Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1885)
- Date
- 1885-03-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 nicht genug Selbstgefühl besessen und so haben sie das Judentum herabgewürdigt , indem sie sich seiner schämten, es verläugneten oder gar für ihre eigenen niederen Zwecke mißbrauchten. Wieso gerade Mordechai der siegreiche Verteidiger, Retter und Befreier Israels geworden ist, das läßt sich nicht etwa aus dem zufälligen Zusammentreffen günstiger Umstände erklären; er ist es durch sich selbst geworden, durch die edlen herrlichen Vorzüge, die in seinem Wesen vereint waren. Er war ein Mann! er war ein Jude! Er war ein Mann von fester, edler, biederer, ernster, ehrlicher, überzeugungsvoller, entschiedener Gesinnung, ein Mann, der seine Ehre in sich selbst trug, der nicht im Staub lag vor den Großen und Mächtigen, der nicht ausgieng auf den Beifall der urteilslosen Menge, auf die Gunstbezeugungen von Fürsten und Königen, ein Mann, der den Mut hatte, für seine Ueberzeugung, für seinen Glauben mutig einzutreten, ein Mann, der, ob auch feile gesinnungslose Höflinge gegen ihn Ränke schmiedeten, ob auch die gewaltthätigen Machthaber, die nur Schmeichlern und Fälschern ihre Freundschaft schenken, ihn haßten und verfolgten, nicht einen Augenblick wankend wurde in seiner besseren Ueberzeugung, nicht irre wurde an sich selbst, ein Mann, der zwar allein dastand, nicht den Erfolganbetern sich zugesellte, aber eben durch seinen würdevollen unbestechlichen Gesinnungsmut höher stand als alle, die auf ihn spöttisch herabsahen, ein Mann, der erhaben war über den blöden Spott und Tadel der Unverständigen sowie Moses, der Bescheidenste unter allen Menschen, doch auch hoch erhaben war über alle diejenigen, die durch gemeine Nachstellungen ihn verfolgten. Mordechai war ein Mann — ein Jude.—Das eine war von dem anderen unzertrennlich. Er hatte ein Herz für Israels Lehre und Ehre, er war durchdrungen von der Erhabenheit des Judentums und begeistert für seine Erhebung und Verherrlichung. Er bekannte sich offen und entschieden zur Lehre Israels und als erster Würdenträger des persischen Reichs blieb er der Lehrer der Wahrheit und des Rechtes feinem Volke, ein Schöpfer des Segens und des Friedens in seiner Mitte. Solche Männer sind es, die dem Judentum Ehre machen, die durch ihre Haltung allein schon die Gegner entwaffnen, die durch ihr ernstes, selbstloses, wahrheitsvolles Streben nicht nur Israel fonbevn der ganzen Menschheit zur Zierde gereichen, die, indeni sie die Herrlichkeit unserer Lehre glanzvoll entfalten, weithin Licht entsenden und Segen verbreiten. Solche Männer braucheil wir, Männer der Wahrheit, echte, edle Juden, nicht Fälscher und Frömmler, die unsere Lehre entstellen und herabwürdigen. Um solche Männer müssen wir uns schaaren und der Haß, gegen den wir zu kämpfen haben, wird sich in Liebe verwandeln, die Hamane werde,! beschämt ihr Haupt verhüllen und siegen wird der Geist des Lichtes, des Rechtes und der Wahrheit. Gin Vorkämpfer des modernen Judentums (Bortrag gehalten im Mendelssohn-Berein zu Frankfurt a. Bk am 1». Januar 1885 von vr. S. Salf eld, Großherzoglichem Rabbiner zu Mainz.) (Fortsetzung.) Früh schon hatten sich in den anhaltischen Landen Juden angesiedelt; während in Dessau die ersten beiden Israeliten, Berndt David aus Egeln und Joachim David aus Ascherslebeu, am 17. Februar 1672 ausgenommen wurden,