Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-02-01 · Heft 2 (1.2.1885) · p. Seite 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 2 (1.2.1885)
Date
1885-02-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969726-2969729--1266-2971719
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

30 Liebschaft und Deiner bräutlichen Liebe, womit Du mir nachgefolgt bist in der Wüste, durch eilt unbesätes Land." Ja, Herr Professor, kein Volksstamm der Welt wäre fähig gewesen, einem Mose bei soschen Entbehrungen durch die Wüste zu folgen, er würden sich und seine Führer zerfleischt haben. Ich könnte Ihnen noch ganz andere Beispiele anführen. Die Bibel ist mir das wichtigste und hochheiligste Werk, welches von Gott durch Israel bis jetzt nur teilweise in die Menschheit gedrungen, sie ist das großartigste literarische Werk, welches die Menschheit besitzt; wenn irgend etwas göttlich und heilig genannt werden darf, so ist sie es, sie enthält Göttliches und Menschliches gepaart und geeinigt. Dieses große und heilige Werk hat, das werden sie zugestehn, die Welt den Juden zu verdanken und diesen ist es als ein Geschenk von Gott gegeben. So ganz wertlos ist demnach die jüdische Nation, wie Sie behaupten, für die Völker denn doch nicht geblieben. Es ist aber eine traurige Wahrheit, das die Christlichkeit vieler Machiavellisten sich nur durch Verachtung, Verleunidund, Haß, ja sogar durch Raub und Mordsucht gegen Juden manifestiert. Ja der Adonai muß doch ein gar wunderbarer und gnädiger Gott sein, daß er einem für sich auserwähltem Volke solche Bürden und Höllenpein auferlegt und die Juden als Prügeljungen christlicher Frömmler dahinstellt. Wenn Sie, Hochgeehrter Herr Professor, diese meine Bemerkungen nur einer geringen Beachtung würdigen, dann werden Sie finden, daß alle ihre skizzenhaften Auslassungen auf Seite 56 und 57 nur ein unstichhaltiges Pharstom sind. Nur dann können Sie, wie Sie es wünschen, mit der Humanität brechen, wenn Sie Sätze, die sich in allen edlen Menschenherzen eingebürgert, wie z. B.: „Alle Menschen sind im Ebenbilde Gottes erschaffen" — „Haben wir nicht alle einen Vater, schuf uns nicht ein Gott, warum sollte Bruder gegen Bruder treulos handeln?" — „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst" — „Sinne nichts Böses gegen deinen Nebenmenschen" -- „Nach Gerechtigkeit! Gerechtigkeit sollst du streben" — „Von Lügewort halte dich fern, den Unschuldigen und Gerechten sollst du nicht umbringen" — u. s. w., u. s. w,. aus dem Sittengesetz der Menschheit streichen. Mit der Humanität brechen und die Individualität kultivieren heißt nichts Anderes, als statt der Gerechtigkeit und Liebe Raub und Gewaltthat auf den Thron bringen und es dahin bringen, daß sich die Menschen selbst vernichten. Es wäre dies das Gesetz der Wilden, die sich selbst aufreiben. In Paris, London, New-Aork, Rom, Peking dürften alsdan keine Deutschen und in Deutschland keine Fremden bestehen. Die Czechen wären alsdann berechtigt im Kampf gegen die Deutschen, die Magyaren ebenso, der Kampf Aller gegen Alle wäre ebenso berechtigt, wie die Aus- Austreibung und Vertilgung der Juden, der Sie das Wort reden. Doch Sie meinen es nicht so schlimm, Sie schlagen andere Wege vor und sagen bloß: „Endweder — Oder!" Auch das ist nichts Neues unter der Sonne, alles schon dagewesen. Doch glauben Sie mir, das Judentum und Christentum ihre Mission noch nicht ganz erfüllt. Sie behaupten ferner, auf den Juden ruht der Haß aller Völker und messen dies als Schuld diesen bei; das heißt aber wieder nichts Anderes, als Unschuldige im Feuer verbrennen oder im Wasser ertränken und ihnen dann höhnend zurufen: Warum habt ihr das mit euch geschehen lassen! Alle wahnwitzigen Gesetze, die das Mittelalter gegen die Juden ausgebrütet hat, um sie dem Spott und der Verachtung preiszugeben, hatten ja bloß den Zweck, die Juden verächltich zu machen. Und Sie, hochgeschätzter Herr Professor, machen dieses den Juden zum Vorwurf. — Die Juden haben sich an keiner Erfindung beteiligt, haben nirgends Nutzen gestiftet, wie Sie behaupten, aber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.