Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1885)
- Date
- 1885-04-01
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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81 zeiten, allgemeinem religiösen Belehrungen, der Hebung des Gottesdienstes, der Abstellung der in die Religionsübung eingeschlichenen Mängel u. A. gewidmet. . . Die anläßlich der Rabbinerversammlung in Braunschweig gehaltene Rede bei der Enthüllung des Leichensteines für den Landrabbiner Sam. Eger, „für den Mann, der ausgezeichnet in talmudischer Gelehrsamkeit, groß in Demut, herrlich in menschenfreundlicher That, als Geistlicher, als Mensch, als Familienvater ein Muster.der sich in seinem Alter noch bemühete, zeitgemäße Vorträge in der Muttersprache zu halten, die zeitgemäße gewerbliche und religiöse Bildung der Jugend zu fördern, der einer der ersten war, der die öffentliche Konsignation im Gottesdienste einführte" — diese Gedächtnisrede *) leitet uns zu Herxheimers Teilnahme an den Rabbinerversammlungen. — Geiger hatte 1837 seine Gesinnungsgenossen nach Wiesbaden zu einer freundlichen Besprechung eingeladeu, uni, fern von jeder kirchlichen Anmaßung, eine Verständigung unter Gleichgesinnten über die Art und Weise zu erzielen, „wie der reine Begriff des Judentums (freie Entwicklung der innern sittlichen Kraft) endlich herausgezogen werden müsse aus der Masse erstarrter Schalen."* 2) Herxheimer, jeden Anlaß zur Klärung der Ansichten, zur Förderung jüdischer Interessen, zur Hebung religiöser Zustände freudig begrüßend, trieb es dann in seine Heimat, zu den in Wiesbaden tagenden Kollegen,' über deren Debatten und Beschlüsse nichts in die Öffentlichkeit drang. Später nahm er an allen Rabbinerversammlungen (Braunschweig 1844, Frankfurt 1845, Breslau 1846), die nach dem Programm für die erste „über die Mittel beraten wollten, wodurch die Fortbildung des Judentums und die Belebung des religiösen Sinnes bewirkt werden könne", regen Anteil. Leider ist der letzte Teil des Programms ein bis heute ungelöstes Problem! 1869 treffen wir ihn als Mitglied der Synode zu Leipzig, welche — vielleicht durch das Laienelement! — einen ruhigem Charakter trug als die frühem Versammlungen, bei denen H. sich als Vertreter des gemäßigten Fortschritts dokumentierte.3) Seiner Teilnahme an der Synode verdanken wir ein mustergiltiges Referat iiber den Religionsunterricht, welches er als Vorsitzender der Unterrichts-Kommission erstattete. Wer wäre auch fähiger gewesen, einen solchen Bericht abzugeben, als der Verfasser brauchbarer Lehrbücher, einer beachtenswerten Schulschrift.4) als der beliebte Bibelerklärer! Er selbst konnte seiner Augenschwäche halber die Arbeit nicht vorlesen und übertrug einem Kollegen den Vortrag. Wer ihn bewunderungsvoll und mitleidig ansah, gedachte der anstrengenden, und aufreibenden Thätigkeit, die er, ein treuer Diener der Wissenschaft, der Vollendung seines Bibelwerkes gewidmet hatte. Zeigen Form und Inhalt, Maß und Hiel des Religionsbuches ihn als den gediegenen Schulmann, rühmen die volkstümlichen, einfachen herzigen Predigten ihn als umsichtigen, durchbildeten praktischen Theologen, so preist das Bibelwerk den fleißigen Förderer der Wissenschaft, der mit Pietät, Takt und Scharfblick die heiligen Urkunden übersetzt und erläutert hat. Er offenbarte sich durch die *) Predigten 416. 2) Jost, Gesch. des Judentums und seiner Sekten. III. 352. 3) Als solchen zeigt ihn auch sein Aufsatz „Über die Abschaffung bestehender Gebräuche" in Geiger, Wissensch. Zeitschr. II. 226, ff., aber auch die Berichtigung der Referate über die R.-V., vgl. Orient 1845, 174, 291. 4) Über die Notwendigkeit und die Erfordernisse der wirksamen Volksschule, besonders der israelitischen, Bernburg 1832.