Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1885)
- Date
- 1885-02-01
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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31 wo wurde uns denn die Beteiligung au Ackerbau, Handwerk, oder eine Kunst zu betreiben, gestattet? Nur der von den Christen verachtete Handel durfte von ihnen betrieben werden. Aber in der Wüstenei dieses einzigen den Juden vergönnten Berufs, der die Völker vor Fäulnis geschützt und ihnen Wolstand gebracht hat, haben auch die Juden etwas Manna gefunden. Das Manna schmeckte bekanntlich süß, daher muß den Juden aufs Neue das Leben verbittert, der alte Haß ans der Rumpelkammer hervorgeholt werden. Der christliche Stolz als Kriterium der christlichen Liebe muß sich breit machen, und der Jude soll später, wenn er seine Religion nur abgestreift hat und doch noch längst kein Christ geworden ist, im Germanismus und Jndogermanismus als berechtigtes Mitglied ausgenommen werden. Doch diese Stichwörter ziehen heute nicht mehr, Philistertum ist überall zuhause. Die jüdischen Deutschen, wie die jüdischen Franzosen haben im Jahre 1870/71, sowie früher schon in den Freiheitskriegen ebenso ehrenhaft gekämpft, wie die christlichen Deutschen und christlichen Franzosen. Nicht die Juden sind ein Unglück für Deutlchland, sondern das Vorurteil, welches in verlogener Weise gegen sie genährt wird, ist ein solches für sie und für Deutschland selbst. Wie ich schon einmal bei einer anderer Gelegenheit dargethan habe, würde, weun man die Sittlichkeit der Juden nach Graden ermessen könnte, unter allen Völkern und in allen Ländern der Erde ein hoher Prozentsatz zu Gunsten derselben sich Herausstellen. Auch an Sie, Hochgeehrtester Herr Professor, ergeht die Mahnung eines unserer Weisen: „Ihr Weisen, seid vorsichtig in eueren Reden, damit sie nicht nach Orten verschleppt werden, wo ohnehin böse Gewässer sind, eure Schüler würden trinken und sich den Tod zuziehen!" Wohl könnte ich noch gar vieles anführen und Aufhetzereien gegen die Juden bekämpfen, ich denke mir aber, daß Sie Ihre schrecklich gehässigen Reden, Ihre Ausdrücke gegen die Juden in einem unbewachten Augenblicke niedergeschrieben haben. Und ich rufe zu Gott: Ad matai Adonai etc. Ja, Gott und Herr, wie lange noch sollen wir die dumpfe Luft des Vorurteils und der Gehässigkeit einatmen? Doch sage ich auch: „Beratschlagt nur Rat, er wird zerstört werden, redet das Wort, es wird zerstört werden, redet das Wort, es hat nicht Bestand, denn mit uns ist Gott." Und meinen Glaubensgenossen rufe ich auch hierbei zu: Stehet still und sehet die Hilfe Gottes, die er 'auch heute verschaffen wird. Gott wird für Euch kämpfen, Ihr aber möget schweigen. Ja, ich bin fest überzeugt, daß Israel, wie seine Gegner, gebessert aus dem heutigen Läuterungsptozesse hervorgehen werden. Eins hat Gott geredet und zweimal habe ich dies vernommen, daß die Macht ist bei Adonai, aber auch die Liebe ist bei Dir o Herr! und Du tvirst jedem vergelten nach seinem Thun. Amen. Gott mit Ihnen und mit uns, dies wünscht . Hochachtungsvoll und Ergebenst. i Adolf Gremieur. in. Adolf Cremienx's Jugend. Nimes war bereits im Mittelalter der Sitz großer jüdischer Gelehrten, die diese Stadt Kirjath-Jearim (Waldstadt) nannten. Der Glaube hat auch hier