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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-03-01 · Heft 3 (1.3.1885) · p. Seite 61

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 3 (1.3.1885)
Date
1885-03-01
Page
Seite 61 (sequence 13)
Language
German
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61 Frau des dortigen Gutsbesitzers Herrn Albert Böhm die Leichenrede. — In Szala-Egerseg, wo früher die Flamme des Antisemitismus hoch aufschlug, hat sich der Sturm gelegt und die Christen sind aus Feinden Freunde der Juden geworden. Es wurde ein gemeinschaftlicher Verein gegründet, um Freundschaft und Brüderlichkeit zu pflegen. - Der ani 10. Januar zu Grabe getragene Bischof von Tarnom, Baron v. PuKalsKi, hat in seinem Testamente auch die jüdischen Armen der Stadt bedacht. Er war ein Feind des Antisemitismus, den er eifrig bekämpfte. Bei seiner Beerdigung war auch die israelitische Cultusgemeinde durch eine Deputation vertreten. — Kardinal Hayuald von Kalacza hat einem Hirtenbriefe an seine Diözese auch folgende bedeutende Worte eingefügt: „Der Antisemitismus, wie derselbe an vielen Orten grassirt und sich in einer bis zur Gewaltthätigkeit gesteigerten Feindseligkeit gegen das jüdische Voll äußert, wird von jedem wahrhaften und gewissenhaften Priester des ungarischen Vaterlandes verurtheilt, wissend, daß wir Alle im Dienste jener Religion stehen, welche das Symbol der Liebe auf ihrer Fahne trägt, und daß wir selbst dann und dort, wo es gelte, gewisse Auswüchse zu entfernen und zu bestrafen, nicht berufen sind, die strafende Geißel Gottes zu schwingen, sondern vielmehr den Geist der bessernden göttlichen Gnade und Barmherzigkeit zu vertreten haben. Ja, wohl jeder besonnene Priester dieses Landes ist in der Tiefe seiner Seele überzeugt^ daß derartige gewaltthätige Angriffe gegen Einzelne des jüdischen Volkes sorglich vermieden werden müssen; noch mehr, er ist davon überzeugt, daß er dasselbe von jenen mannigfachen, nicht in der rohen Form der Gewaltthätigkeit erscheinenden antisemitischen Bestrebungen zu halten habe, zumal man von diesen im voraus nur weiß, woher sie ausgehen und welcher Art ihr Anfang ist, doch wo dieselben stillstehen und bis zu welchem Grade sie entarten werden, wenn das angefachte Feuer der unbezähmbaren menschlichen Leidenschaften sich zu ihnen gesellt, das vermag sicherlich Niemand vorauszusagen." — Die Izegleder Cultusgemeinde hat beim Kaiser Beschwerde darüber geführt, daß der Cultusminister Trefort die alljährlich aus einem Religionsfonde gewährte Unterstützung verweigerte und einer Deputation, die ihm darüber Vorstellungen machte, geantwortet haben soll: die Juden haben Geld genug, jetzt wollen sie auch an nichtjüdischem Gelde niitessen. — In jüngster Zeit weilten als Vertreter der Wiener israelitischen Allianz die Herren Cm. Kaumgartrn und Or. Ariedländer längere Zeit in Lemberg, um daselbst ein Eentral-Eheder zu gründen. Die Orthodoxen erblicken in dieser Gründung eine „versteckte Schule" und die Aufgeklärten wollen von einem modernisirten Eheder nichts wissen. Hoffen wir daß das edle Streben der Wiener isr. Allianz von Erfolg gekrönt werde. — Der Prozeß Ritter, in den: drei Todesurtheile ausgesprochen Uutrbctt, gelangt in Folge des eingereichten Gesuches um Revision im Februar zu erneuerter Verhandlung. — Der deutsch - akademische Leseverein in Gra;, ein Agitationsherd des Antisemitismus, wurde behördlich aufgelöst. Dagegen hat Steiermark seinen Äußerer wie Wien seinen Schönerer, der die Parole ausgegeben: Auf gegen die Juden. In Budapest wird ein antisemitisches Blatt täglich erscheinen, von Ke;a Gnodij und Karl Splah herausgegeben. — In Wien hat ein Secundärarzt in« allgemeinen Krankenhause seinen Eollegen einen „frechen Juden" genannt, es kam zum Duell; der christliche Arzt wurde leicht verwundet. — Wahriuann's Söhne in Budapest haben den Antisemiten Kar; gefordert, Weiler in einer Parlamentssitzung Ihren Vater persönlich beleidigt hat. Es kam jedoch nicht zum Duell. — In einer der letzten Sitzungen im ungarischen Parlamente im Jahre

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