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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-04-01 · Heft 4 (1.4.1885) · p. Seite 90

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 4 (1.4.1885)
Date
1885-04-01
Page
Seite 90 (sequence 18)
Language
German
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90 | ) ’ wird dieser Klub nicht zum Stehen bringen. — Die reformierte Religionsgei j meinde, unter Führung Dr. Albert Zstersnyi's in Budapest, hielt eine konsti- I , tuierende Versammlung ab unter dem Vositz des Herrn Dr. Samuel Herrfeld und | [ | wählte ein Komitä von 20 Mitgliedern, um die nötigen Schritte für die'Ge-!! j nehmigung der Statuten durch die Regierung zu veranlassen. Unter den 300 : Mitgliedern, welche sich der neuen Gemeinde durch ihre Unterschrift angeschlossen f: haben, finden sich viele Aerzte und Advokaten. - In Krakau haben die ortho-! I doxen Juden in einer Versammlung den Beschluß gefaßt, bei der bevorstehenden; \ Wahl für die Handelskammer keinem Juden ihre Stimme zu geben. Echte orthodoxe Antisemiten das! Nach Krakau wurde Herr Hurivih aus Zolkiew als [ Rabbiner berufen. — In der achtzehnten ordentlichen Plenarversammlung des l.j Vereins „Schomer-Jsrael" in Lemberg sprach sich Herr Dr. Dyck dahin aus, daß ( das Judentum nur noch als Religionsgenossenschaft aufzufassen sei, was von Herrn Dr. Pieter bekämpft wurde. Herr Dr. Koback befürwortete die Herausgabe einer hebräischen Zeitschrift. — In Künfkirchen haben christliche Kauf-! teilte und Handwerker am 2. Februar einen antisemitischen Verein ins Leben gerufen mit dem Zwecke, die Juden geschäftlich zu verdrängen. — Am 19. Februar kam es in Kuli zu Ausschreitungen gegen die Juden, die Gendarmen mußten - : von der Schießwaffe Gebrauch machen. Am 20. Februar wiederholten sich die Tumulte; Militär mußte einschreiten. In Traulenau leidet die jüdische Gemeinde unter antisemitischen Verfolgungen. Der dortige k. k. Kommissär Kd'stlec ü. ' Stromberg hat die Äußerung gethan, daß jeder gebildete Mensch ein Antisemit sein müsse. Was doch gewisse adelige Menschen für Begriffe von Bildung haben! — Im ungarischen Abgeordnetenhause kennzeichnete Herr Degen am treffendsten die Situation, wenn er den Antisemitismus als eine gefährliche rvolutionäre Bewegung bezeichnete. Er forderte die Regierung auf, eine strenge geordnete Verwaltung im ganzen Lande einzuführen, wenn sie nicht will, daß der ungarische Staat durch diese verbrecherische Strömung seiner Vernichtung entgegengehe. — Pola, zur Statthalterei Triest gehörend, hätte bald eine traurige I Berühmtheit wie Tisza-Eslar erlangt. Daselbst wohnt seit Kurzem ein deutscher Jude, der für einen Teil der Matrosen Fleisch und Viktualien liefert. Vor einigen Tagen kamen um 11 Uhr Nachts Polizisten und Gendarmen, hoben ihn aus dem Bette und führten ihn mit gezogener Waffe in Arrest. — Warum? — Zwei bis drei Weiber sagten aus, sie hätten gesehen und gehört, wie dieser Jude ein vierjähriges Kind schlachtete. Sie hörten das Kind rufen: Papa Mama mi mazza (^minaaza, er tötet mich) und sahen durchs Fenster, wie das Kind mit den Füßen zappelte. Diese Weiber beteuerten und beschworen ihre Aussage. Natürlich wurden das ganze Haus, das Magazin und die Fleischbank durchsucht, und alle Burschen (lauter Christen) verhört. Und was war das Ganze? Die Frau hatte einen kranken Hund, welchen die Burschen in's Bett legten; dieser hat wahrscheinlich geschrieen und gleich waren Weiber da, welche ein Kind „in Todesangst nach Vater und Mutter schreien hörten." Man fand das Thier und die Geschichte ist aus. So geschehen in der zweiten Hälfte des Januar 1885. — Ueber die Juden in Krankreich schreibt man uns: Statistischen Berichten entnehnren wir die verhältnismäßig große Zahl, in welcher Juden in Frankreich Staatsämter bekleiden, und zwar in allen Branchen und bis zu den höchsten Spitzen. Wir finden Juden im Senat, in der Deputirtenkammer, im Staatsrat und in der Stüdteverwaltung; ebenso als Präfekte, Unterpräfekte und Präfekturräte; desgleichen als Oberpostdirektoren, Generalinspektoren (sogar des öffentlichen

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