Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1885)
- Date
- 1885-03-01
- Page
- Seite 64 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Hastigkeit, Arbeit, Ackerbau, Handel, Habsucht, Wucher, Getränkehandel, Geschäftsvermittler, Lüge, Schwur, Schimpfreden, Rache, nutzlose Vereinigungen, Kinder- und Selbsterziehung, Aberglaube, Heirat und Scheidung, Gleichberechtigung der Frauen, Feiertage, Gebräuche und Bethäuser, Gebete. Sie glaubten auch an die Unsterblichkeit der Seele. Einer ihrer Lehrsätze lautet: „Alle Völker, alle Stämme, alle Menschen sind Brüder, denn ihr gemeinsamer Vater ist der Schöpfer, ihre gemeinsame Mutter die Natur." Der Wucher wird als „eckkes und schimpfliches Gewerbe" bezeichnet. Die Judenhetzen hkqtmten die Bewegung, die meisten Mitglieder wanderten nach Amerika und Palästina aus. Später tauchte in Krementschuck die Sekte von neuem auf, aber schon durch den Namen „Rationalisten-Verein" ihre Verschiedenheit von der „Brüderschaft" in Jelisawetgrad kundgebend. Bald entstand in Odessa eine Sekte „Ueu-Israel" die von einem Zusammenhänge mit der Biblischen Brüderschaft nichts wissen wollte; an ihrer Spitze stand Herr Priluker, während die „Brüderschaft" in Petersburg und Kischenew neue Anhänger gewann. Die in Kischenew jüngst ins Leben gerufene Sekte „Neu-Jsrael" deren Seele Joseph Rabinowitsch ist, hat ihre Bestrebungen so klar dargelegt (Vergleiche Schriften des Jnstitutum Judaicum 4 und 5) daß darüber kein Zweifel 'vorhanden ist, daß die Gründer und Anhänger dieser Sekte nicht mehr auf dem Boden des Judentums stehen und wir es hier mehr mit einer christlichen als jüdischen Sekte zu thun haben, wenn auch die Beschneidung als verpflichtend beibehalten wurde. Das Gotteshaus dieser neuen Sekte, mit Genehmigung des Grafen Tolstoi erbaut, wurde am Weihnachtsfeste unter großem Zudrange Neugieriger eingeweiht, wobei es bald zu Ausschreitungen gekommen wäre. Wir werden auf Grund der uns vorliegenden Dokumente noch später auf „Neu-Jsrael" zu sprechen kommen. — In San Antonio in Teras hat sich eine Sekte „Adoptivjuden" gebildet. Die Mitglieder, Christen von Abstammung, verwerfen die Dogmen der christlichen Religion. Sie halten den Sabbath, wissen sonst nichts von jüdischen Gebräuchen und sind über jüdische Zustände gut unterrichtet. — Joseph de Zogheb, portugiesischer Generalkonsul in Aegypten, hat den Sekretär der israelitischen Gemeinde von Alexandrien, Herrn Pereyra de Leon, zum Testamentsvollstrecker seines großen Vermögens (über 9 Millionen Mark) bestimmt...— In Konstantinopel ist eine Differenz zwischen dem Oberrabbiner Moses Levi Estendi und den Gemeindevorstehern dadurch entstanden, weil Ersterer seine Zustimmung zur Einführung von Reformen nicht geben wollte. Der Kultusminister hat das Erscheinen eines Blattes, welches gegen den Oberrabbiner auftrat, verboten. Gegen 12,000 Francs jährliche Pension soll der Herr Oberrabbiner von seinem Amte zurücktreten und Konstantinopel bekommt seinen Reformrabbiner. — Die türkischen Gesandten haben an die unter ihnen stehenden Generalkonsule folgenden Erlaß gerichtet: „Herr Generalkonsul! In Ansehung der Unzuträglichkeit, welche in Palästina durch die Menge von Israeliten verursacht werden, die von allen Seiten hergekommen, um sich daselbst niederzulassen, hatte die Kaiserliche Regierung die Auswanderung derselben nach diesem Theile des Kaiserthums verboten. Nichtsdestoweniger gelang es einigen unter ihnen, unter dem Vorwände von Pilgerreisen oder Handelsgeschäften Einlaß in das Land zu erhalten, sich dort anzusiedeln und unter Erweckung eines falschen Scheines in der That einzuwandern. Um nun für diese Verhältnisse eine Grenze zu schaffen, hat die Kaiserliche Regierung beschlossen, vom Auslande kommenden Israeliten nur unter folgenden Bedingungen Zutritt in Palästina zu.gewähren: 1) In ihrem