Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1885)
- Date
- 1885-04-01
- Page
- Seite 82 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Bibelerklärung als geschickter Münzmeister, welcher das von bahnbrechenden Forschern ans den Fundgruben der Wissenschaft zu Tage geförderte Edelmetall in gangbare Münze umprügte und in/ven geistigen Verkehr brachte; er hat sozusagen die wissenschaftliche Exegese popularisiert, unbemerkt ihre Erfolge in weite Kreise getragen und die Herzen seiner Stanimesgenossen, besonders die der lehrenden, dem Bibelstudium wiedergewonnen. Darin liegt mit der Schwerpunkt seines einflußreichen Strebens! Zehn Jahre hat er auf Kosten seiner Gesundheit Tag und Nacht geforscht und die Resultate der Forschung festgestellt. Mit Bienenfleiß hat er die umfangreiche Literatur jüdischer und christlicher Bibelexegese, Grammatik und Lexikographie durcharbeitet, ihren kernigsten Inhalt neben den Ergebnissen des eignen Denkens und Wissens gebucht, so/oaß er von 1£&2 ab sein Hauptwerk: „Die 24 Bücher der Bibel in ebräische^r Texte, mit worttreuer Uebersetzung, fortlaufender Erklärung und homiletisch benutzbaren Anmerkungen" erscheinen lassen konnte. »Haoent sua fata libelli.“ Bücher haben ihre Geschicke, Bücher für Israeliten nicht selten Mißgeschicke, und diese sind teils der geringen Opferwilligkeit für die Förderung der literarischen Seite des Judentums, teils dem vielleicht hierdurch veranlassten, oft mangelhaften buchhändlerischen Vertrieb zuzuschreiben. Sollte man es für möglich halten, daß ein BuL.üon dLi^ÄedLutuug des HerxheimerWen Bibelwerks, welches durch seine Wre, verständliche, traditionsgemäße Uebersetzung, durch eine vielseitige, gelviffermaßenden^Ktt aller Commentäre "därbleMden Erklärung, durch seine knappen, gedankenreichen, anregenden homiletischen Anmerkungen und andere Vorzüge einem langgefühlten Bedürfnis abhakf, daß ein Werk-, welches über den Parteien stand und von Juden und Christen — die Konsistorien von Aernbyrg und Sottdershausen ....EpfMeneLLeLPfarraeistlicheu — gleich günstig beurteilt würde,' M anfänguch" nicht Bahn brechen wmike: Inden ersten zehn Jahren nach seinem Erscheinen nahm es, weil vom Verleger vernachlässigt, nur in verhältnismäßig geringer Zahl, mit Ausnahme des in 2. Aufl. erschienenen Pentateuchs, den Weg ins Publikum, so daß der Verfasser sich 1852 gezwungen sieht, durch Herabsetzung des Preises und durch eine Selbstanzeige für das Werk Stimmung zu machen. Nicht marktschreierisches Treiben, nicht schriftstellerischer Dünkel treiben ihn dazu, der bescheidene Mann gesteht offen, daß er bei aller Sorgfalt, Zeit und Kraft, die er der Arbeit gewidmet, die Unvollkommenheit seiner Leistung fühle und diese strenger beurteile, als das mit der Anerkennung nicht geizende Publikum. „Es ist", so schreibt er/) „die Sache selbst, die große, heilige Sache der Religiosität und des Judentums, die, wie sie mich zu der vieljährigen anstrengenden materiell undankbaren Arbeit angeregt und fortwährend zur Ausdauer und Vollendung ermutigt hat, mir es nun auch zur Pflicht macht, zu ihrer Förderung auf mein Werk aufmerksam zu machen. . . . -. Wie soll der täglich zunehmenden Zerfahrenheit, der Indifferenz und Verfärbung des Judentums einerseits und der Verknöcherung des jüdisch religiösen Lebens anderseits gründlicher entgegen gewirkt werden als durch Verbreitung der Bibel mit ihrem Lichte und ihrer Wärme, mit ihrer versöhnenden, friedenbringenden Erkenntnis?" Wir können die ln der weiteren Ausführung ° hervorbrechende Bitterkeit des Autors verstehen, wenn wir das Scheitern so mannigfacher Bemühungen, die Kenntnis unserer Religion, Geschichte und Literatur zu verallgemeinern und zu vertiefen, uns vorführen, können viel- ') Stein, der israelitische Bolkslehrer 1854 (4 Bd.), 321.