohn hervor, der unter dem Pseudonym Gustav Eruest sich als Komponist bereits eines bedeutenden Rufes erfreut. Auch die Lieder von Eruest erfreuen sich in England einer ganz besonderen Beliebtheit. — In Buchtenheim (Schweiz) hatten sich nach und nach mehrere israelitische Familien niedergelassen. Um ihren Gottesdienst pflegen zu können, mietheten sie in einem Hause, deffen Eigentümer ein Christ war, den Dachranm. Daran nahmen die übrigen Bewohner des Hauses Anstoß, aber der Hausherr sagte: „Die Juden sind friedfertige Leute, sie thuu Euch nichts zu Leide; wenn sie in ihrer Dachkammer

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