Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1885)
- Date
- 1885-02-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 — die imposanten Schlösset, die zählreichen Kirchen und Türme anstaunend. Er war glücklicher als der arme wissensdurstige Moses aus Dessau! Dieser hatte, als ihn sein nach Berlin berufener Lehrer, R. David Frankel, trotz des 'heißen Flehens zurückgelassen, sich heimlich von Vater und Mutter losgerissen, war, aller Mittel bar, zu Fuß nach der preußischen Hauptstadt gewandert, um seine ernsten Studien fortsetzen zu können. Dem jungen Salomon Herxheimer stand noch ein Vater zur Seite, welcher von dein nahen Dotzheim aus die Entwicklung des Knaben beobachten und ihm neben der kärglichen Unterstützung, die er sich, seiner Frau und seinen Kindern absparen mußte, persönlich Liebe und Wohlwollen in der damals annähernd 1600 Seelen zählenden ') Mainzer israelitischen Gemeinde erwirken konnte, wohl wissend, daß bei seinen rheinischen Brüdern trotz aller durch die Kriegszeiten geforderten materiellen Opfer der Wohlthätigkeitssinn nicht erloschen war. Und auch der Zuneigung dessen, von dem er geistige Nahrung für sein Kind erbat, war er sicher; sein streng religiöser Lebenswandel erwarb ihm die Gunst und seinem Kinde die väterliche Fürsorge R. Herz Scheyers^, Vom Juni 1814. .kurze „Reit nach dem Pariser Frieden, führt? R. Herz wieder die geistliche'MemherWäsk? Mv"T807 zum QkÄrrd-Kaobiu du Consistoire du Departepa&ftt de Tounerm öoit der französischen Regierung ernannte frühere Wormser Rabbiner, der gelehrte Rabbi Samuel Wolf Levi," "Tater des Größherzogllcheu Provinzialrabbiners Dr. B. Levi in 'Gießen hatte 1813, man behauptete m Folge einer Krankheit, welche eine unverdiente ZurM- * setzung verursachte, das Zeitlich^ gesMie.tr- Das Mainzer Memorbuch und andere Quellena) Wldern R. Herz Scheyer als vorzüglichen Menschen, reinen, »festen,Charakter und tiefcielehrten TalmMsten,' der, kanstsMeW Jahre M^ der würdige MchfolK^PMs' Wterch'^'DewUe''Scheyer, wurde, in engertt imtf weitern Kreisen zahllose religionsgesetzliche Fragen entschied und seine Schüler an gesuchten Rabbinen heranbildete. Herxheimer kostete, wie er mit Befriedigung off erzählte, alle Freuden^— wer denkt nicht an das leidenschaftliche Spiel zur Chanukkazeit! — und Leiden eines Bachurs. Auf letztere mußte er ja nach dem ihm bekannten Satze aus den Sprüchen der Väter (VI, 4) gefaßt sein: „Das ist der Weg für's Thorastudium: Iß Brod mit Salz, trink Wasser aus dem Maße, schlafe auf der Erde, lebe ein Leben der Entbehrung und mühe dich ab mit der Lehre. Thüst du so, dann heil dir und wohl dir, heil dir in dieser Welt und wohl dir im künftigen Leben." — .(gehörte er catch nicht zu den scharfsinnigsten, im Pilpul geschulten..JüMern^^^MUWer^ zu den fleißigster^ -"GE.LMgey. Wjiulyji jMer Vaterstadt Schlomeche Dotzem nannten. liebten ihn, weil sein munteres, witziges Weseü^fke oft eicheikerke imo anzvg. " hxx Mendelssohn'schen Zeit das jüdische Geistesleben durchziehende, die Eigenwärme erhöhende, die Keimkraft weckende Frühlingshauch begeisterte die israelitische Jugend für vaterländische und klassische Bildung, die Talmudjünger, wie bekannt, in erster Reihe. Und als durch den Pariser Frieden im Jahre 1814 Mainz dem deutschen Vaterlande zurückgegeben war, besannen sich Viele trotz der am Rhein noch fortdauernden Sympathien für Frankreich, seine Sitten, seine Sprache und sein Recht auf ihre eigentliche Aufgabe, neben dem einseitigen Talmudstudium einer universelleren Bildung zuzustreben. Anregend wirkte nach 0 Schaab, Diplomatische Geschichte der Juden in Mainz, 413. 0 Tore sahab, nachgelassenes, von s. Enkel R. Sam. Bondi heränsgegebenes Werk R. Herz Scheyers über HL. n. ä., Borrede Blatt 13 ff.