Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1885)
- Date
- 1885-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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35 Am 7. November starb in Berlin der Prof, der Kupferstichkunst Heinrich Redlich, geboren 1840 zu iinsli in Rußland. Neben vielen Alpenlandschaften und Portraits ist hervorzuheben sein Bild: Peter Scargo predigt vor dem polnischen Könige Sigismund III. Auf der Pariser Weltausstellnng erhielt Redlich die große goldene Medaille und der russische Kaiser ernannte ihn zum Professor. Seine unvollendet zurückgelassenen Arbeiten wird ein Berliner Künstler zu Ende führen. — In Walsenberg wurde der Veteran Hermann, der älteste Einwohner des Ortes, im 97. Lebensjahre unter Teilnahme von Juden, Katholiken und Protestanten mit großen Ehren begraben. Herr Rabbiner I)r. Horowih aus Crefeld hielt ihm einen Nachruf. — In München starb die Tochter Jean Paul's, 82 Jahre alt. Neben Herder und der Herzogin Amalie von Weimar war auch ein Jude Namens Emanuel ihr Pathe. — Ueber den Großvater Derthold Auerbachs berichtet man ans Anlaß des jüngst in Hamburg v. d. H. verstorbenen Verwandten desselben, mit Namen Kalomon Auerbach: Der Verstorbene erzählte oftmals, daß sein Großvater ein Handelsmann in einem kleinen Schwarzwald- Dörfchen gewesen sei. Er war mit einer Frankfurterin verheirathet. An einem Samstag Abend gieng er eines Geschäftes wegen in einen Nachbarort, wohin der Weg durch den Wald führte. Er kam nicht mehr zurück. Nachforschungen ergaben, daß er in jenem Orte eingetroffen war und Geld vereinnahmt hatte, womit er den Heimweg durch den Wald antrat. Weiter war keine Spur aufzufinden. Aber etwa eine Woche später gieng ein Förster mit seinem Hunde durch den Wald. Der Hund sprang vom Wege ab in's Gebüsch und kam nicht mehr zurück. Als der Förster nach dem Hunde rief, gab dieser Antwort durch Winseln. Der Förster trat selbst in's Gebüsch und fand, daß der Hund dort im Laube scharrte und eine Leiche herausgrub. Es war der vermißte Auerbach, der erschlagen und vollständig entkleidet hier eingescharrt worden war. Aber jede Spur des Mörders fehlte. Lange Zeit nachher rauchte ein Kerl in einer benachbarten Ortschaft aus einer auffallend schönen Pfeife mit silberbeschlagenem Ulmerkopfe. Er bemerkte, daß dies auffiel und sagte deshalb in rohem Tone: „Ihr meint vielleicht, ich hätt' dem Judd' sei' Pfeif!" Hierdurch erregte er Verdacht und wurde gefänglich eingezogen. Er legte ein Geständnis des begangenen Mordes ab. Die Frau des Ermordeten zog mit ihren Kindern nach ihrer Vaterstadt Frankfurt. Einer ihrer Söhne zog später wieder nach dem Schwarzwald zurück und dies war der Vater von Berthold Auerbach. — Herr Otto Wolfskehl in Darmstadt wurde zum Vicepräsidenten des Hessischen Landtages erwählt. In- Königsberg wurde Herr vr. Zasts zum Decan der medicinischen Fakultät ernannt und Herr Prof. Hirschfeld aus Wien erhielt einen Ruf nach Berlin als Prof, für römische Geschichte. — Herr Prof. Aster aus Amsterdam nahm als Vertreter Holland's an der in Kerlin tagenden Congo- Konferenz Teil. — In Mühringe» wurde Herr vr. Adolf Äarar;ewsky am 8. November durch Herrn Kirchenrath v. Mastermaun in sein Amt als Bezirksrabbiner eingeführt. — Herr Kantor Eichberg in Stuttgart feierte am 13. Dezember sein 60jähriges Amtsjubilüuin. Er wurde durch die goldene Verdienstmedaille ausgezeichnet. — Am 17. Dezember feierte die Kriedrichsstädtische isr. Retigionsschule in Berlin das zwanzigjährige Bestehen des Kindergottesdienstes daselbst. Stifter und Leiter der Schule ist Herr Prediger vr. Landsberg. — Die frankfurter israelitische Religions-Gesellschaft machte in jüngster Zeit viel von sich reden. Erst brachten die Blätter folgende Notiz: Eine Anzahl israelitische Mitbürger veranstaltete alljährlich einen Privatmaskenball im zoologischen Garten. Wie er-