Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1885)
- Date
- 1885-03-01
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Ans einem Briefe Urof. Homasczuk's*) an Kerrn Isidor Singer. .... „Wenn Sie aber Ihre Worte, wie es auf dem Titelblatte heißt,**) auch an den „Feind" richten, so fürchte ich, daß Sie tauben Ohren predigen, denn die Antisemiten wären schon lange verschwunden, wenn sie vernünftigen Argumenten zugänglich wären. Der Antisemitismus speculirt ja auf die ungebildeten Massen, welche die Ursachen einer sie drückenden, wirtschaftlichen Notlage nicht zu erkennen vermögen und das ihrem beschränkten Auffassungsvermögen schlau angepaßte Schlagwort gierig aufnehmen, weil es dem ratlosen Unmute deil Weg weist, sich in mehr oder minder brutaler Leidenschaft auszntoben. In der Ueberzeugung, daß der Antisemitismus nur auf dem Boden der Unbildung und noch besser auf dem Boden der Halbbildung gedeiht und ihin durch religionsphilosophische Argumente nicht beizukommen ist, werde ich auch dadurch nicht beirrt, daß der Antisemitismus einzelne gelehrte Verfechter gefunden hat; denn die Erfahrung lehrt leider, daß jeder in die Massen gedrungene Widersinn einzelne begabte Feuerköpfe zu verleiten vermag, diesem eine theoretische Begründung zu unterschieben, von der sich Jene am wirksamsten überzeugt fühlen, welche die Argumente kaum zu wiederhole» vermögen .... Wonaisschau. Am 19. Dezember wurde durch Herrn Kirchenrat Dr. u. Wassermann die Synagoge in Lndwigsburg eingeweiht. Ferner wird berichtet von Einweihungen neuer Synagogen in Wrie;en am 7. Januar durch Herrn Rabbiner Dr. Frankl in Berlin und in Eisenach am 8. Januar durch Herrn Landrabbiner Dr. Soljfr. — Am 10. Januar wurde die Synagoge in Thur, zu deren Bau auch die Christen aus der Gememdekasse beisteuerten, ihrer Bestimmung iibergeben. Herr Prediger Nathan aus Mayen hielt die Festrede. — In Nikderinarsberg wurde im neuen israelitischen Friedhofe am 29. Dezember die erste Leiche beerdigt- — In Breslau fand am 11. Januar die Jnstallirung der Lessing-Loge statt, welche der Bnai- Berith Vereinigung angehört. — In Berlin wurden die sogenannten Montagsvorlesungen zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt fiir die jüdische Wissenschaft am 12. Januar mit einem Vortrage des Herrn Prof. Steinthal „Ueber die Erzählkunst der Bibel" eröffnet. — Am 19. Januar widmete Herr Dr. S. Gumbin» er seinen Vortrag Erinnerungen an Michael Sachs und am 25. Januar sprach Herr Docent Dr. Joel Miller über „Jüdische Hochschulen". Letzter Vortrag wird in unseren Monatsblättern zur Veröffentlichung gelangen. Es sind noch ferner in Aussicht genommen Vorträge von Dr. D. Cassel: Der Prophet Jeremia, Dr. Frankl: Erbauungs- und Unterhaltungsliteratur bei unseren Altvorden, Pros. Lazarus: Ueber Dankbarkeit: Am 15. Januar hielt Herr Rabbiner Dr. K. Ialfeld aus Main; im Mendelssohn-Vereine zu Frank- *) Br. Const. Tomasczuk ist Universitätsprof. in Czernowitz und ein hervorragender österreichischer Parlamentarier. **) Der vollständige Titel des Werkes ist nämlich: „Sollen die Inden Christen werden? Ein offenes Wort an Freund und Feind."