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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-02-01 · Heft 2 (1.2.1885) · p. Seite 37

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 2 (1.2.1885)
Date
1885-02-01
Page
Seite 37 (sequence 13)
Language
German
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37 zwar in bedauerlicher Weise. Der Schreiber will die Leser auf diesen höchst wichtigen in unser Leben tief eingreifenden Punkt aufmerksam machen. Daß Stopfgänse tief in das Leben gewisser Juden eingreifen, wer will dies bei den Bekennern einer Religion leugnen, denen sie nicht als eine Religion des Herzens und des Geistes, sondern als eine des Magens gilt? Wollen denn diese Religionshändler. die noch niedriger als Geldwucherer stehen, nicht endlich aufhören das Judentum zu entwürdigen und zum Gegenstände des Spottes zu machen? Dieses Geschäftemachen mit der Religion in unserer Zeit wird auch durch folgendes Inserat illustriert: „Eine j. D., mosaisch, aus achtb. Fam., mit Seminarkenntn. u. best. Empf., sucht nach außerh. mögl. sofort Stell, als Erzieh, in evang. od. mos. F., da sie auch in christl. Religion unterrichtet. Gütige Anerb. unter L. S. an die Expedition der „Voss. Zeitung". — Die jüdische Bevölkerung des Deutschen Reiches betrug nach der Zählung von 1880 in folgenden Gemeinden über 2000: Berlin 54,000, Breslau 17690, Hamburg 16,000, Frankfurt 13,850, Posen 7000, Königsberg 5300, Köln 4600, München 4200, Mannheim 4000, Straßburg 3550, Hannover 3500, Leipzig, Mainz und Fürth je 3300, Nürnberg 3000, Stettin 2400, Dresden, Stuttgart und Würzburg je 2300, Mühlhausen i. E., Beuthen in Oberschlesien und Kempen in Posen je 2200, Altona 2000. Wenn wir die Procentverhältnisse der jüdischen Bevölkerung unter Hinzuziehung der kleinen polnischen Städte, welche keine 2000 jüdische Bewohner zählen, betrachten, so erhalten wir folgende Reihe: Kempen 35pCt., Samter 22 pCt., Czarnikau und Wreschen je 20 pCt., Ostrowo 18 pCt., Pieschen und Lissa 16 pCt., Krotoschin 13 pCt., Jnowrazlaw 12 pCt., Posen und Gnesen 11 pCt., Fürth IOV2 pCt., Frankfurt a. M., Beuthen (Oberschlesien) und Friedberg (Hessen) je 10 pCt., Rawitsich (Posen) 9 pCt., Mannheim 71k pCt., Bingen 7 pCt., Worms, Alzey und Breslau je 6 pCt., Mainz und Berlin je 5 pCt., Würzburg 47s pCt., Königsberg 4 pCt., Hamburg und Straßburg je 372 PCt., Nürnberg und Mühlhausen i. E. 3 pCt. rc. Es wiederholt sich also hier die Erscheinung, Idaß in Landesteilen mit polnischer Grundbevölkerung die Juden besonders zahlreich sind. — Anläßlich der Jahresversammlung des Vereins für das historische Museum in Kranlrfurt a. M. am 29. November hielt Herr Cornil einen Vortrag über die Entwicklung der Judengasse und deren Aussehen in früherer Zeit. Im Verlaufe des Vortrages wurde auch berichtet, daß sechs Tafeln mit Malereien aus dem Alten Testamente vor dem Untergange bewahrt wurden, von denen drei die Geschichte Simson's und Delilah's und drei die Geschichte des Königs David behandeln. Das v. Rothfchild'sche Haus wird vollständig vor dem Untergang bewahrt bleiben. Die Familie hat ihr Stammhaus nebst dem anstoßenden, welches unter dem gleichen Dache steht, angekauft; sie will diese Häuser um 1 Meter zurücksetzen lassen, damit sie in die neue Straßenfluchtlinie fallen, und wenn sie so wieder hergestellt sind, die Rothschildstiftung hineinverlegen. Was sich noch von alten Möbeln im Familienbesitz befindet, würde dann hier gleichfalls vereinigt w erden. — In Frankfurt a. M. soll eine israelitische Sterbekasse gegründet werden, um den Hinterbliebenen der Mitglieder eine einmalige größere Gabe zu sichern. — In Heidelberg hat sich ein Verein „Zion" gebildet. Wie aus den hebräischen und deutschen Statuten hervorgeht, soll es auch zu den Hauptaufgaben des Vereins gehören, die Verwirklichung der Idee der Kolonisation Palästinas durch die Juden herbeizuführen. Wenn nur diesen Kolonisationsgedanken nicht Restaurationsgelüste zu Grunde liegen würden, so ließe sich dagegen nichts sagen — dies auch zur Beruhigung des „Hammagid" —, aber es ist höchst

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