Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-05-01 · Heft 5 (1.5.1885) · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 5 (1.5.1885)
Date
1885-05-01
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969726-2969732--1339-2971795
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

100 Das Weib ist Gebein von seinem Gebein und Fleisch von seinem Fleische und ihm darum von Gott zur „Männin" bestimmt. Das Weib ist die Ergänzung des Mannes, und beide, Mann und Weib, können erst durch ihre Verbindung zu einer idealen Person das ganze Können und Vermögen ihrer Natur zur vollen Entfaltung bringen. Daß hier nur an die Ehe gedacht und daß die heilige Weihe ihres Verhältnisses als in der Schöpferordnung Gottes begründet vorgestellt wird, beweist der Satz: „Darum verläßt der Mann seinen Vater und seine Mutter und hängt seinem Weibe an." Und offenbar ist hier die Einehe, d. h. die Verbindung eines Mannes mit einem Weibe als die von Gottgewollte Ordnung hingestellt. Denn da der Erzähler in diesem Satze die Schilderung der Urgeschichte unterbricht und die Verhältnisse seiner Zeit durch die Schöpferordnung Gottes zu begründen sucht, so haben wir ein Recht den Singular „und hängt seinem Weibe an" zu betonen und im Sinne des Erzählers die Einehe als das gottgewollte Grundverhältnis aller menschlischen Gemeinschaft aufzufassen. Zur Kennzeichnung der Psyche des Weibes will ich aus der folgenden Erzählung von dem Sündenfalle blos das Eine hervorheben, daß die Schlange sich an das Weib wendet, worin ein Hinweis auf ihre schwächere Widerstandskraft liegt. Aber eine ewige Feindschaft zwischen dem Weibe und der Schlange wird als Folge aus der Erkenntnis der Sünde dargestellt; das Weib und dessen Nachkommen ohne Unterschied des Geschlechts werden allezeit ankämpfen gegen die Sünde und ihr das Haupt zu zertreten suchen. — So viel aus unserem Kanon. Ich glaube nun, sie werden mir zustimmen, wenn ich sage, daß hier eine Vorstellung von der Würde und Besümmung des Weibes herrscht, wie sie wahrer und edler wol zu keiner Zeit, von keinem Volke, von keiner Religion gebildet wurde. Es ist damit freilich nur ein Ideal hingegestellt, dessen Verwirklichung die Offenbarungsreligion durch das geschichtliche Leben der Völker herbei führen wollte; allein wir werden gleich sehen, daß das israelitische Volk in der Schätzung des Weibes seinem Ideale überaus nahe kam. Zu diesem Zwecke lassen Sie uns zuerst dem Familienhause unsere Aufmerksamkeit zuwenden, in welchem das Frauenleben wie auf seinem natürlichen Gebiete erscheint. Denn zu allen Zeiten durfte man wol auf die israelitische Frau anwenden das Wort, das Abraham seinen Gästen erwiederte, als sie sich nach Sara erkundigten: „Siehe, sie ist im Zelte!" — (Forts, f.) Hteilerconducl« Sei jüdischen Leichenbegängnissen im Mittelalter. Wenn auch die Gestaltung des mittelalterlichen Judentums im Allgemeinen von der talmudischen Gesetzesauslegung abhängig blieb und eine selbständige von neuen Gesichtspunkten geleitete Fortentwickelung nur in dem synagogalen Ritus, der in dieser Periode erst seine eigentliche Ausbildung erhielt, sich bemerkbar macht, so hat dennoch auch die Volkssitte, die 'nicht gerade an religiöse Traditionen sich anlehnt und oft Bräuche, die auf fremden Boden ihren Ursprung haben, in das heimische Gebiet verpflanzt, demselben in vieler Hinsicht eine eigenartige Färbung verliehen. Die Aengstlichkeit, mit der man an dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.