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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-04-01 · Heft 4 (1.4.1885) · p. Seite 80

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 4 (1.4.1885)
Date
1885-04-01
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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80 Gin Vorkämpfer des modernen Judentums. (Bortrag gehalten im Mendelssohn-Verein zu Frankfurt a M. am 15. Januar 1885 von vr. S. Salfeld, Großherzoglichem Rabbiner zu Mainz.) (Schluß.) Wer Herxheimers Meisterschaft im Ausführen durchsichtiger Dispositionen bewundern will, lese beispielsweise: „Ein lehrreiches Bild von der Wanderschaft" und „Des Menschen Ähnlichkeit mit dem Baume". 0 Die Predigten werfen das Bild eines vielseitigen Wirkens zurück. Die politische Reaktion suchte die gewährte Gleichberechtigung wieder illusorisch zu machen, — seine Rede „Darf der Israelit auf volles Staats- und Bürgerrecht hoffen?" war ein Protest gegen den Rückschritt, ein Trost für die Bangenden, eine Mahnung zur steten sittlichen Hebung und Läuterung: „. . . Wenn wir ausdauernd fortschreiten in nützlicher Arbeitsamkeit und Gewerbsthätigkeit, die ja einst heimisch war in Israel; wenn wir immer weniger uns zersplittern durch Uneinigkeit, die wir ja schon so sehr zerrissen und zerstreut sind; wenn wir immer mehr uns alle auszeichnen durch Rechtlichkeit, die wir ja gewöhnlich Alle um eines Unredlichen gebrandmarkt werden; wenn wir immer niehr uns aneignen eine Bescheidenheit, die dem Schwächer» ziemt, immer mehr unter uns erwecken einen aufopfernden Gemeinsinn, eine durchgreifende Schulbildung, einen gediegenen Religionsunterricht, eine erleuchtet fromme Religiosität, dann kann-es nicht fehlen, daß unsere Zurücksetzung aufhört, dann müssen unsere Gegner schweigen ....* 2) Der Arbeitsamkeit und Gewerbsthätigkeit hatte er schon früher mit seltener Sachkenntnis und überzeugender Wärme das Wort geredet in der Aufforderung, „unsere armen israelit. Knaben auf alle Weise zur Erlernung der Gewerbe, der Wissenschaften und des Ackerbaues zu unterstützen." 3 * 5) Dem Worte folgte die That, und 1835 schon konnte über das Blühen des Vereins zur Unterstützung armer israel. Knaben zur Erlernung des Ackerbaues rc. berichtet werden.^) Herxheimer war ein Freund der Unterdrückten und Elenden. Nicht nur den armen Glaubensgenossen in der Heimat, auch den Bedrängten und Darbenden im Oriente widmete er — angeregt durch die Bemühungen des edlen Montefiore — sein thaterzeugendes Wort,3) er suchte unsere orientalische Frage einer glücklichen Lösung entgegenzuführen, indem er, der Alliance israölite vorarbeitend, Männer zu begeistern strebte, „welche die Besorgung und Verteilung unserer Liebesgaben an unsere bedrängten Glaubensgenossen in Palästina befördern, die bürgerliche, Gleichberechtigung aller türkischen Juden erwirken, die Errichtung von Schul- und gemeinnützigen Anstalten unter denselben, sowie die wissenschaftliche, geschäftliche und gewerbliche Ausbildung junger orientalischer Juden in Europa. vermitteln", aber nicht durch plan- und ziellose Unterstützung ein professioniertes Bettlertum großziehen sollten. — Seine übrigen in dem von ihm am 5. Juni 1835 eingeweiheten neuen israel. Gotteshause zu Bernburg3) gehaltenen Predigten sind den erhabenen Gedanken unserer Fest- ') Predigten 185. 292. -) A. a. O. 95. 3) A. a. O. 229. *) Geiger Wissenschaft!. Ztschr. 1. 472. 5) A. a. O. 308. °) Über die Einweihung vergleiche „Feier der Einweihung . . Bernburg 1835'; Predigten 356 ff. u. Geiger a. a. O. 473.

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