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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-03-01 · Heft 3 (1.3.1885) · p. Seite 59

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 3 (1.3.1885)
Date
1885-03-01
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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m - urt a. M. einen mit vielen« Beifalle aufgenoinmenen Vortrag über: Ein Vorkämpfer des modernen Judentums. Auch in Hamburg wurden Vorträge gehalten. Am 27. Dezember sprach Herr Prof. Dr. Caro aus Breslau über „die Juden unter den Slaven" und am 24. Januar Herr Dr. Leimdörfer jiber „die Paedagogik und das Judentum." In Hannover sprach am 25. Januar Herr Landrabbiner Df. Gronemann über die im Talmud vorhandenen auf Rom sich beziehende Aussprüche. — Herr Joseph Richter in Reuthen feierte am 9. Januar sein fünfzigjähriges Jubiläum als Stadtverordneter daselbst. Er war auch ein halbes Jahrhundert Mitglied des Gemeindevorstandes. — Zum Nachfolger des Herrn Dr. Brann in der Baruch-Auerbach'schen Erziehungsanstalt zu Kerli« wurde Herr Reallehrer Df. Ztreliher aus Rostock erwählt. — Herr Landrabbiner Dr. Destauer in Meiningen folgte der an ihn von Sr. Hoheit dem Herzoge ergangenen Einladung zur Teilnahme am Hofballe, der am 5. Januar stattfand. — In Posen starben Herr Paul Iolowic;, der für Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen sehr tätig war, Herr Commerzienrat Zamuel Haste, der 129,600 Mark zu wolthätigen Zwecken hinterlassen, Herr Rabbiner Dr. Finderin an», früher in Neustettin; er veröffentlichte im Jahre 1870 Erläuterungen zum Aruch. — Von Dresden wird von dem Tode des Herrn Dr. Iacobsohn, früheren Rabbiners in Belgard und Marienwerder, berichtet. Er hat unter dem Titel „Abtalion" ein Lesebuch für Israeliten veröffentlicht und einzelne predigten und liturgische Arbeiten herausgegeben. Oberrabbiner Dr. Landau hielt ihm zu Hause und am Grabe einen Nachruf. — In Hoheu-Limburg starb am 21. Januar das älteste Mitglied der jüdischen Gemeinde, Herr Koppel Mohn im Alter von 103 Jahren.—Am 26. Januar fand in Königsberg die zweite Religionslehrer-Conferenz des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Ostpreußens statt.— In der am 29. und 30. Dezember in Berlin stattgefundenen Versammlung jüdischer Schulv Männer wegen Beratung eines Normallehrplanes für den Religionsunterricht ging es sehr stürmisch her, als die Herrn Dr. Kirschstein und Prof. Iteinthal aus Berlin es wagten, ihre Meinung über die Bedeutung der Opfergesetze auszusprechen. Soweit ist es gekonimen, daß man bei Beratungen über Religionsunterricht nicht von Religion sprechen darf. Das ist doch zum mindesten anormal! Es zeigt sich immer mehr und mehr, daß in geistigen Dingen die Männer der klugen Vermittlung nichts zu leisten im Stande sind Die Reform des Judentums kann nicht mit der starren Orthodoxie zusaminen gehen, die nicht mehr das Judentum mit seinem idealen Aufschwung und seiner geistigen Triebkraft sondern nur die Mumie desselben ist. Zur Illustrierung des Gesagten möge hier ein uns aus Aschaffenburg zugegangenes Schreiben Platz finden: Das jüdische Cultuswesen in mehreren Gemeinden des Rabbinalssprengels Aschaffenburg ist noch von einer Finsterniß umhüllt, aus der, wie es scheint, so bald kein Strahl des Lichtes hervorbrechen wird. Einen Beweis dieser Behauptung liefert der Rabbi Kamberger in Aschaffenburg. Derselbe hat während seines kaum dreijährigen Wirkens schon mehrere arme Faniilienväter in seinem Rabbinate brotlos gemacht. Letztere waren Schächter. Dem menschenfreundlichen Seelsorger wurde angezeigt, daß die Betreffenden einmal in einem jüdischen Wirthslokal ein Glas nicht loschen« Weines getrunken hatten, worauf der edle Seelenhirt den Armen eiligst die Funktionen des Schächtens verboten und deren Gemeinden eröffnet hat, daß das Fleisch vom Vieh, welches die Verbannten rituell geschlachtet hatten, trefa sei. Die hiervon benachrichteten zelotischen Gemeinden fanden das Anathema ihres vermeintlich frommen Hirten als ganz in der Ord-

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