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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-05-01 · Heft 5 (1.5.1885) · p. Seite 103

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 5 (1.5.1885)
Date
1885-05-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 dem Volke, die „Blüte des demokratischen Prinzips" schwang mit geübter Hand die Fahne, unter welcher die Beöthy's, Dubraviczky's, Bezcredy's die Klauzäl's, Szalay's, Kohsuth's, die Deäk's, Eötvös's, Csengery's unverwelkliche Lorbeeren gesammelt. Es kann an diesem Orte selbstverständlich unsere Aufgabe nicht sein, die hochbedeutsamen Enunziationen des Grafen Albert Apponyi's, des Führers der gemäßigten Opposition unseres Abgeordnetenhauses und Balthasar Horväth's, des außerhalb der Parteien stehenden gewiegten Parlamentariers, von politischem Standpunkte in den Kreis unserer Reflexionen zu ziehen; allein der Trinkspruch Horväth's, des gewesenen Bürgermeisters, den er im Budapester Bürgerklub gehalten, wirft ein solch' Helles Streiflicht über unsere interkonfessionellen und gesellschaftlichen Zustände, daß ein „Organ für Gebildete aller Konfessionen" von ähnlichen Kundgebungen erleuchteter Verfechter des Liberalismus und der Gleichberechtigung wol gerne Notiz nehmen wird. Die Demokratie, das ist die Einbeziehung der Volkselemente ohne Rücksicht auf Glaubensbekenntnis und Volksindividualität in den Kreis der Rechte und Pflichten, wie sie das auf Freiheit basirende gesellschaftliche Gemeinwesen gewährt und auferlegt; die Gleichberechtigung und Gleichverpflichtung, von welcher die Heroen des 15. März geträumt, — sie ist zum großen Teile bis auf den heutigen Tag ein Traum geblieben, der seiner Verwirklichung entgegenharrt. Wir nehmen hievon auch die Gleichverpflichtung niHt aus, indem das „noblesse oblige“ in vielen und wichtigen Fällen (siehe die Verweigerung der Vertretung der 650,000 Köpfe zählenden jüdischen Konfession im soi disant reformirten Oberhause seitens unserer Geburtsaristokraten!) nur auf noble Passionen und leichtblütige Allüren beschränkt blieb, während es in den verschiedenen Sphären des Volkes durch die oft mehr als billige und gerechte Beteiligung desselben an den Lasten, die das Gemeinwesen fordert, thatsächlich zur Wahrheit geworden ist. Nun denn, dort wo das demokratische Prinzip zur ungeschmälerten Herrschaft gelangt, verdrängt der Geburtsschein nicht das angegeborene und durch Fleiß und Ausdauer zu vielverheißender Entfaltung gelangte Talent; die Ahnenprobe wird durch die Feuerprobe ersprießlicher Leistungsfähigkeit und gemeinnütziger Thätigkeit ersetzt, und die Krone des Verdienstes wird durch die von den Altvordern überkommene Adelkrone nicht verdunkelt und in den Schatten gedrängt. Die Demokratie nimmt alles das, was zum Aufblühen des staatlichen und gesellschaftlichen Gemeinwesens nur irgendwie verwertet werden kann da, wo sie es findet, sie reicht der schwieligen Hand des Arbeiters ebenso ihre Rechte, wie der behandschuhten des Sportmanns, wenn sie sich im Dienste des Ganzen regt und rührt, und die Rechts- und Besitzverhältnisse ordnet sie nicht nach den Eingebungen und den unberechenbaren Launen der Erben großer Latifundien, sondern nach den Postulaten einer auf Gleichheit und Gerechtigkeit beruhenden, gesunden Volkswirtschaft. Diese Demokratie aber vermißt man mit Balthasar Horvath derzeit in so manchem Lande, wo hiezu die vielverheißensten Anfänge gemacht wurden, und bei uns am allerempfindlichsten, wo Nationalitätenhader die Nation nicht zur Ruhe kommen läßt, wo verschiedene Volksstämme, separatistische Tendenzen verfolgend, über luftige Velleitäten, in die sie sich verrannt haben, das Wohl des Vaterlandes außer A.cht lassen; in einem Lande zumeist, das für importirte Schlagwörter empfänglich, der Phrase ein Terrain ungestört überläßt, auf dem die Distel des Racenhasses üppig gedeiht und die Demagogie in der Maske der Demokratie bei hellichtem Tage ihr Unwesen treibt.

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