Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1885)
- Date
- 1885-04-01
- Page
- Seite 83 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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83 leicht mit ihm klagen, „daß unsere Jugend in nichtjüdischen Schriften ihren Wissens« dürft befriedigen müsse, unsere Erwachsenen Geistes- und Herzensnahrung ausschließlich in Romanen zu suchen pflegen und Männer und Frauen am Ende sich schämen, statt des Kurszettels und des Opernguckers ein Gebet- oder Erbauungsbuch in Händen zu haben, oder außer dem Ballkleid und Moderock — eine Bibel zu kaufen." Sein Mahnruf an die, unter der Lauheit des Publikums attt meisten leidenden Führer Israels: „Verbreitet Bibelkunde, ihr mehret die Freude an Gott und Glauben!" ist nicht ungehört und unbeachtet verhallt. Die Bibel ist seitdem zu Tausenden von Exemplaren — wir gedenken der von Philippson, welcher seit 1844 sein großes Bibelwerk erscheinen ließ, ins Leben gerufenen Bibelanstalt und ihrer orthodoxen Rivalin! — in Israels Häuser gepilgert; hat sie aber in dem erwarteten Maße Freude am Göttlichen und Festigkeit im Glauben erzeugt? Herxheimer charakterisiert in der Selbstanzeige *) seine Bibel ganz vortrefflich. Wir können in dem beschränkten Rahmen dieses Lebensbildes nur einen Auszug dieser Charakteristik mitteilen. H. giebt den korrekten hebr. Text, weil die Erschlaffung jüdischer'Religiosität Hand in Hand gehe mit der Entftemdung der Bibel in der Originalsprache. Seine Uebersetzung trage das Gepräge des Originals, er habe versucht, die Schwierigkeit zu überwinden, den oft ungenügenden deutschen Ausdruck mit der kindlichen Naivetät und Einfachheit, der prägnanten Kürze, der Kraft und Schönheit des Parallelismus, dem Bilder¬ und Wortreichtum des Hebräischen in ungezwungener und edler Darstellung zu decken. Sein Comme.ntar, der die Schrift ausleben, nicht aber das, was man gern darin lesen möchte, hi nein legen soll, biete die Quintessenz aus Raschi, Jbn Esra, Kimchi, Nachmanides, Abravanel u. A., füge mit möglichster Kürze Erläuterungen von Rosenmüller, Hitzig, Bohlen, Ewald, Delitzsch u. A. sowie aus dem Talmud, Midrasch, More hanebuchim u. s. w. an, indem er — unter strenger Wahrung der Kritik — einen vernünftigen frommen Standpunkt festhalte. Durch seine erbaulichen homiletischen Anmerkungen will er das Lesen der Bibel anziehender und fruchtbarer machen und dem Lehrer für den Unterricht sowie dem angehenden Prediger nützliche Andeutungen geben. Der gefeierte Redner Leopold Stein in Frankfurt anerkennt2), aus diesen Anmerkungen manche Anregung zur Predigt gewonnen zu haben und viele Amtsbrüder dürfen für ihren Teil ihm zustimmen. So. konnte auch der Zeichner dieses Lebensbildes bespielsweise seine zu Herxheimers 50 jährigem Jubiläum gehaltene Tischrede, in welcher er das Wirken des Jubilars mit dem Feststrauß (Freimut, Großmut, Anmut (Ps. 133, 1], Demut) verglich, mit der homiletischen Andeutung zu 3. M. 25, 10 einleiten: „So lasset uns jedes Jubiläum feiern, wenn ein so wichtiger Zeitraum für uns sich geschlossen hat. Heiligt das fünfzigste Jahr odex das fünfundzwanzigste eures Amtes oder Ehelebens durch dankbare, freudige und vertrauensvolle Blicke rückwärts, vorwärts und aufwärts, durch heilige Vorsätze für die neue Lebensreise." Nach der Schilderung seines opferfreudigen, selbstlosen Berufslebens, seiner populär-wissenschaftlichen und pädagogischen Wirksamkeit, wollen wir noch einige, das'Lebensbild des schlichten, friedliebenden und leutseligen Mannes vollendende Daten nachtragen. Trotz mancher.'Kämpfe und Stürme war sein Leben im Großen und Ganzen ein ruhiges, friedliches, reich an wohlverdienter Anerkennung. Das konnte man bei allen^Festlichkeiten, die H. beschieden waren. ') Stein, ä. a. O. 1855 (5. Bd.) 74 ff. 4 ) Stein a. a. O. III, 48.