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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-03-01 · Heft 3 (1.3.1885) · p. Seite 56

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 3 (1.3.1885)
Date
1885-03-01
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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56 Frankreich, Italien, Amerika) sich einbürgernde Institution, und dann sind ja der blinde Eifer, das Verdammen ohne wissenschaftliche Begründung erst neuern Datums, bezeichnende Merkmale moderner Oberflächlichkeit. Freilich, wenn der Konfirmator durch wiederholte Vorstellungen bei den Eltern die Schüler immer von Neuem sich gewissermaßen erbetteln muß, wenn der Schwerpunkt der Konfirmation in das „Ableiern" eines Glaubensbekenntnisses gelegt und sie zu einem theatralischen Schaugepränge, zu inusikalisch-deklamatorischer Aufführung erniedrigt wird — dann wäre es besser, man machte allüberall mit ihr tabula rasa. Trägt sie aber den Stempel, welchen H. und mit ihm viele Andere ihr aufprägten, besteht sie aus einer ernsten, den gediegenen Unterricht abschließenden Prüfung, aus eindringlicher herzlicher Ermahnung und weihevoller Einsegnung, wird ihr — und das ist möglich und notwendig! — ein echtjüdischer Charakter gegeben, dann dürfte sie als schätzbares Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes begrüßt und allgemein eingeführt werden. Ist denn der moderne Aufputz der im Mittelalter auf deutschem Boden entstandenen Barmizwafeier, beispielsweise ihre Ausschmückung mit einer Ansprache des Rabbiners oder Lehrers nicht ein etwas verhülltes Geständnis, daß das Vorlesen eines mit Ach und Krach einstudierten Bibelabschnittes und — um mich nochmals des Grätz'schen Ausdrucks zu bedienen — „Ableiern" der Segenssprüche (Broche), meist der einzigen Rudera alter Herrlichkeit, kraft- und geistlose Formen sind, welche den Knaben, der für seine geringe Leistung reiche Geschenke ejnheimst, leicht zum Heuchler erziehen können. Man sündige nicht ferner gegen den G e i st des Judentums, widme von der Barmizwa, der religiösen Mündigkeitserklärung an, dem eigentlichen Religionsunterricht, nach vorangegangenem Unterricht in Hebräisch und biblischer Geschichte, erhöhte Aufmerksanckeit und — konfirmiere, und zwar mit den Knaben auch die gewissenhaft unterrichteten Mädchen, denn die Notwendigkeit, das reiche Gemütsleben der weiblichen Jugend durch Religionsunterricht in die rechte Bahn zu weisen, wird heute wol Jeder anerkennen. Über die Wirkung der Herxheimer'schen Konfirmationen vernehmen wir, wenn wir zwischen den Zeilen zu lesen verstehen, am besten ihn selbst: „Die Einsegnung von den Eltern dürfte aber uni so inehr zu empfehlen sein, da sie, wie ich mich oft bei meinen Konfirmationen überzeugte, den Effekt der Konfirmationshandlung insgemein verstärkt. In dem Anblicke und dem Augenblicke, wo die Eltern — gleichwie bei ihrem Dahinscheiden — die aus ihren treuen Händen nun, vielleicht auf immer, scheidenden Lieben fürbittend entlassen und ihnen auf die gefahrvolle Alleinreise durch das sturmbewegte, versuchungsvolle Leben, aus vollem Vater- und Mutterherzen den Segen mitgeben, drängen sich so tiefe und mannigfaltige Gefühle hervor, daß auch die Kältern der hier auf sie eindringenden Macht des Religiösen und Reinmenschlichen erliegen; und der Eindruck ist nicht flüchtig und fruchtlos, wenn angemessene Worte des Konfirmators ihn tiefeingehend und nachhaltig zu machen verstehen.Eine Befestigung in dem religiöseil und sittlichen Leben thut unserer Jugend aber uni so mehr Not, als. sie in unserer Zeit nicht mehr wie bisher, wen ersten Lallen an bis zu dem selbstkräftigen Mannesalter hin, von der Religion gleichsam eingewickelt und getragen ist, nicht mehr in Gesetzes- und Ceremonienübung, in Religions- und Ritualschriften lebt und webt und einem, auch in dem alten „Volke der Religion" mehr und mehr Raum gewinnenden Ultra-Liberalismus, der mit der Spreu auch den Weizen wegwirft, preisgegeben ist. So wenig man daher den Stürmern beistimmen möchte, die die Konfirmation ohne alle Prüfung ihrer Jsraelität, nicht obgleich,

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