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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-05-01 · Heft 5 (1.5.1885) · p. Seite 104

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 5 (1.5.1885)
Date
1885-05-01
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 Wohl ist es nicht in Abrede zu stellen, daß der demokratische Gedanke, wie er am Jdus des ewig denkwürdigen Märzes gleich einem elektrischen Schlage die Massen durchzuckt, noch immer die Kinderkrankheit einer Uebergangsperiode nicht überwunden, daß auf seinem Triumphznge Collisionen mit einflußreichen Interessensphären nicht zu vermeiden sind; daß unter seinem ehernen Tritte manche blaue Kornblume zusammenbricht, die der sengende Strahl des Welktums früher schon getroffen, — allein der Umstand, daß die Miseren dieser Uebergangsperiode erst in unserem Jahrzehnt mit solch unerträglicher Vehemenz sich fühlbar gemacht, daß sie in ein noch unerträglicheres Definitivum überzugehen drohen und zu dem alten Jammer auch noch einen neuen, den Antisemitismus, gebracht; die traurige Thatsache, daß längst abgethan geglaubte wirtschafliche Theorien den Sargdeckel sprengen und selbst in nüchtern denkenden Kreisen umgehen; die betrübende Erscheinung, daß gewisse Klassen, aus denen die demokratische Idee sonst ihre Kerntruppen rekrutirt, falschen Auffassungen über Wesen und Beruf der Demokratie sich überlassen, und Viele, wie Maurus Jäkai so treffend bemerkte, nach Oben Demokraten, nach Unten aber Aristokraten sind, läßt die Hoffnung auf einen baldigen, und zwar durchschlagenden Erfolg der wahrhaften Demokratie nicht aufkommen. Freilich bietet das ehrfurchtheischende Eintreten eines Demokraten vom Schlage Horväths für die übelgedeutete Idee der Demokratie einigen Trost für die auf Kosten der Demokratie begangenen Sünden und Fehler maßgebender Faktoren der Gesellschaft; allein so lange die Reihe der nach gleichem Ruhme wie Horväths strebenden keine so lange ist, daß sie nicht im doppelten Wortsinn übersehen werden könnte, ist der Sache der Demokratie mit sensationellen Aeußerungen ä la Apponyi und selbst eines so erleuchteten Demokraten wie Horvath nur wenig gedient. Es muß der Jndifferentismus der einstmaligen Elitetruppen der Demokratie für die eigene Sache vom lebenweckendeu Hauche der Begeisterung für die heilige Dreifaltigkeit Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit verweht und den Händen gewisser Leute die Fahne entrissen werden, welche denen gebührt, die das wahre Volkstum mit dem eigenen Herzblute und mit dem der Besten und Edelsten geweiht. Und unter diesem Zeichen wird die arg compromittierte Demokratie siegen! — Und ihre Siegeslaufbahn durch die Länder und Staaten werden die Spuren blühender Gemeinwesen, prosperirenden Gewerbfleißes, gesunder Kreditverhältnisie, kulturellen Aufschwunges und interkonfessionellen Friedens bezeichnen. Was aber noch voin Roste geblieben, der an unseren gesellschaftlichen Einrichtungen und Veranstaltungen nagt, es wird sich bis auf den letzten Rest ablösen im Scheidewasier der wahren Demokratie, die wie diejenige Balthasar Horväths, hält was sie verspricht und handelt wie sie spricht. Gr. B ecskerek, im März. vr. M. Klein, Oberrabbiner, Monalsschau. Am 3. März feierte Herr Prof. vr. Iran; Aelihsch in Leipzig sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. — Herr Dr. Kempner hat sich an der medizinischen Fakultät in Berlin als Dozent habilitiert. Nach Wranke wurde Herr Cm. Lichtenstein als Rabbiner berufen. — Am 26. März wurde Herr vr. Klemprrer im

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