Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1885)
- Date
- 1885-03-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bi waren 1488 in Zerbst schon Juden ansässig, und in Bernburg bestand bereits 14B4 eine jüd. Gemeinde, welche eine Synagoge und einen Begräbnisplatz, an den der unter dem Namen „Jüdenkäfer" bekannte Teil der Bernburger Feldmark erinnert, besaß. *) Die Lage der Israeliten in Anhalt war fast die gleiche wie die der Glaubensbrüder in den übrigen Teilen des deutschen Reiches. Charakteristisch ist eine Zollrolle des ehemaligen Fürstentums Anhalt-Zerbst vom Jahre 17B3, die wahrscheinlich auch für Anhalt-Bernburg galt. In dieser, im Archiv zu Dessau aufbewahrten Steuerliste heißt es unter dem Buchstaben I neben Ingber, Italiener Maaren und Juchten: „Juden, wes Alters oder Geschlechts sie sein mögen, 1 Person zu Fuß 2 Gr.; jedoch nur im Ankuhnischen Markts und außer den Stadtmärkten, während solcher aber, es sei die Judenperson zu Fuß, reitend oder fahrend 4. Gr.; ein Jude oder eine Jüdin, fahrend oder reitend 4 Gr."* 2 3 4). Das war in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts! Die Emanzipationsbestrebungen der neuern Zeit fanden in Anhalt einen besonders fruchtbaren Boden; hochherzige Fürsten gaben willig ihren treuen jüdischen Unterthanen, die sich zu Hunderten von Malen der bürgerlichen Freiheit fähig und würdig gezeigt hatten, die Bürgerrechte, mit Befriedigung den Wirkungen der gerechten Thal folgend. Gott hatte die Zeiten geändert! an Stelle der Schutzbriefe, die nicht schützten, der entehrenden Privilegien und Ausnahmegesetze , an Stelle der I u d e n r e ch t e war das Menschenrecht getreten. Das zeigt auch das Dekret, durch welches der gebildete, hochherzige, menschenfreundliche Herzog Alexius Friedrich Christian von Bernburg seinen Ländes- MR-Fracht"wahrem Religiosität und reiner Menschenliebe, han dle' hier im Auszuges mitgeteilte Anstellungsurkunde die Liebe und den Eifer der Israeliten gesteigert und zum großen Teile die Hebung der religiösen Zustände im Herzogtum Bernburg bewirkt. „Von Gottes Gnaden Wir Alexius Friedrich Christian, Ältestregierender Herzog zu Anhalt etc., urkunden und bekennen hiermit, daß, nachdem Wir, um die von Uns längst gehegte gnädigste Absicht, die religiösen und öffentlichen Verhältnisse der israelitischen Unterthanen in Unfern Landen mit der allgemeinen Wohlfahrt immer mehr in Übereinstimmung zu bringen und die Kultusangelegenheiten zu ordnen, gnädigst resolvirt haben, den Or. Herxheimer, gewesenen Kreisrabbiner zu Eschwege, nicht nur zum Landesrabbiner, sondern auch zum Religionslehrer und Prediger zu berufen;.und erteilen ihm nachfolgende Instruktion : 1. Soll derselbe sein ihm anvertrautes Amt unter herzlicher Anrufung der göttlichen Kraft und Gnade und mit dem heiligen Entschlüsse der gewissenhaftesten und unermüdlichsten Pflichttreue und in allen seinen Teilen so redlich und so pünktlich verwalten, daß er nicht allein Uns, seinem Landesherrn, und den ihm von Uns verordneten Vorgesetzten, sondern auch am Tage der Offenbarung alles Verborgenen vor dem Angesichte des allwissenden, heiligen und gerechten Richters der Welt mit getroster Zuversicht erscheinen kann. ') Würdig, Chronik der Stadt Dessau, S. 331. 2) Ankuhn — der Name erinnert an Ancona — ist eine Vorstadt Zerbst's. 3) Würdig a. a. O. 333. 4) Nach Geiger, Wissenschaft!. Zeitschr. für jüd. Theol«, I. 464 ff. B*