Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1885)
- Date
- 1885-03-01
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2969669-2969726-2969730--1294-2971748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
57 sondern weil sie etwas Neues ist, in die Synagoge einzuführen suchen, so wenig dürfen wir uns andrerseits an der Zeit versündigen und ihre nicht religionswidrigen Bedürfnisse verschmähen." *) Ehrliche Thätiakeit erringt Anerkennung — und so erwarb die Wirksamkeit für Schule, Kultes und Wissenschaft ihm sowohl den Dank seiner Gemeinde, die ihm am 1. Nov. 1845^ne Anerkennungsadresse widmete, als auch ein ehrendes Zeugnis des Herzog!. Anhalt. Konsistoriums zu Beruburg, welches ihm unter dem 3. Januar 1847 bestäNHte „die zweckmäßige Leitung der israel. Gemeindeschule und die bei Prüfung Her Konfirmation sichtbar gewordene Einsicht im Unterrichtswesen, die Geschicklichkeit, geistliche Reden in deutscher Sprache mit Korrektheit, Gefälligkeit und Würde vorzulragen." Dieses Zeugnis ist für ihn besonders ehrend, weil er als Prediger vollständig Autodidakt war. Als rr. das.Gotteswort M dLrHelstMLw-WMMWachL-- zu verkünden begann, *) stank'ihm noch.'MMlWWMs.MHcher Medizten M Gebote , er konnte sich auf den „glücklichen Griff" nicht verlassen.' '" Die deutsche israel. Predigt war verhältnismäßig jung, denn 1808 hatte Joseph Wolf die erste selbstverfaßte3) deutsche Kanzelrede in Dessau gehalten. Die ersten Prediger, unter ihnen auch Herxheimer, nahmen christliche Redner — gewiß nicht zum Nachteil des logischen Aufbaues, der äußern Form und Diktion — so den gedankenreichen Reinhard, den philosophierenden Ammon, den mustergiltigen Zollikofer, den redegewandten Dräseke, Schleiermacher, Röhr u. A. zum Vorbild. Keinem aber gelang es besser, seine Texte im echtjüdischen Sinne zu bearbeiten, den Herzton der Ueberzeugung zu treffen, ein unmittelbares Verständnis zu erzielen, als dem Landesrabbiner von Bernburg, der rein empfand, klar dachte und seinem Fühlen und Denken volkstünilichen Ausdruck zu geben -verstand. Darum haben auch die Predigten, welche allgemein moralische, religiöse und zeitgemäße Themata behandeln, den Weg in die Herzen gefunden, und - zwar nicht blos an der Wirkungsstätte des Redners, sondern auch in zahlreichen kleinern Gemeinden, wo oft kräftigere, klangvollere Organe als das des Autors sie dem Verständnisse vermittelten. Wie leicht hätte Herxheimer die gleiche Erfahrung wie einst der Dr. Kley, der Prediger am Hamburger Tempel, machen können'. Dieser hatte — ungekannt — in einem kleinen mecklenburgischen Städtchen am jüdischen Gottesdienst teilgenommen und aufmerksam der Predigt ' gelauscht. Diese Aufmerksamkeit ermunterte später den sogenannten Prediger, um ein Urteil über seinen Vortrag zu bitten. „Ich habe meine Predigten nie so gut vortragen gehört!" war die unerwartete, verblüffende Antwort. — _ (Schluß folgt.) *) Herxheimer, Über die synagogische Zulässigkeit und Einrichtung der Konfirmation in Geiger, Wrssenschaftl. Zeitschrift 1. 88, 89. 2) Bon seinen ersten Reden sind gedruckt: Rede bei Weibe deL. neuen Gotteshauses der israel. Mmeinde MkkM" hauses^^r M WiesMM7 ' Wiesbaden MHoMortet von emem^ChWi^OM^K^a'Äch BariviWä oM' WckWWwnDfeier m. .dLr^'.SWWgk^zu.Eschwege .... Eschwege 1829; Erste Konfirmationsseier . . . . . zu Bernburg. Bern bürg 1B§2>(Bgl. Predigten 2. Ausl. 3) Die von dem Ober-Rabbiner Frankel zur Feier der Schlachten von Roßbach und Leuthen in der Berliner Synagoge vorgetragenen Reden und die daselbst zur Feier des Hubertusburger Friedens von Rabbiner Aron Moses gehaltene Predigt waren von Moses Mendelssohn verfaßt. Bgl. Kayserling, Bibliothek jüdischer Kanzelredner I. 3.