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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. Seite 16

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 imsympatische Bewegung noch des Ausführlichen berichten, sobald in den Gang der Unterhandlungen mehr Klarheit gekommen sein wird. So viel steht aber fest, daß der Kraftaufwand und die zu Tage tretende Energie für wichtigere Angelegenheiten eher am Platze wäre. Palästina gehört für uns der Vergangenheit an und jeder Rückkehrgedanke ist thöricht und nicht wünschenswert. Aufwärts, nicht rückwärts geht die jüdische Geschichte ihren Gang. — Zwischen Frankfurt a. M., Kowno und Slonim wurden Schriftstücke wegen koscherer Tesillin und Mesusas ausgetauscht. Hat man jetzt wirklich nichts Wichtigeres zu thun? Wenn die Festung gestürmt wird, darf man sich nicht mit kleinlichen Fragen aufhalten. — In Schwerfen; hat sich ein Verein für jüdische Geschichte und Literatur gebildet. — Am 20. November hielt Herr Dr. Werner in Hamburg einen Vortrag über „Die Blüthezeit der jüdischen Poesie und des jüdischen Wissens im Mittelalter". — Herr Dr. Hochstädler hat seinen im vorigen Jahre im Mendelssohn-Verein zu Frankfurt a. M. gehaltenen Vortrag „lieber das biblische und talmudische Frauenlob" drucken lassen. — Am 23. und 24. November waren 6 Rabbiner in Bromberg versammelt, um Vorbesprechung zu pflegen wegen Gründung eines Lehrerseminars in Posen. — Am 4. Dezember wurde die Reihe der Vorlesnngen im Mendelssohn-Verein zu Frankfurt a. M. eröffnet. Herr Dr. Adolf Brüll sprach über „Nichtjüdische Stimmen in der Judenfrage".— Ein Antisemitenführer in Dortmund, Namens Maßmann, hat sich im Eisenbahncöups erschossen. — Die Königliche Regierung in Posen hat am 25. Oktober eine Verordnung erlassen, die mit dem 15. November in Kraft getreten ist, wonach es als verboten gilt, Leichen ohne Sarg zu Grabe zu bringen. Die Beerdigung darf fortan nur in festgeschlossenen Särgen erfolgen. — Die Vorsteher der Synagogen-Gemeinde in Gestrmiinde wurden mit je 10 Mark bestraft, weil sie an einem Sonntage einen Leichenzug an der Kirche vorbeiziehen ließen, in der Gottesdienst abgehalten wurde. — Bei der in Hilchenbach abgehaltenen Lehrerprüfung hat, wie die Preußische Lehrerzeitung berichtet, Provinzialschulrat Dr. Siegest an einen Kandidaten die Frage gerichtet „Warum darf ein Lehrer Berthold Auerbach's Werke nicht lesen?" Die Antwort hiezu geben wir aus einer französisch wissenschaftlichen Monatsschrift, worin Auerbach gerade wegen seines , Deutschtums von einem deutschfeindlichen Gelehrten abfällig beurteilt wird. — In Berlin und St. Petersburg fand keine offizielle Montefiore-Feier statt. Aus den vielen uns zugegangenen Berichten, die wir unmöglich zum Abdrucke bringen können, geht soviel hervor, daß der bedeutendste aller Propheten, Mose, unser Lehrer und Meister, an diesem Tage vielfach auf Kanzeln mißhandelt wurde. Herr Dr. Kippner in Giogau, der Heimat Munks, verwahrte sich mit Recht in seinem lichtvollen Vorträge gegen die Vergleichung Montefiore's mit Mose, eine Vergleichung, die der Jubilar, wie Herr Dr. Rchpner mit Recht hervorhebt, mißbilligen und zurückweisen würde. Er zog bei dieser Gelegenheit eine Parallele zwischen Montefiore und — Zunz. Während das Jubiläum des letzteren still und bescheiden auf den Kreis seiner Familie und seiner Kollegen sich konzentrirte, wird Montefiore von der gesummten zivilisirten Welt gefeiert. Allein — so führt Herr Dr. Rippner aus — dieses liege schon in der Natur der Menschen.... Eine Episode aus dem Leben Mendelssohns soll hiefür als Beleg dienen. Mendelssohn habe bei seiner Bibelübersetzung pekuniären Schaden erlitten, während er mit seinen Psalmen sozusagen ein brillantes Geschäft gemacht — ein Beweis, daß die große Masse lieber einem Könige, als einem — Rabbi huldige. Mit dem Wunsche, daß es Israel nie an Männern wie Montefiore fehlen möge, schloß

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