Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1885)
- Date
- 1885-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 16)
- Language
- German
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40 — damit nicht jeder Unberufene Anordnungen trifft und zum Gesetzgeber wird. — Am 17. Dezember veranstaltete der akademische Verein „Kadimah" in Wien eine Makkabäerfeier. Die erste Rede hielt der Herr Reichsrathsabgeordneter vr. I. S. Bloch. Der Vereinspräses Herr stud. jur. N. Birnbaum hielt die Schlußrede und hob hervor, daß der Jude vermöge der ihm angeborenen Humanitätsidee mit der besonderen Liebe zu seinem Volke die Liebe zur Gesammtmenschheit stets zu vereinen wisse. Die jüdische Idee kennt nicht die Verhetzung fremder Nationen, sie kennt den Haß nie und nimmer, sie kennt nur die Liebe. — Am 10. Dezember kamen an der Wiener Universität antisemitische Exzesse vor. Der akademische Verein in Grah hat jüdische Studenten aus seiner Verbindung ausgeschlossen. Die Versammlung der Metallarbeiter in Wien hingegen hat sich gegen den Antisemitismus ausgesprochen. Ein Redner schloß mit dem Ausrufe: Mir sind die Juden lieber, als die Inquisition! Auch eine daselbst abgehaltene sozialdemokratische Versammlung sprach sich energisch gegen den Antisemitismus aus. — Die barmherzigen Brüder in Wien haben in dem neu gebauten Hospitale unter den Wohlthätern auch das Portrait Albert von Rothschild'» angebracht. — Bei der am 27. Dezember in C;er»owih stattdegabten Wahl der Bürgermeister wurde Herr vr. Heinrich Atlas zum Vicebürgermeister erwählt. — In Aoskowih starb der dortige Rabbiner Herr Abraham Plac;ek, der viele Jahre hindurch das Landesrabbinat provisorisch verwaltet hat. — Altofen hat das älteste Mitglied der Gemeinde verloren in dem verstorbenen Herrn Josef Hohn, der ein Alter von 104 Jahren erreicht hat. — Aus Prag schreibt uns Herr Hugo Lichtenstern berichtigend, daß Herr Prof. vr. Kaempf erst am kommenden Hüttenfeste das vierzigste Jahr seiner Amtierung als Prediger und Rabbiner der Tempelgemeinde vollenden wird. — Herr- Hofkapellmeister Julius Inster in Wien ist zum definitiven Leiter der dortigen Hofburgtheaterkapelle ernannt worden, — In Ägricsi in Ungarn brannte das Haus eines Bauern. Ein Jude, Namens Äarob Wumenberger, drang in das brennende Gebäude und rettete dem Bauer das Leben, während über ihn selbst das brennende Haus zusammenstürzte. — In Pancfova hielt über den verstorbenen Herrn Zofef Lilienberg neben dem Rabbiner auch der Abt Alois Magyari eine Trauerrede. — In Neutra hatte ein Jude seinen Antheil am ewigen Leben für zehn Gulden verkauft. Vor einigen Tagen geschah es nun, daß derselbe Mann bei Gericht einen Eid hätte leisten müssen, um eine größere Summe zu erhalten; das Gericht wurde aber inzwischen von dem frivolen Verkauf unterrichtet und erklärte, daß es ihn, der an ein Jenseits nicht glaubt, zum Eide nicht zulassen könne. — Wie aus statistischen Aufnahmen festgestellt ist, besitzen die Juden in Ungarn nur 5 Prozent vom Gesammtgrundbesitz, was ihrer Seelenzahl normal entspricht. Der 13. Bericht des ungarischen UnterichtsmiNisters ist erschienen. Derselbe enthält Mitteilungen, aus denen wir erfahren, daß zwar 27 Prozent der schulpflichtigen israelitischen Kinder die Schule nicht besuchten, daß aber die Zunahme seit dem Jahre 1879, wo das Volksschulunterrichtsgesetz erlassen wurde, bei den Israeliten 129,4 Prozent betrug. Die israelitischen Volksschulen haben um 6 zugenommen, und zwar kommt durchschnittlich 1 Lehrer auf 81 Schüler. Rein ungarisch waren 100 Prozent der unitarischen, 98,1 der reformirten, 90,6 der Vereins-, 88 der staatlichen, 78,4 der Privat-, 67,8 der israelitischen, 61,9 der kommunalen, 55,9 der römisch-katholischen, 22,5 der protestantischen, 6,4 der griechisch-katholischen, 0,4 der griechisch-nichtunirten, d. h. also die israelitischen Schulen folgen dort gleich hinter den staatlichen Anstalten, wo es sich um die ausschließliche Benützung