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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-03-01 · Heft 3 (1.3.1885) · p. Seite 60

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 3 (1.3.1885)
Date
1885-03-01
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 mmg und ließen sofort die verbannten armen Familienväter brotlos werden und der Dürftigkeit anheimfallen. Kann man wohl auch von einem solchen Rabbi Besseres erwarten, wenn mail erwägt, daß derselbe am jüngst vergangenen Buß-Sabbath in seiner sogenannten Predigt u. A. behauptete: „es genüge bei Weitem noch nicht, am Versöhnungstage zu fasten, zu beten und in der Synagoge zu sein, man müsse auch die ledernen Schuhe und Stiefel ausziehen. Auch verkündete der Redner u. A. „es gebe in religiösen Gebräuchen (Zeremonien u. dgl.) nichts Zeitgemäßes; altes Traditionelle müsse stets beibehalten und ausgeübt werden rc." Hier ist zunächst die Frage aufzuwerfen: ist nicht ein großer Theil der talmndischen Gesetze zur Zeit ihrer Entstehung zeitgemäß gewesen? — oder ist es herkömmlich und etwa nicht zeitgemäß, daß der Herr Rabbiner an jeden! Sabbath- und Festtage zu Maftir sich aufrufen läßt, wie solches in A. geschieht?" und wie soll man das nennen, daß derselbe Mann von den 18 Thorahrollen, welche die Aschaffenburger Synagogengemeinde besitzt, 17, (sage siebenzehn) staffelte, resp. es als schwere Sünde erklärte, beim Gottesdienste daraus vorzulesen?" Ein Verbot, das in der That seit drei Jahren befolgt wird. — Aus Furcht vor einem Juden, der im Eisenbahncoupö seine Gebetriemen anlegte, sprang zwischen Cosel und Gleiwitz ein 15jähriger christlicher Knabe aus dem fahrenden Zug und zog sich Verletzungen zu. Wir sehen, der Antisemitisinus erhitzt die kindliche Phantasie, so daß sie in harmlosen Lederrienien zuckende Mordwaffen erblickt. — In Leipzig ließen die Antisemiten vor dem Weihnachtsfeste große Zettel mit der Inschrift „Kauft nicht bei Juden" verteilen. Herr Wilhelm Häring schrieb dagegen in der „Bürgerzeitung", indem er seinen Aufsatz mit den Worten einleitete: So lange die Welt besteht, hören die Narren nicht auf.— Die Firma May u. Edlich macht bekannt, daß in ihrer , Papierwäsche-Fabrik nur christliche Arbeiter thätig sind. Dieser Antisemitismus ist wenigstens nicht waschecht! — Am 12. Februar feierte Herr A. H. Weiß, Lector am Beth-Ha-Midrasch in Wien, aus Gr. Mesrritfch in Mähren stammend, seinen 70. Geburtstag. Weiß ist einer der hervoragendsten jüdischen Gelehrten der Gegenwart. Seit dem Jahre 1862 hat er die jüdische Litteratur mit äußerst wertvollen Schriften von bleibendem Werthe bereichert. Man kann solche Männer nicht genug würdigen, die mit selbstloser Hingebung der Sachedes Judentums unter den größten Entbehrungen gedient haben. Auf solche Juden mögen unsere Gegner Hinschauen und sie werden die Waffen senken, aber auch die Juden mögen in ihnen ihre weisen Meister erblicken und ihnen ein sorgenloses Alter bereiten, ihnen, die ihr ganzes Leben für sie in den Dienst gestellt haben. — Wie der „Wiener Israelit" berichtet, wurde Dr Herr David Heinrich Miiller zum ordentlichen Professor der semitischen Sprachen an der Wiener Universität ernannt. — Herr Dr. Kosenblatt wurde zum Professor an der Krakauer Universität ernannt. — Nach Trictsch in Mähren wurde Herr Dr. Kolenfeld als Rabbiner berufen. — Im Afike-Jehudah-Vereine zu Prag sprachen Herr W. Ireund über „Drama und Musik bei den Juden". Herr Dr. Stank über: „Der Wein im jüdischen Schrifttume" und Herr Dr. G. Deutsch aus Drilnn über „Abraham Jbn Esra, der Vater der Bibelkritik." — In Budapest verstarb im Alter von 102 Jahren Herr B. H. Iriedmann, ein Kenner der hebräischen Literatur. Herr Rabbiner L. Pollak hielt ihm einen Nachruf. — Am 9. Januar starb in Ottakring Herr Rabbiner CtKan Klein. — Herr Leopold Steiner in Großwardein wurde in den Adelstand erhoben. — In T. S. Miklos hielt in Vertretung des dortigen erkrankten Rabbiners der Geistliche Iran; Maddai der verstorbenen

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