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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-03-01 · Heft 3 (1.3.1885) · p. Seite 63

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 3 (1.3.1885)
Date
1885-03-01
Page
Seite 63 (sequence 15)
Language
German
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63 auch der König anwesend. In Stockholm hat der König Herrn Semmi Nubinson, den Sekretär der israelitischen Gemeinde, zum Polizeimeister, d. i. Polizeipräsident der Stadt, ernannt. — Anläßlich des Erscheinens der 1000 Numer des „Hamelitz", die als Festnummec ausgegeben wurde, erhielt der Red.acteur Herr Alexander Zedernbaum viele Beweise anerkennender Teilnahme. Wir glauben es dem Redacteur, wenn er schreibt „Böse und Bitter war mein Loos", da er für Aufklärung und Bessergestaltung der jüdischen russischen Zustände mutig eintrat. — Herr Dr. yarkaoy in St. Petersburg wurde zum Staatsrath ernannt und erhielt aus diesen. Anlasse den Stanislans-Orden zweiter Klasse. In Mlna leben 95,000 Juden unter 130,000 Einwohnern, 70,000 Juden gehören dem Arbeiterstande an. — In Milkonnr fielen die ins Heer eintretenden Rekruten ohne jede Veranlassung über die Juden her. Viele wurden mißhandelt, einige verwundet, ein Jude wurde getötet. — In Odessa schickt man sich an, das Jubiläum des 24 Jahre daselbst fungirenden Stadtrabbiners zu feiern. Wie im Hameliz berichtet wird, haben daselbst zwei Mitglieder des Repräsentanten-Collegiums unter dem Deckmantel des Patriotismus an den Gouverneur ein Gesuch gerichtet, daß es an der Zeit sei, statt eines deutschen einen russischen Rabbiner zu wählen. Sie schlugen zugleich einen obscureu Ignoranten als Candidaten vor. Wollen denn die Juden am schwarzen, wie ihre Ahnen am rothen Meere, nicht aufhören, gegen Mose zu kämpfen? Die Gemeinde Odessa sollte stolz darauf sein, einen Schwabacher zu besitzen! — Rußland ist das Land der Sektenbildung, so wird von einer den alten Essäern ähnlichen Sekte unter den Christen gemeldet: In der Landgemeinde Uowopribornaja findet eine neue Sekte unter dem einfachen Volke rasche Verbreitung; ganze Familien treten zu ihr über. Neueintretenden Eheleuten wird zur Pflicht gemacht, daß sie sich von einander fern halten; der herangewachsenen Jugend wird das Heiraten nicht gestattet. Sie nehmen keinerlei Fleischnahrnng zu sich. Die Kirche meiden sie. An der Spitze dieser Sekte steht der Bauer Rogow. In seinem Hause finden Gebetsversammlungen statt, es werden religiöse Dispute gehalten und Schriften religiösen Inhalts gelesen. — Wir wollen uns nun über die jüdischen Sektenbildungen in Rußland aussprechen, müssen jedoch auf die Geschichte dieser Bewegung etwas näher eingehen. Von einer Sektenbildung bei den Juden in der südrussischen Gegend wurde zuerst im Jahre 1879 aus Ztlisawelqrad berichtet, vor den berüchtigten Judenhetzen daselbst. Bald hörte man ähnliches von Odessa aus, wo man die Sache förderte. Aus dem Streben, das religiöse und sociale Leben der Glaubensgenossen von vorhandenen Mißständen zu befreien, ging die Bewegung ursprünglich hervor. Am 14. Januar 1880 wurde in Jelisawetgrad eine Sekte „Geistliche Biblische Brüderschaft" gegründet durch einen Getreidehändler, einen Notariatsschreiber, einen Elementarlehrer und einen Schneider. Die geistlichen Brüder, an deren Spitze Gordin stand, nannten sich „Stundisten". Man wollte kleine Colonieen gründen und Ackerbau und Handwerk fördern. In ihren „Grundlagen" thaten sie dar, daß sie nicht Separatismus und Absonderung von beit andern Juden anstrebten, sondern vielmehr Frieden, Einigkeit und Brüderlichkeit. Sie erklärten mit der religiösen, und sittlichen Anschauung ihrer Umgebung unzufrieden zu sein und bessere Zustände anzustreben. Wissenschaft ohne Religion hielten sie für einen Körper ohne Seele. Die Bibel bildete die Grundlage ihrer Lehre. Der Talmud galt ihnen nur als ein Denkmal altjüdischer Litteratur. Ihre ethischen Principien legten sie in den sogenannten „Grundlagen" nieder, in welchen behandelt wurden: die Bruderschaft, Aufrichtigkeit, Ehren-

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