Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1885)
- Date
- 1885-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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68 kleiden verstanden. Wir wünschen dieser Volks- und Jugendschrift weite Verbreitung. — Im Verlage von Preuß und Jünger in Areslau ist erschienen: Gelegenheits-Predigten. Erster Band. Trauungsreden für alle Wochenabschnitte des Jahres von Elias Karprles, Rabbiner und Prediger der ist. Tempel-Gemeinde Wieden und Margarethen in Wie». Zweite verbesserte Austage, (Preis 2 Mk. 25 Pf.) _ Schon der äußere Umstand, daß diese Reden in zweiter Austage erschienen sind, spricht dafür, daß dieselben sich einer gewissen Beliebtheit zu erfreuen hatten. In vorliegender zweiten Auflage sind einige Reden umgearbeitet und einzelne neu eingefügt worden. Es ist gerade kein Ueberflußan derartigen Casualreden vorhanden. Rabbiner und Lehrer werden aus diesem Buche manche Anregung gewinnen. — Dem soeben ausgegebenen Jahresberichte des jüdischtheologischen Seminars zu Breslau entnehmen wir, daß dasselbe zur Zeit von 35 Hörern besucht wird. Me alljährlichist dem Berichte auch diesmal eine wissenschaftliche Abhandlung beigegeben und zwar: Reime und Gedichte des Abraham Jbn Esra, Heft I von I)r. David Kahn. Der Vcrf. liefert in demselben einen litterarischeu Ueberblick über die poetischen Leistungen Jbn Esra's, von welchen zunächst die nicht speciell der religiösen Poesie angehörenden Gedichte in Betracht genommen und dem Leser in entsprechender metrischer Uebertragung vorgeführt werden sollen. Eine recht passende Einleitung zu dieser in vorliegender Schrift erst begonnenen Arbeit bildet die Darstellung der in der hebräischen Dichtung gebräuchlichen Versmaße nach den von Jbn Esra selbst hierfür gegeben Regeln. Der Verfasser macht den Anfang niit der Mitteilung der nach handschriftlichen Texten berichtigten „Reime und Verse am Anfänge oder am Schlüsse litterarischeu Arbeiten". Das wichtigste dieser Stücke ist die gereimte Einleitung zu dem Pentateuchcommentar, in welcher I. E. die früheren Metoden der Schriftexegese einer strengen Kritik unterwirft und über sein eigenes Verfahren in der Auslegung des Schriftwortes sich erklärt. Für die Herstellung eines zuverlässigen Textes dieses mehr in die Gattung der Reimprosa gehörenden Stückes hat der Verfasser an zwanzig Handschriften' zu Rate gezogen. Die versificirte Uebersetznng ist ebenso geschmackvoll als sinngetreu. — Herr Aedernbaum hat die Leser seiner in Petersburg erscheinenden trefflich redigirten hebräischen Zeitschrift „Hameliz" mit einer in Begleitung der tausendsten Nummer derselben versendeten größeren Festschrift erfreut, die Beiträge in hebräischer Sprache von den besten russisch-jüdischen Schriftstellern enthält. Zeitgeschichte, Theologie, Poesie, Belletristik, Geschichtsforschung und Literaturkritik finden in derselben ihre angemessene Vertretung. Der Herausgeber bespricht in einem Aufsatze über Nationalität und Assiniilation die Bildung der Secte Neu-Jsrael. Die Vivisectionsfrage giebt Herrn Rubin Veranlassung, die in dem jüdischen Schristtume niedergelegteu Anschauungen über die Behandlung der Tiere zu beleuchten. Herr Zweifel weist durch zahlreiche Belege aus dem älteren Schristtume nach, daß das Judentum auch Toleranz gegen die Renegaten gebietet. Der Essay Lilienblum's über Gordon's hebräische Dichtungen ist eine vorzügliche Leistung ästhetischer Kritik. Außer den poetischen Beiträgen von Gottlober, Scherschewski und Spiro wollen wir noch die wissenschaftlichen Arbeiten S. I. Horowitz's und D. Bril's hervorheben: Da der Herausgeber ein ähnliches Sammelwerk für eine spätere Gelegenheit vorbereitet, so möchten wir den Wunsch, das dasselbe Aufsätzen letzterer Art mehr Raum gebe, nicht unausgesprochen lassen.