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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-04-01 · Heft 4 (1.4.1885) · p. Seite 89

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 4 (1.4.1885)
Date
1885-04-01
Page
Seite 89 (sequence 17)
Language
German
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89 Pawel. In der Synagoge des Rabbiner-Seminars und im Tempel zu Budapest fand ein Requiem für den Verewigten statt. Gesegnet sei sein Andenken! — In Meran erlag am 1. Februar Peter ImolenrKy, aus Mohilew in Rußland stammend, im 43. Lebensjahre einem Brust- und Kehlkopfleiden. Sein Name wird in der Literatur immer in Ehren genannt sein. Während seines 20 jährigen Aufenthaltes in Wien redigierte er eine Monatsschrift (Morgenröte), in welcher er seine geistvollen Essays und Kritiken niderlegte. Seine schriftstellerischen Ideale waren neben der Bibel und Homer, Shakespeare, Göthe und Dikens, seine Tonheroen, Beethoven und Mozart. Er war einer der bedeutendsten hebräischen Stilisten der Gegenwart und vereinte mit herorragender Darstellungskraft eine nicht unbedeutende dichterische Begabung. Wenn er auch manchmal, seinem einseitigen Standpunkte folgend, zu weit gieng in seinem Urteile über Persönlichkeiten, die man nicht aus ihrer Zeit Herausreißen darf, wenn man sie verstehen will, so muß man doch an ihm den beißenden Spott, mit welchem er das Böse unbarmherzig geißelte, und den Freimut, mit welchem er Alles aussprach, was er dachte, rühmend hervorheben. Er hat den Fortschritt verherherrlicht, den Obscurantismus bekämpft; er strebte Licht und Aufklärung an und wollte jeden religiösen Wahn-mit Stumpf und Stil ausrotten. Es ist eine Ehrenpflicht der gesummten Judenheit ffür seine in Armut und Not zurückgelasfene Frau mit fünf unmündigen Kindern, die ihren Ernährer, ihren Stolz und ihre Freude verloren haben, zu sorgen. — Am 14. Januar starb in Mailand Herr Leone Weill-Ichott, Besitzer der bedeutendsten Privatbibliothek der Stadt. Er förderte jüdisch-wissenschaftliche Unternehmungen. — Die Gemeinde Iuaim in Mähren hat auf die Aufforderung von Seiten der Behörde, den vakanten Rabbinerposten zu besetzen, als Erwiederung die Erklärung abgegeben, die Anstellung eines Rabbiners sei überflüssig. Der Kultusminister 'wollte auf die Anstellung eines Rabbiners bestehen, jedoch der Verwaltungsgerichtshof hat im Sinne der Gemeinde entschieden. Auch ein Zeichen der Zeit! — Mit R echt schreibt Prof. G. Wolf in Wien „Was uns aber gefährlicher dünkt als der Antisemitismus, ist der innere Marasmus. Geben wir uns keiner Täuschung hin; es ist im Inneren Vieles faul, sehr faul und es ist Pflicht eines Jeden, der es ehrlich mit Juden und Judentum meint, eine Regeneration herbeizuführen." Auch unser geschätzter Mitarbeiter Herr Dr. Alexander Kosenberg"in Kaposvar verlangt, um dem klaffenden Riffe zwischen Religion und Leben zu begegnen, ehrliche und mutige Reform des religiösen Unterrichtes, sollen die Kinder das nicht, wie eine große Lüge von den Eltern verworfen sehen, was ihnen als heilige - Wahrheit von Lehrern bezeichnet wird! Jedoch die Juden haben gegenwärtig Sabbathdrahtsorgen. In Uagy-Karoly ließ der Bürgermeister, als Erzherzog Rudolf anwesend war, die Eruwdrähte entfernen. In Czernowih wurde über „Sabbathdrähte" sogar im Rate der Stadt verhandelt. G. K. Pitey sprach aus diesem Anlässe die Worte aus „Wenn auch manchmal im Mai ein Frösteln kommt, der Winter kommt nicht wieder, die wärmende Sonne dringt durch." Der Antrag auf Einführung von Sabbathdrähten wurde indes abgetehnt und eine bestandene Einrichtung abgeschafft. Man beruft sich in Ezernowitz auch auf Frankfurt a. M., wo die Neuanlegung von Sabbathdrähten von Seiten der Stadt gestattet wurde. Uns ist von einem solchen Beschlüsse aus den''letzten ~ fünfzehn Jahren unseres hiesigen Aufenthaltes wenigstens nichts bekannt, auch haben wir einen Sabbathdraht hier noch nicht zu entdecken vermocht. — In Prag hat sich ein „Altmännerklub" gebildet. Nach seinem Aufrufe zu schließen, wäre die Bezeichnung „Altweiberklub" eher am Platze, denn die Reform des Judentums 8

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