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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-04-01 · Heft 4 (1.4.1885) · p. Seite 92

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 4 (1.4.1885)
Date
1885-04-01
Page
Seite 92 (sequence 20)
Language
German
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92 aller Nationen bleibt ihm gesichert. — Die in Petersburg tagende Inden- Kommission nahm bereits die Beschlüsse der einzelnen Lokal-Kommissionen des Landes entgegen. Diese sprechen sich meistenteils für die Kassierung der jüdischen Separatschulen und die Aufhehung der Ausnahmssteuern, doch gegen das Ansiedlungsrecht im Innern des Landes aus. Auch äußern sie den Wunsch nach Umänderung der jüdischen Matrikenführung und Reduzierung der Zahl der in die städtischen Kommunalverwaltungen gewählten Juden. Die Haupt-Kommission in Petersburg, unter Vorsitz des Grafen Pahlen, macht ganz ähnliche Vorschläge, in denen jedoch über das Ansiedlungsrecht im Innern des Landes nichts vorkömmt. — Am 20. Dezember begieng Herr S. Abramoivitsch in Odessa sein 25 jähriges Schriftstellerjubiläum. — In Irllsawetgrad erregt der siebenjährige Knabe Feldmann durch sein Flötenspiel großes Aufsehen. — Wegen seiner Verdienste um das Schulwesen wurde Herr Staatsrat Iamuel Poliakow znm wirklichen Geheimrat ernannt. — In Horodno starb Weil Zenders im Alter von 107 Jahren. — Hans von Wlow wollte in II. Petersburg im DwarianskirKlub nicht als Dirigent und Klaviervirtuose austreten, weil ein Konzert von Goldmark auf dem Programme angesetzt war, und er keinen Semiten spielen wolle. — Die Zeitschrift „Hamelitz“ vergleicht die Judengemeinde Bender mit Sodom, wegen Streitigkeiten, die wegen eines Schächters daselbst ausgebrochen sind, welche dahin führten, daß Juden den Rabbiner bei der Regierung verleumdeten. — Der' Gouverneur von Halisch verordnte, daß Juden nicht mehr Fuhrleute von Omnibussen sein dürfen. — Der Gutsbesitzer L. Achner, einer der reichsten Männer in der Bukowina, hinterließ sein ganzes Vermögen zu wohlthätigen Zwecken. Er galt bei seinem Leben für einen Geizhals. — In Pakau in Rumänien wurde auf den Rabbiner ein Schuß abgefeuert, als er zum Fenster hinaussah, jedoch ohne ihn zu schädigen. Die Regierung will keine Untersuchung anstellen, um den Thäter zu ermitteln. — Die Berichte aus Marocco sind schauerlich. Der 98 jährige Rabbiner Iujsuff El MaliKa mußte 980 Stockschläge über sich ergehen lassen, ebenso auch der Kaufmann Isaak Cohen. Letzterer starb. Es sträubt sich die Feder, die Mishandlungen zu schildern, denen die Juden in Marocco ausgesetzt sind. Die Gesandten von Amerika, England, Italien und Spanien nahmen sich in letzter Zeit der armen Verfolgten an. — In Alexandrien starb Baron Kechor David v. Men affe, der Präsident der jüdischen Gemeinde, im Alter von 56 Jahren. In Tunis ist als Lehrer der Physik an dem Cours de l'Association polytechnique Herr Paymond Palensi angestellt worden. — In Mostaganem in Algerien rettete der Jude Moses ben Keboh einer Jagdgesellschaft das Leben, indem er einen Löwen mit der Kugel niederstreckte, der bereits vier Jäger teils getötet, teils schwer verwundet hatte. — Am 25. Januar starb in Sidney, H. F. M. Levy, der viele Jahre Mitglied des gesetzgebenden Körpers daselbst war. — Von erfahrenen Männern wird vor Einwanderung uach Amerika gewarnt. Die jüdische Bevölkerung hat in den letzten drei Jahren um 25% zugenommen. Im November und Dezember vorigen Jahres wandelten in New-Uork 1356 Juden ein und zwar 713 Russen, 345 Oesterreicher, -260 Deutsche, 34 Rumänen, 3 Franzosen und 1 Engländer. Im Ganzen leben in Amerika 700000 Juden, seit dem Jahre 1850 sind 350000 Juden eingewandert. — Am 27. Januar wurde in der Nähe der Ruinen der Stadt Jericho eine über den Jordan gebaute hölzerne Brücke in feierlicher Weise dem allgemeinen Verkehre übergeben. Es ist dies die erste Brücke über den Jordan aus Holz im Gittersystem gebaut, 35 M. lang, 3 M. breit und 3% M. hoch.

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