Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1885)
- Date
- 1885-04-01
- Page
- Seite 91 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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91 Unterrichts), als Generaleinnehmer und Generalaufseher, Oberingenieure des Berg- und Wegebaues, als Forstmeister und Oberförster; im Gerichtswesen als Präsidenten, Vicepräsidenten und Räte des Oberkassationshofes und der Tribunale, als Oberstaatsanwälte und Oberanwälte; beim Militär als Divisions- und Brigadegeneräle, als Majore, Oberste und Lieutenants, als Fregattenkapitäne und Kommandanten der Marine, als Aerzte und Generalärzte; im Schulwesen als Professoren der Philosophie, Philologie, Justiz, Geschichte, Physik und Mathematik, als Lehrer in der Kriegsschule, als Mitglieder des Instituts u. s. w., im Ganzen gegen 200 in den höheren Stellen; die niedrigen Beamtenstellen sind hier überall nicht mitgezählt, sind aber durchgängig und vielfach von Juden bekleidet. Auffällig ist diese Erscheinung im Vergleich zu Deutschland, wo Juden überhaupt nur wenige Staatsämter bekleiden und in vielen Branchen wie in höheren Beamtenstufen ganz fehlen. Dazu kommt, daß die Zahl der Juden in Frankreich viel geringer ist, als in Deutschland. Die Gesammt-Einwohnerzahl ist in beiden Ländern fast gleich, dagegen ^ählt Frankreich noch nicht 100 Tausend Juden gegen mehr als 500 Tausend in Deutschland. Ein nationaler Unterschied kann zwischen den deutschen und französischen Juden um so weniger vorhanden sein, als die französischen Juden meistens aus Deutschland stammen; in geistiger und moralischer Beziehung stehen die deutschen Juden den französischen «zewis nicht nach. Auch erscheinen in Deutschland die Juden sofort als qualifiziert, sobald sie getauft sind. — In Sens wurde Dr. Zaval zum Deputierten gewählt. — Pater Hyannthe foijfoit hat, wie die „Hazephira“ berichtet, aus seinem Bethause in Paris alle Bilder entfernen lassen und Sonntagsgottesdienst nach jüdischer Art eingerichtet. Er läßt neben den 10 Geboten auch andere Stücke aus der Thora den Andächtigen vorlesen. — Am 20. Januar starb im 81. Lebensjahre in Ramsgate Rev. Mayer, der Vorbeter der dortigen Synagoge, der Montefiore auf seinen Reisen ins heilige Land begleitete. Er soll Notizen über seine Reisen hinterlassen haben. Am 29. Januar starb in London Jakob Isaak Levi Montefiore, dessen Mutter eine Cousine Sir Moses' war. — In London wurde von Juden ein Meeting abgehalten, um die Lage der armen polnischen Juden zu verbessern. Baron Matanirl v. Rothschild leitete die Versammlung. Sehr richtig betonte Her Dr. Jj. Adler, daß die Chedarinl verderblich seien und daß der Religionsunterricht ein geordneterer sein müsse. Rev. Kohn-Iedek schlägt die Gründung von Volksküchen vor. Man solle den Armen billige Wohnungen verschaffen und die Reichen sollen die abgetragenen Kleider den Armen geben. — Am 13. Februar wurde Herr Dr. Kitter als Oberrabbiner von Rotterdam installirt und in Keilen wurde jüngst eine Synagoge eingeweiht. — Am 22. Februar (7. Adar) waren seit der Geburt Rachman Krochmal's, der im Osten Saaten des Lichtes ausgestreut hat, die heute noch nicht aufgegangen sind, hundert Jahre verstrichen. Sein Sohn, der gelehrte Abraham Kroch mal, der jüngst erst die jüdische Litteratur mit einer sehr wertvollen Schrift bereichert hat, lebt in Frankfurt a. M. — Joseph Rabbinowitsch in Kischenew hat jüngst 200— 300 orthodoxe Juden, die ihn mit Schmutz und Schnee bewarfen und lärmend verfolgten, mit den Worten „Was wollt Ihr Unverständigen? Nicht ich allein, sondern auch Andere werden dasselbe predigen; es ist. Zeit', Ihr müßt glauben" zur Ruhe gebracht. Er gedenkt in Odessa für seine Sekte zu wirken. — Auf seinem Landgute bei Norm; starb am 26. Januar Paul Pawlowitsch Demidoss Wirst San Donato im 45. Lebensjahre. Er schrieb zwei sehr wertvolle Schriften zu Gunsten der Juden und war mit dem Sammeln von Material für die Geschichte der Judenfrage noch weiter beschäftigt. Ein ehrendes Andenken inmitten der Edlen 8*